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Wie Geht's, Wesel?: Unsere Wahlempfehlung

Wie Geht's, Wesel? : Unsere Wahlempfehlung

Sollen Journalisten eine bestimmte Partei empfehlen oder von der Wahl einer bestimmten Partei abraten? Besser nicht! Das ist ja das Schöne an der Demokratie: Es lebe die Kraft der klügsten Argumente.

Ein Moderator des Pro7-Magazins "taff" hat in dieser Woche für Wirbel gesorgt, weil er in einer Live-Sendung seine Zuschauer dazu aufforderte, auf jeden Fall vom Recht der Wahl Gebrauch zu machen, allerdings der AfD die Stimme zu verwehren. Das sorgte für harsche Kritik, denn Thore Schölermann, so heißt der Moderator, trennte da nicht zwischen dem Privatmann und Job. Das Ende vom Lied: Schölermann entschuldigte sich und äußerte als Privatmann auf seinem Facebook-Kanal erneut seine Meinung.

Dürfen Journalisten eine Wahlempfehlung aussprechen, und sei es die Empfehlung, eine bestimmte Partei nicht zu wählen? Gerade wir Journalisten sind es doch, die mit der Stilform des Kommentars politische Streitfragen begleiten. Und da, wo es zum Schwur kommt, zur Bundestagswahl, halten wir die Füße still? Als Journalist ist man in der Zwickmühle. Man ist ja selbst auch Wähler, und genau wie andere Menschen auch diskutiert man leidenschaftlich gern Politik.

Hinter den Direktkandidaten für den Wahlkreis Wesel I liegen anstrengende Wochen. Sie haben ihre Meinung auf dem Podium vertreten, sie haben - der eine mehr, der andere weniger - unsere Presseanfragen beantwortet, sie haben auf Marktplätzen und in Schulen für sich zu werben versucht. Das alles geschah - trotz aller Kontroverse - in aller Regel auf einem zivilisierten Niveau. Manche Politikerauftritte fanden wir gut, andere weniger. Wir haben über diese Auftritte geschrieben, die politischen Programme der Parteien beleuchtet, haben die Direktkandidaten vorgestellt, auch mit persönlichen Fragen. Auf diese Art, so hoffen wir, haben wir dazu beitragen können, die politische Meinung zu schärfen oder Anlass zum Zweifel zu bieten. Das war unsere Art der Wahlempfehlung.

Ich freue mich auf den Wahlsonntag, der, so pathetisch das klingen mag, Festtag ist. Wir werden als Familie am Morgen zum Wahllokal strampeln. Meine Kinder sind gespannt auf den Tag, ständig reden sie im Moment über die Wahl. Unser sportbegeisterter Nachwuchs, ungern auf der Verliererseite, würde übrigens Angela Merkel wählen. Als ich fragte, warum denn Frau Merkel, sagten die Kinder: "Weil die bestimmt gewinnt." Ich bin gespannt.

(RP)