Unfall in Wesel: 20-Jähriger von ICE erfasst und tödlich verletzt

Mann trug laut Zeugen Kopfhörer : 20-Jähriger in Wesel von ICE erfasst und tödlich verletzt

In Wesel hat sich am Donnerstagabend ein tödlicher Unfall ereignet: Ein junger Mann ist an einem Bahnübergang von einem ICE erfasst worden. Laut Zeugen trug er Kopfhörer.

Der Tod eines 20-jährigen Radfahrers aus Hamminkeln-Mehrhoog, der am Donnerstagabend gegen 20.20 Uhr auf dem Bahnübergang Holzweg in Wesel-Feldmark von einem ICE erfasst und tödlich verletzt wurde, hat in Wesel und Hamminkeln gleichermaßen für Entsetzen gesorgt.

Nach Angaben der Polizei war der junge Mann auf einen E-Bike von der Grünstraße kommend in Richtung Emmericher Straße unterwegs. Vor den geschlossenen Bahn-Halbschranken hielten mehrere Autos, einige Fußgänger warteten ebenfalls. Das Rotlicht blinkte. Der Hamminkelner sei, so gaben Augenzeugen zu Protokoll, an den Autos vorbei und auf die Gleise gefahren. Warum er das tat, ist noch immer nicht klar.

Mitten auf dem Bahnübergang prallte der junge Mann, der Kopfhörer trug, mit dem ICE zusammen. Die Bahnstrecke war für mehrere Stunden gesperrt. Vier Zeugen erlitten einen Schock.

Es ist nicht das erste Mal, dass junge Menschen die geschlossenen Halbschranken ignoriert haben und von Zügen erfasst wurden. Erst im Oktober 2018 wurde eine Schülerin von einem anfahrenden Zug schwer verletzt. In Wesel ist allgemein bekannt, dass vor allem morgens und nachmittags gerade viele junge Leute, die die benachbarte Kollegschule besuchen, die Gleise bei geschlossenen Schranken queren. Aus diesem Grund kontrollieren im Rahmen einer Ordnungspartnerschaft Mitarbeiter der Polizei, der Bundespolizei und der Stadtwacht den Bahnübergang schon seit mehr als zehn Jahren in unregelmäßigen Abständen.

Wesels SPD-Fraktionschef Ludger Hovest sprach während eines Pressetermins das tragische Unglück an und forderte künftig „verdeckte Kontrollen“ und Bußgelder in Höhe von bis zu 250 Euro. „Denn wenn man Polizisten und Stadtwachtmitarbeiter sofort an der Uniform erkennt, dann bleiben alle brav stehen“, so Hovest. Für ihn gebe es nur eine Lösung des Problems: Die seit Jahren geplante Verlegung des Haltepunktes Feldmark vom Holzweg zum wenige hundert Meter entfernten Mühlenweg müsse kommen. „Dadurch würde der Bahnübergang am Holzweg wegfallen. Fußgänger und Radfahren könnten dann durch die neue Unterführung fahren. Das ist die Lösung, alles andere ist nur Stückwerk.“

Auch im Weseler Rathaus hat das Unglück für Bestürzung gesorgt. „Wir sind alle sehr betroffen, unser Mitgefühlt gilt den Angehörigen und allen Beteiligten“, erklärte Klaus Schütz als Erster Beigeordneter in Vertretung für Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Ob die Stadt aus dem Unglück Konsequenzen ziehen wird, ließ Schütz im Gespräch mit unserer Redaktion offen. „Bevor wir über Konsequenzen nachdenken, sollte der Unfall im Detail bekannt sein.“ Angesprochen auf den Vorschlag von Hovest, den Bahnübergang von Beamten in Zivil kontrollieren zu lassen, sagte er: „Diese Möglichkeit ist von der Polizei abgelehnt worden.“

Die Bahn war zu einer Stellungnahme bis zum Abend telefonisch nicht zu erreichen. Schriftlich teilte ein Bahnsprecher aus Düsseldorf auf Anfrage mit, dass die Sicherung des Feldmarker Bahnübergangs ordnungsgemäß funktioniert habe. Generell sei es so, dass mehr als 90 Prozent der Bahnübergangsunfälle wegen Unaufmerksamkeit, Leichtsinn oder Unkenntnis passieren würden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 20-Jähriger in Wesel tödlich von ICE erfasst

Mehr von RP ONLINE