Trockenheit in Wesel: Tausende Fische starben 2018 in der Issel

Gefahr durch Trockenheit : Operation Fischrettung

Wie kann ein dramatisches Verenden von tausenden Fischen in der Issel bei der nächsten Trockenheit verhindert werden? Die Suche nach Lösungen zeigt: Es wird schwierig.

Die Behörden bereiten sich darauf vor, bei einem möglichen Trockenfallen der Issel ein Drama wie im vergangenen Jahr zu verhindern. Im knochentrockenen und heißen Sommer 2018 sind viele Fische verendet. Nur durch den Einsatz von Naturschützern konnte das Leben tausender Fische gerettet werden. Nun laufen erste kleine Maßnahmen an. Auf Anfrage erklärte der Kreis Wesel, dass eine Fischtreppe im Bereich Bärenschleuse in Wesel gereinigt werden soll. Darüber sollen sich die Fische in tiefere Gewässer retten können. Zuständig für die Reinigung ist der städtische Betrieb ASG in Wesel: Dessen Chef Ulrich Streich erklärte am Donnerstag, dass man voraussichtlich Anfang der kommenden Woche die nötigen Arbeiten durchführen werde.

Weil die Bärenschleuse in Obrighoven für Fische, die es zu ihren Laichgebieten zieht, nicht zu überwinden ist, wurde vor Jahren eine Fischtreppe gebaut (Bild rechts). Angler Torsten Rühl ist verärgert, dass die Fischtreppe noch immer nicht gesäubert wurde (Bild links). Foto: Klaus Nikolei

Es war der Angler Torsten Rühl aus Voerde, der im vergangenen Jahr bei größter Hitze kurzfristig Gleichgesinnte zusammengetrommelt hatte, um den Tiere in dem kanalartigen Flüsschen zu retten. Das Gewässer war kilometerlang trocken gefallen. Normal sind Wasserstände zwischen zwei und 2,50 Meter. In Höhe des Gutes Grenzenlust, auf der Grenze zwischen Wesel und Hamminkeln, gelang es den Helfern, zwischen 4000 und 5000 Fische aus den letzten verbliebenen Pfützen zu retten – darunter gefährdete Arten wie Steinbeißer, der dreistachlige Stichling, Hasel, Aal und Scherlen, die als Indikator für sehr gute Wasserqualität gelten. Sie wurden in Teiche nach Schermbeck gebracht und vor wenigen Wochen wieder in die Issel eingesetzt. Torsten Rühl befürchtet allerdings, dass es in diesem Jahr zu einer ähnlich dramatischen Situation kommt, sollte auch der Sommer 2019 Hitze- und Trockenheitsrekorde brechen. Zumal bislang die Versprechungen von Landrat Ansgar Müller, die dieser bei Ortstermin im Herbst gegeben habe, noch nicht erfüllt worden seien. Müller soll unter anderem signalisiert haben, dass die mehrere Hunderttausend Euro teure Fischtreppe an der Bärenschleuse gereinigt werde. „Die Treppe ist nötig, damit Fische wie Hechte zu ihren Laichplätzen wandern können“, sagt Rühl. Die Bärenschleuse selbst könnten sie nämlich nicht überwinden. Zumindest da ist nun Besserung in Aussicht. Auch der Plan, im Bereich des Gutes Grenzenlust mehrere Vertiefungen – sogenannte Gumpen – zu schaffen, sei bislang noch nicht in die Tat umgesetzt worden, bedauert Rühe. Er ist unter anderem als Gästeführer für Angler tätig ist. Solche Gumpen könnten eine Rettung für Fische sein.

In dem kanalartigen Flüsschen leben gut 16 Fischarten. Foto: Klaus Nikolei

Beim Isselverband, auf den die Sprecherin des Kreis als zuständigen Ansprechpartner verweist, geht man mit dem Thema vorsichtig um. „Es muss fachtechnisch geklärt werden, ob der Bau von Gumpen sinnvoll wäre und die erhoffte Wirkung zeigt“, sagt Isselverbands-Mitarbeiter Johann Kastein aus Hamminkeln auf Anfrage. „Nähere Untersuchungen sind da nötig.“ Zu klären seien auch noch Fragen zum Thema Hochwasserschutz.

An der Bärenschleuse in Obrighoven informiert ein Infoschild im Detail über den Sinn und Zweck der Schleuse und die in der Issel vorkommenden Fischarten. Foto: Klaus Nikolei

Auch technischen Laien ist klar: Einfach ein Loch in das Flussbett der Issel graben und dieses mit Steinen sichern, wird für die Fischrettung kaum ausreichen. Irgendwann würde auch eine solche Aushöhlung mit Sand gefüllt. Die Fische könnten sich dann sogar in einer Falle befinden.

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