Wesel: Überzeugendes Gastspiel

Wesel : Überzeugendes Gastspiel

Die Inszenierung "Hundewetter" der Berliner Komödie am Kurfürstendamm wusste im Weseler Bühnenhaus zu gefallen.

Es blitzt, donnert und gießt in Strömen. Hundewetter. Drei Frauen stürzen fluchtartig in ein Café, das gerade schließen will. Sie überzeugen den genervten Kellner (Daniel Morgenroth), ihnen doch noch einen Kaffee zu bringen. Die drei könnten verschiedener nicht sein. Helene (Marion Kracht), Ende 40, führt ein Leben aus dem Bilderbuch, mit Ehemann, zwei Kindern und gutem Job. Gabriele (Judith Hoersch) ist zehn Jahre jünger. Frech und selbstbewusst hat sie gerade ihren Freund vergrault. Die Mittzwanzigerin Lulu (die in Wesel geborene Lene Wink) verkauft Leder-Dessous und ist eine Frohnatur.

Doch wie sollte es anders sein - der Schein trügt gewaltig. Das Unwetter draußen hält an, und auch drinnen braut sich etwas zusammen. Helene entledigt sich des Business-Blazers, Gabriele verliert die schwarze Perücke und erblondet, Lulu streift die High Heels ab. Mit den äußeren Symbolen der Rollen, in die sie sich selbst gepresst haben, fallen auch unter Zuhilfenahme von Cognac, Rotwein und Schampus die Hemmungen, das wahre Ich zu offenbaren.

Helene hat einen Zusammenbruch, als sie sich eingesteht, dass ihr Mann sie betrügt und tyrannisiert, ihre Kinder sie ausnutzen und die Firma sie ausbeutet. Gabriele gibt ihre Tablettensucht zu und Lulu offenbart ihre Angst, verlassen zu werden und ihre daraus resultierende Bindungsunfähigkeit. Während des Seelen-Striptease der drei wuselt immer wieder der Kellner dazwischen, der sich als Frauenhasser outet und die bald angetrunkenen Damen gern loswerden möchte.

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Das klingt nach Drama, ist es ja auch irgendwie, aber die französische Autorin Brigitte Buc hat die Figuren von "Hundewetter" so überzeichnet, dass Boulevard daraus wird. Wenn sie die Demaskierung der anderen vorantreiben, übertreiben die vier durchweg überzeugenden Schauspieler unter der Regie von Martin Woelffner gerade so viel, dass sie witzig und komisch rüberkommen, aber nicht albern.

Den vier Akteuren, allen voran der vor Kraft und Ausdruckstärke überschäumenden Marion Kracht, ist es zu verdanken, dass Bucs Zusammenballung von Klischees nicht zum Klamauk verkommt. Die 350 Zuschauer im Bühnenhaus honorieren die Gags mit Gelächter, wenn etwa die durchorganisierte Helene schildert, wie sie Mann und Kindern das Essen in Tupperdosen vorbereitet, wenn sie auf Dienstreise geht.

Freud darf im Reigen der Klischees nicht fehlen, und so rechnen die drei Frauen in diesem Theaterstück nicht nur mit den Männern, sondern auch mit den Eltern ab. Helenes Mutter war eine böse Hexe, Gabriele wurde von Kindermädchen großgezogen und Lulu litt unter wechselnden Pflegefamilien. Der grantige Kellner gesteht noch schnell seine unglückliche Ehe, so steht der Läuterung der vier nichts mehr im Wege. Helene steigt mit dem Kellner in die Kiste, Gabriele entsagt den Tabletten und Lulu lädt den Vater ihres Kindes zum Essen ein. Alles wird gut.

(RP)
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