Umstrittene Pläne für Rüste: Bürger wehren sich gegen Gewerbegebiet

Umstrittene Pläne für Rüste : Bürger wehren sich gegen Gewerbegebiet

Mit einer Unterschriftenaktion haben Landwirte und Anwohner in Schermbeck-Rüste auf das Ansinnen der Gemeindeverwaltung Schermbeck reagiert, dort entgegen der Leitlinien der Regionalplanung einen großen Gewerbe- und Industriepark anzustreben.

Die Bürgerinitiative „Rüster gegen Gewerbegebiet“ hat knapp 100 Unterschriften von direkt betroffenen Anliegern sowie ein ausführliches Schreiben beim Regionalverband Ruhr (RVR) eingereicht, um bei einer möglichen Überarbeitung des Regionalplans Gehör zu finden.

Bereits vor einigen Jahren hatten die Kommunen Schermbeck und Dorsten eine gemeinsame Gewerbe- und Industriefläche (GIB) im Außenbereich Rüster Feld geplant – und waren damit gescheitert. Der RVR begründete die Ablehnung damit, dass mit der Planung wichtige Grundsätze der Regionalplanung wie der Erhalt von landwirtschaftlich genutztem Raum im Außenbereich verletzt seien. Im Entwurf für den neuen Regionalplan Ruhr taucht die Fläche entsprechend nicht auf. Stattdessen hat der RVR eine Brachfläche im Emmelkämper Brauk an der A 31 als mögliche GIB-Fläche ausgewiesen.

In Dorsten hat die Verwaltung nach Protesten der Anwohner in Dorsten-Holsterhausen zwischenzeitlich signalisiert, auf unbestimmte Zeit keinen Bedarf an der Nutzung dieser Fläche zu haben. Gleichwohl haben sowohl Dorsten als auch Schermbeck Einspruch gegen die Ausweisung im Regionalplan eingelegt und erneut mit dem Standort „Rüster Feld“ eine vergleichsweise weitaus größere Fläche für Gewerbe und Industrie in Spiel gebracht. Bis zu 70 Hektar Land würden die beiden Rathäuser laut den Entwürfen hier gerne überplanen, rund 55 Hektar lägen auf Schermbecker Gebiet.

„Es ist unverständlich, mit welcher Vehemenz die beiden Kommunen die Ziele und Grundsätze der Regionalplanung weiterhin ignorieren“, erklärt Thomas Bolte von der Bürgerinitiative „Rüster gegen Gewerbegebiet“. „Sinn der übergeordneten Regionalplanung ist es doch gerade, der zunehmenden Zerschneidung der Landschaft Einhalt zu gebieten, den Wildwuchs kommunaler Planung einzudämmen und eine nachhaltige Entwicklung mit Blick auf das langfristig Gebotene zu ermöglichen.“

In einem ausführlichen Schreiben hat die Bürgerinitiative die Ziele und Grundsätze des Regionalplans noch einmal in Erinnerung gerufen. Tenor: Der zur regionalen Nahrungsmittelproduktion genutzte Raum im Außenbereich „Rüster Feld“ sei unbedingt zu verteidigen, die „grüne Lunge“ zwischen Schermbeck und Dorsten langfristig zu erhalten. Zum nachhaltigen Betrieb der dortigen Biogasanlage seien Ackerflächen in direkter Nähe notwendig, um Transportwege für Substrate gering zu halten und Gärreste als Dünger ausbringen zu können. „Während der Planungsphase der Biogasanlage ist den Anwohnern das ganze Konzept gerade wegen der umliegenden Landwirtschaftsflächen und der regionalen Wertschöpfungskette als besonders sinnvoll verkauft worden. Jetzt gelten die Argumente von damals auf einmal nicht mehr und die Ackerflächen für den Maisanbau sowie die Verwertung der Gärreste sollen wegfallen?“, fragt die Bürgerinitiative.

In Rüste befinden sich Höfe, die seit rund 500 Jahren bestehen. Rund drei Viertel der betroffenen Grundstückseigner würden ihre landwirtschaftlich genutzten Flächen keinesfalls freiwillig hergeben, wie die Bürgerinitiative in gemeinsamen Treffen in Erfahrung gebracht hat. An langwierige Enteignungsverfahren durch die Verwaltung mag hier niemand glauben. Für ebenso unwahrscheinlich halten es die Anwohner aber auch, dass es überhaupt zu einer konkreten Planung der Gewerbe- und Industriefläche kommt. „Die Grundsätze und Ziele der Regionalplanung sprechen einfach dagegen“, so Bolte.

(RP)
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