1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Nach Austritt aus FDP: Umstrittener Anwalt aus Schermbeck erwägt Karriere in AfD

Nach Austritt aus FDP : Umstrittener Anwalt aus Schermbeck erwägt Karriere in AfD

Der Schermbecker Thomas Heiske ist nach einem Streit um hetzerische Äußerungen aus der FDP ausgetreten. Nun könnte der ehemalige FDP-Bundestagskandidat in die AfD eintreten und so seine politische Karriere neu anschieben.

Ein Antrag auf Mitgliedschaft ist noch nicht gestellt. Die AfD wird "sorgfältig prüfen". Seine frühere Partei, die FDP, hat der Schermbecker Anwalt Thomas Heiske auf größtmögliche Distanz gebracht. Auf dem Gipfel der sogenannten Flüchtlingskrise wütete Heiske bei Facebook, legte unter anderem nahe, "Gutmenschen" hinzurichten, warf der Bundesregierung vor, das "deutsche Volk auslöschen" zu wollen. Angela Merkel verglich er immer wieder auch mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. Zahlreiche solcher Aussagen sind dokumentiert.

Nun peilt Heiske eine neue politische Karriere an - und sieht seine Zukunft in der AfD. Auf Anfrage räumte er ein, dass es seit langem Kontakte zur AfD gebe, dass er das Ziel habe, politisch Karriere zu machen. An Stammtischen der AfD hat er bereits teilgenommen. Es sei aber "noch nichts spruchreif". Einen Antrag habe er noch nicht gestellt. Er wolle "die Entwicklung" im Bezug auf die Konstellation im Vorstand abwarten, erklärte Heiske. Im Frühherbst wird der Vorstand neu gewählt.

Der Fall Heiske und die AfD - für die Partei ist es ein Lackmustest. Seine Äußerungen hat der Schermbecker öffentlich bei Facebook getätigt. Darf man mit solchen Aussagen Mitglied der AfD werden? Von seinen umstrittenen Aussagen im Kontext der Flüchtlingskrise werde er kein einziges Wort zurücknehmen, sagt Heiske. "Ich stehe dazu."

Bei der AfD jedenfalls scheint man sich auf die Anfrage Heiskes vorzubereiten. Der AfD-Kreissprecher Renatus Rieger hat sich bereits erkundigt, was genau die umstrittenen Aussagen Heiskes waren, bevor dieser nach einem Streit - aus eigenen Stücken - aus der FDP austrat. Klar ist: Heiske würde keine stille Nebenrolle in der AfD spielen, er hat auch bei den Liberalen in Schermbeck stets die politische Bühne gesucht. Seit 1999 ist Heiske im Schermbecker Rat, zeitweise sachkundiger Bürger im Kreistag, kandidierte mehrfach für den Bundestag und 2004 auch für das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Schermbeck. Nach dem Ausscheiden aus der FDP behielt er sein Ratsmandat.

Kreissprecher Renatus Rieger betont auf Anfrage, dass er ein Vetorecht habe. Die formale Aufnahme eines Parteimitglieds geschehe durch den Landesverband, faktisch sei aber sein Votum entscheidend. Rieger sagt: "Ich brauche keine Querschläger, keine Extremisten." An dieser Aussage wird er sich bei Heiske messen lassen müssen.

Die Bande zwischen Heiske und der AfD jedenfalls scheint enger zu sein. Nach Informationen unserer Redaktion ging Rieger zwischenzeitlich davon aus, dass ein Antrag von Heiske auf Mitgliedschaft vorliegt. Er war in die Prüfung der Aussagen Heiskes eingestiegen. Rieger teilte aber im Gespräch mit unserer Redaktion kurz danach mit, dass es noch keine Anfrage gebe. "Wir haben klare Richtlinien, wen wir aufnehmen und wen nicht." Ehemalige Mitglieder von Pro NRW oder NPD würden nicht aufgenommen. Bei Mitgliedern der Republikaner gebe es ein Sechs-Augen-Gespräch vor einer möglichen Aufnahme.

Generell ist Rieger allerdings bestrebt, mehr AfD-Mitglieder im Kreis zu gewinnen. "Wir haben derzeit nur 122 Mitglieder, wir sind immer noch klein", räumte Rieger ein. Es gebe immer noch keinen einzigen gegründeten Ortsverband. Mitgliederstark seien aber Moers, Dinslaken und - mit rund 15 Mitgliedern - auch Wesel. Das sei als Basis jedoch noch zu wenig, um für die nächsten Wahlen gut aufgestellt zu sein.

Ohnehin gibt es im AfD-Kreisvorstand ständig Bewegung. Der ehemalige Kreissprecher Uwe Krins aus Rheinberg ist bereits zweimal zurückgetreten; zuerst als Kreissprecher, dann kürzlich als Stellvertreter. Der Moerser Renatus Rieger ist jetzt Vorsitzender. Und in wenigen Monaten wird schon wieder gewählt. Rieger sagt: "Ich will Kreissprecher bleiben, und ich will auch wieder für den Bundestag kandidieren." Heiske betont, dass er sich vorstellen kann, mit Rieger gut zusammenzuarbeiten.

Rieger will in jedem Wahlkreis zur nächsten Kommunalwahl Personal aufstellen können. Rund 300 Kandidaten benötige er für die verschiedenen Kommunalwahlkreise und für die Kreistagswahlkreise. Die Äußerungen seiner 122 Mitglieder im Kreis beobachtet Rieger. "Es gibt Leute, die posten dummes Zeug", räumt Rieger im Bezug auf Äußerungen seiner Mitglieder bei Facebook ein. Bisher sei aber in keinem Fall eine Äußerung so gravierend gewesen, dass er gezwungen gewesen sei, ein Parteiausschlussverfahren einzuleiten.

Klar ist: Mit Heiske käme jemand in die Partei, der Erfahrung als Bundestagskandidat hat, der ein solches Mandat wieder anstreben könnte. Rieger, selbst früherer CDU-Mann, beschreibt sich als einen Mann der AfD-Mitte. In der CDU habe er keine politische Heimat mehr gefunden, unter anderem seien ihm einzelne Mitglieder zu kirchennah gewesen. Er sei im politischen Farbenspektrum immer "hellblau" gewesen. Und wie "hellblau" ist Heiske?

(RP)