Turnier in Wertherbruch: Doppelkopf vereint die Generationen

Turnier in Wertherbruch : Doppelkopf vereint die Generationen

Zum mittlerweile 22. Mal hatte die „Alte Herrlichkeit Wertherbruch“ ein Doppelkopf-Turnier organisiert. 116 Spieler im Alter von 20 bis Ende 80 nahmen teil. Sie kamen aus der gesamten Region.

Konzentrierte Blicke, das leise Klimpern eines Geldstücks, in die Mitte fliegende Spielkarten und viel Geplauder beherrschten die Szenerie an den insgesamt 29 Tischen am Sonntagmorgen in der Wertherbrucher Bürgerhalle.

„470 und 270 Punkte – mal sehen, ob es in der dritten Runde besser läuft“, sagte Carsten Tangelder. Der 23-Jährige schaute in einer Pause auf sein Spielergebnis. „Es ist ein Teamspiel, weil man mal kooperativ arbeiten muss. Es ist überlegt, es ist intuitiv, man muss schnell sein“, beschrieb er die Faszination des Doppelkopf-Spiels.

Zum 22. Mal hatte die „Alte Herrlichkeit Wertherbruch“ das Turnier mit eigens dafür erworbenen Preisen organisiert. „Die Mitglieder damals haben überlegt: Was kann man denn mal Schönes machen ?“, erzählte der zweite Vorsitzende,  Manfred Tebbe. „Und da sind sie auf die Idee mit dem Doppelkopf gekommen.“ Er sei zufrieden, konnte er doch feststellen, dass das Interesse an dem Spiel und dem Turnier von Jahr zu Jahr größer wurde.

Die Besetzung der Tische wird mit diesen Chips ausgelost. Foto: FFS FUNKE Foto Services/Gerd Hermann

„Letztes Jahr waren hier schon 127 Teilnehmer, jetzt sind es immer noch 116.“ Und diese kämen nicht nur aus Hamminkeln und Umgebung, sondern auch aus Bocholt, Schermbeck, Gladbeck, Oberhausen und sogar aus Dortmund.

Insgesamt drei Runden à 16 Spiele durften die Teilnehmer an den Vierer-Tischen jeweils absolvieren, wobei die Zusammensetzung am jeweiligen Spielertisch jedes Mal neu „zusammengewürfelt“ wurde. „So trifft man immer wieder auf neue Spieler – das macht dann so ein bisschen den Reiz dabei aus“, sagte Tebbe. Er rief die Mitspieler dazu auf, wieder Platz zu nehmen.

Doppelkopf ist ein strategisches Spiel – hier zählt Köpfchen. Foto: FFS FUNKE Foto Services/Gerd Hermann

Auch die Weselerin Birgit Blaswich kehrte nach dem Genuss einer Suppe wieder an den Tisch zurück, mischte die Karten und verteilte sie. Was sie seit vier Jahren an dem Spiel reizt? „Jedes Spiel ist anders, ein schönes Gesellschaftsspiel, dass Alt und Jung vereint“, lautete ihre Erklärung dafür, dass sie sich von der Familie ihres Partners hatte überzeugen lassen. „Am Anfang ist es kompliziert, wenn man noch nicht weiß: Welche Karte lege ich zu welchem Zeitpunkt?“ Mittlerweile habe sie aber den Dreh raus, meinte die 50-Jährige. „Man muss strategisch denken und herausfinden, mit wem man spielt. Ein wunderschönes Hobby für mich.“

Die Rhederin Mechthild Tichelhoven, Susanne Hübener aus Marl und den Mussumer Alexander Neuhaus hatte der Zufall an einen Spieltisch gebracht. „Es ist kurzweilig“, erläuterte die 55-jährige Susanne Hübener. „Die Herausforderung ist, ein Solo kaputt zu machen. Ich bin eher so der Zerstörer.“ Ihre Bemerkung sorgte für Schmunzeln in der Runde. „Man muss nachdenken, aber nicht zu viel“, ergänzte Neuhaus, der spielt, „seitdem ich 14 bin, vom Fußball im Vereinsheim her“.

„Wer kommt raus?“, fragte der 17-jährige Leon am Nebentisch und legte zehn Cent Einsatz mit ein. „Es macht Spaß, ein Turnier zu spielen – aber es geht nur um den Spaß“, sagte er, warf eine Dame 10 auf den Stapel und kassierte die Karten ein. Der Dingdener Harald Nielke fand’s klasse, dass so viele junge Leute sich dem Kartenspiel wieder öffnen. „Die merken, dass man online nicht lächeln kann“, meinte der 58-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Am Ende gewann der Marler Frank Reglinski mit 2390 Punkten die Gesamtwertung vor dem Schermbecker Bruno Pflugrad und dem Loikumer Martin Belting. Die einzelnen Durchgänge gewannen Reglinski, die Bocholterin Monika Dittrich und Bruno Pflugrad. Aber ob Sieg oder nicht: Was zählte, war das Gemeinschaftserlebnis – und die Hoffnung auf ein gutes Blatt.

(aflo)
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