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Trotz Coronavirus in Kamp-Lintfort: Kreis Wesel verzichtet auf Corona-Zentrum

Aktueller Fall in Kamp-Lintfort : Kreis Wesel verzichtet auf Corona-Zentrum

Anders als im Nachbarkreis Kleve soll es im Kreis Wesel keine zentrale Diagnosestelle geben. Die Kliniken melden erhöhten Zulauf.

Das Weseler Kreishaus setzt beim Umgang mit dem grassierenden Coronavirus auf den Einsatz von Hausärzten und Krankenhäusern und spricht sich nach aktuellem Stand noch gegen ein zentrales Corona-Zentrum aus. Während im Nachbarkreis Kleve ein Zelt als Krisenzentrale für das komplette Kreisgebiet aufgestellt wurde, in dem sich Leute auf das Virus untersuchen lassen könnten, hält man eine solche Maßnahme im Weseler Kreishaus nicht für zwingend notwendig. Stattdessen empfiehlt die Kreisverwaltung möglicherweise Erkrankten, erst Kontakt mit Hausarzt oder Krankenhaus aufzunehmen.

In Düsseldorf, Kleve und Heinsberg waren Diagnosezentren eröffnet worden, weil Gesundheitsämter und Krankenhäuser sowie die Hausärzte überlastet waren. Auch im Kreis Wesel stieg am Wochenende die Nachfrage nach Tests, weil am Freitagabend bekanntgeworden war, dass das Virus bei einer Frau aus Kamp-Lintfort ausgebrochen ist. Am Freitag, 28. Februar, wurde zur Mittagszeit bei der Mitarbeiterin der Verwaltung des St.-Bernhard-Hospitals Kamp-Lintfort eine Covid-19-Infektion bestätigt. Die Mitarbeiterin hatte am 22. Februar Kontakt zu einer Freundin in Heinsberg, die zu diesem Zeitpunkt noch gesund war. Die Mitarbeiterin nahm am Montag, 24. Februar, wieder ihren Dienst in der Verwaltung auf und war beschwerdefrei. Über ihre Freundin erfuhr sie dann am Donnerstag, 27. Februar, dass diese im Rahmen der Heinsberger Untersuchungsreihe positiv auf Corona-Viren getestet worden sei. Dann wurde das Virus auch bei der Frau aus Kamp-Lintfort festgestellt – sie ist seitdem in Quarantäne.

Der Kreis teilte am Montagmorgen mit, dass es der Frau gut gehe. 40 weitere Personen, die mit ihr Kontakt hatten, seien ebenfalls getestet worden, so Kreissprecherin Anja Schulte. Es gebe aber bisher keinen weiteren Verdachtsfall im Kreis Wesel. „Die Menschen verhalten sich alle gelassen und kooperativ.“ Trotz der bisher negativen Testergebnisse bleiben die direkten Kontaktpersonen sowie deren Familienangehörige in häuslicher Isolation, bis die Inkubationszeit von 14 Tagen verstrichen ist. „Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei den bekannten Testergebnissen stets um eine Momentaufnahme handelt und sich die Situation jederzeit ändern kann“, sagt Schulte.

Der Kreis Wesel hat eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Sie trifft sich nach aktuellem Stand alle zwei Tage, um die Lage neu zu besprechen, so auch am Montagmorgen wieder.

Am Evangelischen Krankenhaus in Wesel gab es bisher „maximal ein Dutzend“ Meldungen, wie Klinik-Geschäftsführer Rainer Rabsahl mitteilte. Er hält nach aktuellem Stand ein Diagnosezentrum im Kreis Wesel nicht für zwingend notwendig. Jeden Morgen gibt es am EVK eine kleine Lagebesprechung. „Wir sehen uns vorbereitet, haben spezielle Isolierzimmer und können jederzeit reagieren“, sagt Rabsahl. Die steigende Nachfrage nach Corona-Informationen zeigte sich am Montag auch in der Wartezeit beim ärztlichen Bereitschaftsdienst, der eigentlich vermitteln soll. Wer am Montag unter 116117 anrief, der musste viel Zeit mitbringen: 50 Minuten dauerte es bei einem Test unserer Redaktion, bis die Warteschleife endete.

 In der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Weseler Marien-Hospitals wurde für Patienten mit respiratorischen Symptomen – also Atemwegsproblemen – ein gesonderter Wartebereich eingerichtet. Außerdem werden diese Patienten in anderen Räumen als die übrigen Notfallpatienten untersucht. „Das ist aufwändig, weil der Raum nach jeder Untersuchung desinfiziert werden muss. Das Aufkommen von Patienten mit respiratorischen Symptomen hält sich aber derzeit in Grenzen und ist gut zu meistern“, sagt Karl-Ferdinand von Fürstenberg, Krankenhausdirektor am Weseler Marien-Hospital.

(sep)