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Niederrhein: Traditionsuniformen neu belebt

Niederrhein : Traditionsuniformen neu belebt

Weil Schützen in ihren dicken Jacken oft schwitzen, hat eine junge Frau ihnen einen modischeren Look verpasst. Auf Schloss Anholt stellte Nawida Ariyan am Samstag ihre Entwürfe vor. Nun könnten sie in Serie gehen.

Sie ist 25 Jahre alt und hat das rheinische Schützenwesen erst im Studium kennengelernt. Für ihre Bachelorarbeit an der Hochschule Niederrhein entwickelte Nawida Ariyan moderne Schützenuniformen, die man waschen kann, die nicht kratzen — und so leicht sind, dass der Schütze beim Parademarsch nicht das Gefühl hat, er marschiere durch einen Backofen.

Gerade das Schwitzen war es, unter dem viele Schützen litten. "Im Sommer hat man oft das Gefühl, man habe die Sauna gleich dabei", berichtete Horst Thoren, Vorsitzender des Ausschusses für Brauchtum und Geschichte im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) am Samstag auf Schloss Anholt dem Hausherrn, Hochmeister Dr. Emanuel Prinz zu Salm-Salm.

Dort stellte die gebürtige Afghanin dem Hochmeister des BHDS und den Mitgliedern des Brauchtumsausschusses die Uniformen vor. Dem traditionellen Gemisch aus Schurwolle und Polyester stellte Ariyan ein "Softshell"-Material gegenüber. "Softshell ist leicht, atmungsaktiv und elastisch", erläuterte Ariyan, "außerdem wasser- und schmutzabweisend". In Zusammenarbeit mit einem westfälischen Kleiderproduzenten brachte Ariyan die Teile nun zur Produktionsreife.

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Für vier Zielgruppen entwickelte sie neue Uniformen: die "Classic Line" als Auffrischung für traditionelle Schützen, die Linie "Stylish" für junge Schützen, die "Military Line" mit Elementen historischer Uniformen und die Linie "Tailcoat" für Frackträger. Das Besondere: Für alle Linien entwarf Ariyan gleich auch ein Damen-Modell. "Ein Drittel aller rheinischen Schützenvereine nimmt inzwischen auch Frauen auf", stellte Ariyan fest. Da es für Frauen aber bislang keine eigenen Uniformen gebe, sei es ihr wichtig gewesen, auch für sie passende Modelle zu entwickeln.

So zeigte sie auf Schloss Anholt schwarze Uniformjacken, an denen grüne Ärmelaufschläge, silberfarbene Knopfreihen und Epauletten zwar den Stil der Uniform wahren, durch Material und Verarbeitung aber modern wirken. In der "Stylish"-Line fällt das Bolerojäckchen für die junge Schützenschwester auf. Für die "Military"-Line verwendete Ariyan typische Elemente historischer Uniformen, die "Tailcoat"-Line wartet mit einem Cut für den Herrn und einem kürzeren Frack für die Dame auf.

Die Kombinationen kamen auch bei den Mitgliedern des Brauchtumsausschusses an — die gleich wissen wollten, ob die Uniformen denn auch in anderen Farben zu haben wären. Horst Thoren hofft nun, dass "sich der ein oder andere Traditionalist überlegt, mal was Neues auszuprobieren".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Uniform der Zukunft

(RP/jul)