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Umweltvergehen in Wesel: Neue Hintergründe im Asbest-Skandal

Umweltvergehen : Neue Hintergründe im Asbest-Skandal von Wesel

In einem Weseler Wald wurde illegal entsorgter Asbest entdeckt, bei Vorarbeiten für eine Amprion-Werkstatt. Für die Staatsanwaltschaft sind viele Fragen offen, ermittelt wird gegen einen Unternehmer. Wer waren die Mittäter?

Im Umweltskandal um illegal im Aaper Busch entsorgte Asbestmengen (wir berichteten exklusiv) werden weitere Details bekannt. Mittlerweile steht der genaue Fundort des asbesthaltigen Materials fest. Direkt neben dem Umspannwerk lässt die Firma Amprion derzeit eine Werkstatt errichten. Bei vorbereitenden Arbeiten sind im März 2017 auf diesem Gelände asbesthaltige Abfälle aufgefallen. Insgesamt 46 Tonnen dieses gefährlichen Materials wurden danach abtransportiert – Erdreich vermengt mit Grünschnitt und dem asbesthaltigen Material. Der Bauschutt soll beim Fund von Grünschnitt überdeckt, auch in einer Auskofferung eingelagert gewesen sein. Das Baumaterial Asbest gilt als hochgefährlich: Es kann auch Jahre nach dem Einatmen noch Lungenkrebs auslösen.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg, die in diesem Fall die Ermittlungen führt, will sich zu Details nicht äußern – auch den Namen der Anzeigenerstatterin Amprion nennt sie nicht. Sie bestätigt nur, dass eine Strafanzeige durch eine Firma gestellt wurde, nachdem diese auf ihrem Grundstück die Asbestmengen vorfand. Der mögliche Straftatbestand lautet „Unerlaubter Umgang mit Abfällen“. Wer ist der Verursacher? Die Ermittlungen laufen gegen einen Weseler Unternehmer, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte. Doch auch hier gibt es noch viele Fragen: Woher stammt das Material? Ist der beschuldigte Unternehmer tatsächlich verantwortlich, agierte er alleine, wer waren mögliche Mittäter? „Wir haben noch viele Fragen“, sagt Staatsanwältin Jennifer König aus Duisburg. Die Akten lägen derzeit zu weiteren Ermittlungen wieder bei der Polizei.

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  • Foto: Sven Hoppe/dpa
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Eine Gefahr für die Allgemeinheit besteht jetzt nicht mehr: Entsorgt worden ist das asbesthaltige Material im Februar 2018. Es wurde ausgebaggert und abtransportiert. Ob allerdings davor Gesundheitsgefahr im Zeitraum bis zum Fund und Abtransport bestanden, ist Gegenstand von Ermittlungen.

Dass Firmen Asbestreste illegal entsorgen, ist für Klaus-Peter Ehlert, Berater des Weseler Unternehmens Asbestos, nichts Neues. Er verweist darauf, dass mit dieser kriminellen Methode leicht zehntausend Euro gespart werden könnten. Seine Beispielrechnung: Wenn eine alte Scheune abgerissen wird, kämen leicht 500 Tonnen an asbesthaltigem Material zusammen. Dies könnten 10.000 Euro Deponiekosten sein. Immer wieder würde seine Firma auch vom Kreis oder der Stadt Wesel kontaktiert. Im konkreten Fall im Aaper Busch sei das aber nicht geschehen. Besonders Landwirte seien oft nachlässig mit Asbest, sagt der promovierte Ingenieur Ehlert. Er kenne mehrere Fälle auch im Kreis Wesel, in denen Landwirte ihre Scheune abgerissen haben und das Asbestmaterial danach auf dem Feld verbuddelt haben, oft mehrere Lkw-Ladungen. Seit 20 Jahren ist der in Moers wohnende Ingenieur mit dem Thema Asbest vertraut. Überall sei Asbest verbaut, sagt Ehlert. 3000 verschiedene Anwendungsfelder von Asbest seien in Deutschland bekannt.

Normalerweise sei dies kein Problem, erst beim Abriss entstünden durch die Fasern Gesundheitsgefahren, wenn sie nicht ordnungsgemäß entsorgt werden. „Asbest kann man essen und trinken, aber man sollte es nicht einatmen“, sagt er überspitzt. Es sei ein natürlicher Stoff, „keine Chemie“, die starke Kristallisierung bewirke aber, dass beim Einatmen von Asbest auch nach 20 Jahren noch Lungenkrebs verursacht werden kann.