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Wesel: Unterwegs auf dem Boden des Rheins

Wesel : Unterwegs auf dem Boden des Rheins

Bei der Suche nach Bomben im Rhein war der Bohrtrupp auf Hindernisse gestoßen. Nun kam die "Carl Straat" zum Einsatz, mit einer Taucherglocke an Bord. Damit konnten Experten die Rheinsohle am Brückenpfeiler untersuchen.

Über Wasser gehen — das wird wohl ein Traum bleiben — trockenen Fußes unter Wasser gehen, das hingegen ist möglich. Und zwar mit einer Taucherglocke. Eine solche kam gestern im Rhein zum Einsatz. Grund: Bei den Sondierungsbohrungen nach möglichen Blindgängern aus dem II. Weltkrieg, die vor dem Abriss der alten Brückenpfeiler nötig sind, stieß der Bohrtrupp auf Hindernisse (RP berichtete). Nun rückte die "Carl Straat" an, ein in Deutschland einmaliges Spezialschiff vom Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg, das beim Projekt Brückenabriss mit Straßen NRW zusammenarbeit.

Gestern gegen 9 Uhr wurde die Tauchglocke ins Wasser getaucht. Luftüberdruck verhindert, dass Wasser eindringt. Sie funktioniert quasi wie ein umgestülpter Becher. Die Glocke kam bereits am 8. Januar zum Einsatz, um die Umgebung um den Pfeiler auf der Wesel zugewandten Seite zu erkunden. Sie ermöglicht einen wasserfreien Blick auf die Rheinsohle — rund fünf Meter unter der Wasseroberfläche. Durch einen langen Gang steigen die Experten in die Tiefe — jedoch nicht alle. Bauleiter Klaus Brantin war zwar auf dem Schiff, musste aber oben bleiben. "Es dürfen nur Leute mit Tauchschein runter", sagt er.

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Doch was war es nun, was die Bohrungen stoppte? "Es ist eine Spundwand, die 1953 bei der Errichtung des Pfeilers eingebaut worden ist", so Brantin. Ein Blick auf die Pläne zeigt, dass die Wand zwar bekannt war, aber an einer anderen Stelle vermutet wurde. "Wir werden mit unserer Spundwand drum herum gehen und die alte dann abschneiden", erklärt Franz Josef Scheuer (Straßen NRW).

Nachdem das Rätsel gelöst war, fuhr die "Carl Straat" gegen 10.30 Uhr zurück nach Rees, wo sie momentan im Einsatz ist. In Wesel gingen indes die Suchbohrungen weiter. Bomben wurden bislang nicht gefunden. Insgesamt 200 Bohrungen werden an beiden Pfeilern gemacht. Rund die Hälfte der Bohrungen am Flusspfeiler im rechten Uferbereich sind abgeschlossen.

Man habe bereits bei den Bauarbeiten rund um die alte und neue Rheinbrücke relativ viel Material entdeckt. "Es wurden sogar Brückenteile von der Sprengung 1944 gefunden", sagt Scheuer. Auch alte Bahnschienen und sogar eine Kanonenkugel aus der Zeit Napoleons, die sich jetzt im Museum in Xanten befindet, wurden aus dem Rhein gefischt.

Bis der Abriss des ersten Flusspfeilers beginnt, wird es nach Schätzungen von Scheuer noch bis zum Sommer dauern. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Wenn die Bohrungen abgeschlossen sind, werden die Spundwände für die Baugrube errichtet. Zudem wird die Abrissbaustelle, die entsteht, durch ein Leitwerk gesichert. Denn an dieser Stelle sind Schiffe aus Richtung Duisburg dank der Strömung schnell unterwegs und könnten gegen die Spundwände prallen. Das ist auch 1953 passiert — deshalb wurde damals eine neue Spundwand gezogen. Auf deren Reste ist man gestern dank freier Sicht aus der Tauchglocke gestoßen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So wird an der alten Rheinbrücke nach Bomben gesucht

(RP)