Kreis Wesel: Trennung lernen, damit Kinder nicht leiden

Kreis Wesel : Trennung lernen, damit Kinder nicht leiden

Die Caritas legt für scheidungswillige Eltern einen neuen Kursus "Kinder im Blick" auf.

Wenn Eltern sich trennen, leidet häufig auch das Kind unter den Konflikten. Mutter und Vater wissen dann oft nicht, wie sie in dieser Situation mit ihrem Nachwuchs umgehen sollen. Der Caritasverband Wesel-Dinslaken stellt deshalb einen neuen Kursus "Kinder im Blick" für Eltern in der Trennungsphase vor.

"Wir möchten in dem Kursus den Fokus auf das Kind lenken und schauen, wie wir die Bezüge zwischen den Menschen stärken können", sagt Caritasdirektor Michael van Meerbeck. "Es geht dabei nicht um Schuld und Sühne eines Elternteils, sondern darum, dass das Kind durch die Trennung nicht in Mitleidenschaft gezogen wird", betont er. Andreas Groß, Leiter der Erziehungsberatungsstelle in Wesel, erklärt, dass beide Elternteile an getrennten Kursen teilnehmen und durch praktische Übungen lernen, mit Konflikten besser umzugehen. "Es ist nicht verpflichtend, dass beide Elternteile teilnehmen, aber das Kind profitiert davon", sagt Groß.

Er nennt ein praktisches Beispiel. Im Kursus werde unter anderem die Situation nachgestellt, dass der Ex-Partner anruft. Häufig reagieren Menschen gestresst oder wütend darauf und das Kind leidet ebenfalls unter dem Konflikt. "Wir überlegen dann, wie man in dieser Situation am besten reagieren könnte", sagt Kursleiterin Manuela Schmellekamp. Eine Möglichkeit bestehe laut Schmellekamp darin, den Anruf zunächst nicht anzunehmen und erst dann zurückzurufen, wenn man sich beruhigt habe. Sie weist darauf hin, dass im Lehrgang jedes Gefühl erlaubt und willkommen sei.

"Wir stellen dann auch die provokante Frage: Welche positiven Eigenschaften hat dein Kind von deinem Ex-Partner?" sagt Groß. Er betont, dass Elternteile unabhängig von einander auch mit anderen Betroffenen ins Gespräch kommen und sich austauschen können.

Der Kursus ist vom Familiennotruf München und der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt worden. "Eine Studie der Uni München hat gezeigt, dass das Konfliktpotenzial durch das Programm reduziert werden konnte", sagt Groß. Geleitet werden die Treffs von Anne Hölz, Manuela Schmellekamp, Reinhold Niestegge und Matthias Dahmen. Der Kursus umfasst sieben Sitzungen mit jeweils drei Stunden und beginnt im September. Teilnehmer zahlen 70 Euro. Die Anmeldung erfolgt telefonisch unter 0281 338340.

(RP)
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