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Wesel: Ungewöhnliche Feier in Wesel: Hochzeit im Seniorenwohnheim

Wesel : Ungewöhnliche Feier in Wesel: Hochzeit im Seniorenwohnheim

Zwei Menschen lernen sich kennen, verlieben sich und heiraten - das ist soweit nichts Ungewöhnliches. Doch die Geschichte von Margot Obermann (62) und Wolfgang Baehr (71) ist trotzdem eine ganz besondere, denn beide sind aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen Bewohner eines Seniorenheims. Das erste Mal trafen sie sich Aufzug des Martinistifts. Er war gerade frisch eingezogen und sie hatte Probleme mit ihrem Handy, bei denen er helfen konnte. Man kam ins Gespräch. "Dann hab ich erst mal 14 Tage jeden Tag Plätzchen und Schokolade geholt", erinnert sich der 71-Jährige lächelnd - bei ihm war es Liebe auf den ersten Blick und er ist eben Kavalier alter Schule.

Auch seine Zukünftige war sofort hin und weg, dennoch dauerte es eine Zeit, bis sie tatsächlich zusammenfanden. "Ich habe mich nicht sofort getraut, ihn darauf anzusprechen", sagt Margot Obermann. Doch ein klärendes Gespräch bei einem Wein im Wintergarten des Hauses wurde die gemeinsame Liebe besiegelt. Fortan waren die beiden unzertrennlich, bezogen sogar ein gemeinsames Zimmer.

All das passierte vor ziemlich genau einem Jahr. Und anfangs waren einige der älteren Bewohner etwas irritiert über das junge Glück. In einem Zimmer ohne Trauschein, geht das denn? Ja, es ging. Obwohl das Martinistift ein katholisches Haus ist, unterstützen sowohl Heimleitung und Personal das Zusammenleben. Die beiden hätten nicht heiraten müssen, doch auch hier ist Wolfgang Baehr wieder Romantiker. Im April machte er seiner Margot einen ganz klassischen Heiratsantrag, mit Blumen, Ring und allem, was dazu gehört - und sie sagte "Ja!". Beide sind schon einmal verheiratet gewesen, gehen also erfahren in die Ehe und wissen, worauf sie sich einlassen.

Als erstes erzählte die 62-Jährige ihrer Tochter von der Verlobung. Die habe sich sehr gefreut und auch alle anderen Freunde, Bekannten und Verwandten seien zwar überrascht, aber auch "ganz happy" über die Nachricht. Nur der zehnjährige Enkel reagierte zunächst befremdet: "Omas dürfen doch gar nicht heiraten!", habe er gesagt. Mittlerweile nennt er den Zukünftigen seiner Oma aber sogar "Opa Wolfgang".

Nächste Woche Mittwoch soll dann die Hochzeit steigen - morgens standesamtlich im Rathaus, nachmittags folgt die geistliche Trauung (beide sind evangelisch) im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes in der Cafeteria des Seniorenheims. Dafür hat Margot Obermann sich extra ein Kleid anfertigen lassen - Farbe und Form hält sie aber geheim, schließlich brächte das sonst Unglück. Von den Bewohnern darf kommen, wer mag und auch die Familie der Braut wird mitfeiern. Ihr Bruder ist sogar Trauzeuge, genau wie eine befreundete Bewohnerin.

Für das ganze Haus gibt es im Anschluss ein Hochzeitsmenü und auch eine Torte. Streng genommen gilt es an diesem Tag dann auch gleich zwei Dinge zu feiern, denn der Hochzeitstag fällt auf den Geburtstag des Bräutigams. "Das gefiel mir so gut", verrät die zukünftige Braut. Und ihr Liebster wird diesen Hochzeitstag bestimmt nicht vergessen.

(Meko)