Wesel: Trapp: Kronzeugen verurteilt

Wesel: Trapp: Kronzeugen verurteilt

Bilanzmanipulation, Steuerhinterziehung, Untreue: Je zwei Jahre Haft mit Bewährung für vier Ex-Führungskräfte der ehemaligen F.C. Trapp Bau Gesellschaft mbH. Millionenverluste für die niederländische Konzernmutter.

Mit einem blauen Auge kamen gestern am Wirtschaftsschöffengericht Duisburg vier ehemalige Führungskräfte der 2006 liquidierten Firma F.C. Trapp Bau Gesellschaft mbH davon. Die zwei Weseler (40 und 45 Jahre) sowie ein Voerder (40) und ein Borkener (54) erhielten in getrennten Verfahren je zwei Jahre Haft mit Bewährung.

Damit bewegte sich das Gericht, so die Vorsitzende Gabriele Oelze, am "absoluten Minimum" und belohnte die Kooperation der Angeklagten. Sie hatten sozusagen als Kronzeugen mitgeholfen, einen enormen Sumpf rund um Bilanzmanipulation, Steuerhinterziehung und Untreue auszutrocknen.

Fast schon im Stile eines Verteidigers betonte Staatsanwalt Uwe Mühlhoff in jedem Einzelfall, wie wichtig die Aussagen des Quartetts waren. Sie führten die Ermittler letztendlich erst auf die Spur eines Steuerschadens in Millionenhöhe, dessen Drahtzieher aus Aachen sich gesondert verantworten muss.

Still intern bereinigt

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Eher zufällig war die Weseler Firma vor knapp zwei Jahren ins Visier geraten. Und dabei kam neben bis dato unbekannten, unlauteren Geschäften mit besagtem Aachener auch das ans öffentliche Licht, was die niederländische Konzernmutter der Trapp-Unternehmen schon still intern bereinigt hatte: manipulierte Bilanzen und verschleierte Verluste. Mühlhoff sprach gestern von 85 Millionen Euro Schaden, teils auch durch Pech bei Bauprojekten. Insgesamt soll das Abenteuer Trapp-Übernahme den Bauriesen KVWS (Koninklijke Volker Wessels Stevin) "einen dreistelligen Millionenbetrag" gekostet haben.

Offenbar trieben Angst und falsch verstandene Loyalität die ehemaligen Führungskräfte, allesamt verheiratete Familienväter, auf die schiefe Bahn. Mehrfach wurde "Druck der Konzernmutter" betont, die schwarze Zahlen von der F.C. Trapp Bau Gesellschaft mbH erwartete. Also wurde mit Umbuchungen, Scheinrechnungen und anderen Mitteln dafür gesorgt.

Immer mehr Projekte, besonders Lidl-Märkte in halb Europa, wurden zu Dumping-Konditionen angepackt. Im Nacken saß den Beteiligten die Sorge um die Abwicklung der Firma und damit der Verlust des Arbeitsplatzes. Auch familiäre Belastungen spielten eine Rolle. Die Angeklagten hofften auf wirtschaftlich bessere Zeiten, verstrickten sich und andere aber immer tiefer. Ein Verteidiger sprach von einer regelrechten "Blase". Ab 2005 griff KVWS durch, räumte auf, bezahlte alles und tilgte die marode Tochter.

Persönliche Bereicherung war gestern lediglich dem Voerder vorzuwerfen, der sich hatte bestechen lassen. Alle vier Angeklagten haben übrigens nicht nur reichlich geplaudert, sie sind auch mit Wiedergutmachung befasst und versuchen berufliche Neuanfänge.

(RP)
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