Hamminkeln: Umgehung plötzlich wieder Thema

Hamminkeln: Umgehung plötzlich wieder Thema

Der Verein Bürger für Brünen mahnt eine Bebauung am Pollmannsweg an. Die Vermarktung kann noch 2018 beginnen. Aber: Interessenten fürchten Folgen einer Umgehungsstraße im Zusammenhang mit der Weseler Südumgehung.

Bürger für Brünen ist ein Verein, der sich intensiv um die Belange des Dorfes kümmert. Eine Projektgruppe heißt "Wohnen für Jung & Alt", und für sie nutzte Maic Hübert die Chance, in der Fragestunde für Einwohner der Hauptausschusssitzung auf das Bauprojekt Pollmannsweg hinzuweisen. Das stockt wegen planerischer Verzögerung, dabei hat Bürger für Brünen schon genaue Vorstellungen und vor allem Kaufinteressenten aus dem Dorf für die Grundstücke. Weil das Vorhaben dümpelt, sind schon einige Aspiranten abgesprungen. Unversehens kam eine weitere Dimension ins Spiel. Der Brüner Ottmar Geddert hat mit Erschrecken registriert, dass die Brüner Umgehung auf die Tagesordnung gekommen ist - möglicherweise als Trasse in Nähe des Baugebiets. "Wenn das geplant ist, springe ich ab", sagte er.

Der Reihe nach: Hübert sagte, dass vor zwei Jahren der Baubeginn 2018 für die Erschließung Pollmannsweg genannt worden sei. Im Etat, um den es im Hauptausschuss ging, sei davon nichts zu lesen. Vom Beschluss, dass die Erschließung 2019 finanziert werden soll, habe man aus der Zeitung erfahren. Die Projektgruppe drängt nun darauf, Vermarktung und Erschließung in 2019 zu sichern. Bürgermeister Bernd Romanski, der das Engagement der Brüner Dorf-Lobbyisten gerne lobt, verwies auf lange Zeit beanspruchenden Grundstückserwerb. Immerhin gehe es jetzt an die technische Planung. Etatmäßig wurde dafür eine sogenannte Verpflichtungsermächtigung eingesetzt - heißt: Geld für Planung und Auftragsvergabe ist gesichert, so dass die Erschließung 2019 stattfinden kann. Bei der Vermarktung hilft die vorgelegte Planung der Brüner, so dass man in diesem Jahr die Grundstücke verkaufen kann und Käufer frühzeitig planen können. Mitte 2019 könnten einzelne beginnen zu bauen.

Romanski sagte auch, dass er als "Grundstücksverkäufer" aus Wertgründen kein Interesse an einer Umgehung nahe des Baugebietes habe. Er erläuterte, dass die Umgehung laut Bundesverkehrswegeplan nur in Verbindung mit einer A 3-Auffahrt Brünen an der B 70 zu sehen sei. Das ist Weseler Interessen geschuldet, der Nachbar will den Ablauf des Verkehrs durch die neue Südumgehung von der Weseler Feldstraße (Lauerhaas) fernhalten und über die Hagerstownstraße und die B 70 ableiten. Hamminkelns Ortsteil Brünen hat davon angesichts einer im Verkehrswegeplan eingezeichneten östlichen Umgehung über Brandsberg nichts - außer insgesamt mehr Verkehr. Jedenfalls keine Entlastung der Ortsdurchfahrt.

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Die politische Reaktion und die Beschlusslage dazu geriet nicht einheitlich. Einerseits wurde der Antrag zur weiteren Planung und Linienführung einer Ortsumgehung Brünen - formal korrekt - diskussionslos in den zuständigen Planungsausschuss verwiesen. Andererseits wurde kurz darauf auf CDU-Antrag beschlossen, sich auf Bitten Wesels mit 12.500 Euro an einer Modellrechnung zur Ermittlung der Verkehrsströme von Wesels B 58 über die B 70 bis zur L 1 hinter Brünen zu beteiligen.

Die Mehrheit von CDU, Johannes Flaswinkel (Grüne) und dem Bürgermeister bei Enthaltung der FDP und Gegenstimmen von SPD und USD sah es so, dass es besser ist, beim Gutachten mit am Tisch zu sitzen als draußen zu bleiben. Das kostet halt Geld, kann aber auch "ein Schuss nach hinten werden", wie Dieter Wigger (CDU) sagte. Dann nämlich, wenn es keine Umgehung geben kann, weil die Verkehrszahlen - so wie heute - nicht ausreichen.

Wesel jedenfalls hat bisher Druck für Abfahrt/Umgehung gemacht. Die Stimmungslage in Brünen ist uneinheitlich. Romanski und einige Verkehrspolitiker meinen, wenn schon eine Umgehung, dann eine westliche, die die Hamminkelner Straße einbezieht - das Gegenteil vom Verkehrswegeplan. Mit der Finanzbeteiligung ist man nun im Spiel, kann mitreden dabei, was wie und wo untersucht wird.

(RP)
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