Tierheim Wesel: Helfer und Spender gesucht

Helfer und Spender gesucht: Träger bezeichnet Situation des Tierheims als „bedrohlich“

Die Weseler Einrichtung benötigt dringend Unterstützung – praktisch und finanziell. Rund 80 Interessierte kamen zu einem Informations-Abend, um sich über Hilfsmöglichkeiten zu informieren

Die finanzielle Lage des Tierheims ist sehr angespannt, die Einrichtung braucht Unterstützung – nicht nur finanziell, sondern auch praktisch. Nach der Berichterstattung in der Zeitung war die Anteilnahme groß, am Mittwochabend zog es mehr als 80 potenzielle Helfer zum Info-Abend ins Kolpinghaus. Dort sprach Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverbands Tierschutz als Träger des Tierheims, von einer „bedrohlichen Situation“ und Überlegungen, die zu einer Schließung des Tierheims in Wesel führen könnten.

„Wir haben gesagt, wir sind an einem Punkt, wo wir an die Öffentlichkeit treten müssen. Wir alleine kriegen das in der Form nicht mehr geschultert. Wir sind darauf angewiesen, Tierfreunde in Wesel und Umgebung zu finden, die Hilfestellung leisten“, sagte er. Den Spenden und der Tiervermittlung stünden hohe Kosten insbesondere in den Bereichen Betrieb und Personal entgegen, da man eine „Rund-um-die-Uhr“-Betreuung benötige. Dazu kämen Tierarztkosten – an Medikamenten wolle man auf keinen Fall sparen. „Jedes Tier hat ein Recht auf Leben.“ Viele Möglichkeiten, die Einnahmen zu steigern, habe man nicht. Er verwies auf „konstruktive Gespräche“ mit den vier umliegenden Kommunen.

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp unterstrich, welch „großartige Arbeit“ die Verantwortlichen und die Mitarbeiter des Tierheims leisteten. Unter der Leitung von Gabi Wettläufer sei in den vergangenen sieben Jahren „viel renoviert und verändert“ worden, um das Tierheim zu modernisieren. Die Stadt Wesel zahle aufgrund eines Vertrages 7,5 Prozent des Hundesteueraufkommens und einen Anteil an den Personalkosten. Westkamp sprach von einer Summe in Höhe von 80.000 Euro für 2018. „Das Steueraufkommen ist gestiegen, aber wir hören: Es reicht nicht.“ Die Finanzen seien das eine, so Westkamp. „Es geht auch darum, dass Ehrenamtliche sich angesprochen fühlen.“

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Die Tierheimleiterin fand es „fantastisch, dass so viele Leute gekommen sind“. Man habe sich im Herbst entschieden, es mit dem Tierheim-Freundeskreis zu versuchen, so Wettläufer. „Wir hatten ein schlechtes Jahr 2018.“ Sie erinnerte an 65 mit dem Coronavirus infizierte Katzen, von denen man 20 „trotz harten Kampfes“ verloren habe, oder den Fall der Schermbecker Fundhunde, die „in einem desolaten Zustand“ waren. Auch das habe die roten Zahlen mit verursacht. „Wir allein könnten ein halbes Jahr nicht überleben.“

Dazu komme die Rolle als regionales Tierheim und die Tatsache, dass viele Tiere nicht tage-, sondern jahrelang in der Einrichtung bleiben. Diese sei auch auf praktische Hilfe angewiesen. Sie nannte da das Katzenkuscheln, die Pflege der Räumlichkeiten und Käfige oder den Aufwand an Öffentlichkeitsarbeit mit den diversen Veranstaltungen. Alleine die Lichterfest-Tombola mit tausend Preisen zu organisieren, koste enorm viel Zeit. Und darüber hinaus „müsste viel mehr passieren“. Es gibt Ideen wie einen Auesee-Lauf, den Besuch in Schulen oder die Arbeit mit Kindergärten.

Die Anwesenden stellten viele Fragen zum Zeitfenster, in dem man sich engagieren könne, der Sinnhaftigkeit des Spendenmodus, der Gestaltung der Homepage oder zu den Möglichkeiten, dort als Sponsor zu werben. Max Melskotte bekundete zum Beispiel für seinen Gartenbaubetrieb Interesse. „Wir sind da auch im Gespräch mit anderen Kollegen“, sagte der Weseler Unternehmer, der vor kurzem die neuen Fliesen im Katzengehege gespendet und selbst einen Hund aus dem Tierheim geholt hat.

(aflo)
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