Wesel: Unwetter bremst die Pendler aus

Wesel : Unwetter bremst die Pendler aus

Von großen Schäden blieb der Raum Wesel am Montagabend verschont. Wer aber nach Essen oder Düsseldorf wollte, der hatte gestern keine Chance. Nichts ging mehr auf Straßen und Gleisen.

Das Unwetter in der Nacht zu gestern hat den Kreis Wesel weitgehend verschont. Acht umgeknickte Bäume waren der Polizei gemeldet worden, die Kreisleiststelle für Feuerschutz und Rettungswesen kam auf ganze sieben Einsätze. Angesichts der Verwüstungen im Raum Düsseldorf/Essen/Duisburg war das fast nichts. Sichtbar waren indes Folgen der ergiebigen Niederschläge, weil die Kanalisation der Massen nicht überall Herr werden konnte. So hatte sich auf der Fluthgrafstraße ein Gewässer gebildet, das einen eigenen Namen verdient gehabt hätte.

Bennett Wolff - hier mit Großvater Michael Dornow - wollte nach Köln. Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Besonders Pendler bekamen aber die Auswirkungen des Unwetters zu spüren. So war RP-Leserin Anja Elsing schon auf dem Weg von Bislich nach Essen, als sie der Anruf einer Kollegin erreichte. Deren Rat, lieber nicht zur Arbeit zu kommen, hat sie befolgt. Neben einem 35-Kilometer-Stau auf der A 3 hätte die Vollsperrung der A 42 sie ausgebremst.

Jan Genet, Sebastian Beyer, Björn Ullrich (v.l.) hatten schon Montagabend keinen Zug nach Oberhausen/Duisburg bekommen, sahen auch gestern in die Röhre. Foto: Malz, Ekkehart (ema)

RP-Mitarbeiter Michael Stein erlebte einen Stress-Morgen im Stau. "Ich bin um 8.30 Uhr auf die A3-Auffahrt Richtung Düsseldorf gefahren. Jetzt ist 11.10 Uhr, ich stehe endlich am Kreuz Breitscheid. Kaum etwas bewegt sich, alle paar Minuten geht es weiter", berichtete er vom Tag eins nach dem Unwetter aus der Blechschlange heraus. Er gehörte zu den Leuten, die als Pendler nach Düsseldorf müssen - eine unaufschiebbare Schulung war der Grund. Steins Sohn Matthias, Student in Bochum, wollte von Wesel zur Uni. In Oberhausen-Sterkrade machte er kehrt. Hier endete der regionale Zug. Ralph Benning aus Flüren, der bei der Deutschen Bank in Essen arbeitet, war fein raus. "Zum Glück hatte ich frei. Kollegen haben mir gemailt, dass sie nicht durchkamen nach Essen. Jetzt arbeiten sie per Homeoffice", erzählte er.

Lange Gesichter gab es am Weseler Bahnhof. Schon Montagabend war der Zugverkehr zum Erliegen gekommen. Gestern morgen war eine Bahnreise ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Zwischen Emmerich und Wesel lief lange Zeit nichts. Zwischen Wesel und Duisburg fuhren Züge, aber wie es von Duisburg aus weitergehen sollte, das konnte niemand sagen. Die Damen am Bahnhofs-Schalter hatten die Aufgabe, Kunden von Bahnfahrten abzuraten und die Hoffnung, dass heute wieder alles funktioniert.

Oberleitungsschaden an der U75 in Düsseldorf

Unterdessen summierten sich die Verspätungen. Einen Termin in Duisburg konnte der Hamminkelner Landwirt und Kommunalpolitiker Volker Neuhaus somit schon mal abschreiben. "Vielleicht kann ich den verschieben", sagte er, der anschließend noch nach Düsseldorf wollte. Ausgerechet zu einer Fraktionssitzung der FDP im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Laura Förster war besonders dumm dran. Die 24-Jährige studiert in Jena. Um 14 Uhr hätte sie gestern Unterricht gehabt, was gegangen wäre, wenn sie morgens um 5 Uhr hätte abfahren können. Hoffnungen auf heute schwanden. Laura Förster wird länger in der Heimat bleiben, denn erst Montag hat sie wieder Unterricht. Heute muss Bennett Wolff in Köln zur Grundschule. Der Achtjährige und sein Weseler Großvater Michael Dornow fragten vergeblich nach einem Zug. Dornow wappnete sich für eine Autofahrt nach Köln.

Das Revier des Hünxer Försters Michael Herbrecht reicht bis in den Raum Düsseldorf. Nachdem er hier keine Schäden festgestellt hatte, macht er sich um 9 Uhr auf den Weg Richtung Ratingen. Kurz nach 11 Uhr hatte es Herbrecht über die Autobahn nur bis Mülheim geschafft. "Dann ging nichts mehr, und ich bin auf die Landstraße gewechselt. Aber auch hier ist kein Vorankommen. Alles liegt voller Äste, vor allem von Platanen", berichtete er.

(RP)
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