Hamminkeln: Testfahrt für Betuwe-Sicherheit

Hamminkeln: Testfahrt für Betuwe-Sicherheit

Im Hamminkelner Rathaus hat es ein Gespräch mit der Bahn gegeben. Es gibt ein neues Gutachten zum Löschwassereinsatz. Die Verwaltung fuhr mit dem Unimog geplante Strecken ab - und blieb stecken.

Die Stadt Hamminkeln lässt nicht locker in Sachen Sicherheitskonzept beim Bahnausbau. Bei einem Gespräch mit Vertretern der Deutschen Bahn ist am Dienstag im Rathaus das Sicherheitskonzept für den Ausbau der Betuwe-Strecke erörtert worden, dem sich Hamminkeln als einzige Anrainerkommune noch nicht angeschlossen hat. Die Stadt Hamminkeln hat Gründe: Denn was der Arbeitskreis Sicherheit der Bahn bisher vorgelegt hat, hinterlässt insbesondere beim Thema Löschwasserversorgung Fragen. Auch jetzt habe es keine neuen Erkenntnisse gegeben, erklärte Bürgermeister Bernd Romanski (SPD) auf Anfrage unserer Redaktion. Die Vertreter der Bahn hätten wieder das bekannte Konzept vorgestellt, an dem die Stadt im Mai erhebliche Zweifel geäußert hatte. Dennoch wird die Bahn tätig. Ein Gutachter soll untersuchen, ob das Sicherheitskonzept - die geplanten Löschbrunnen und die Einsatzzeiten - ausreicht.

In einem lebenspraktischen Vor-Ort-Test hatten die Hamminkelner geprüft, ob die Bahnvorschläge logistisch von den geplanten Löschbrunnen bis zum Einsatz an der Bahnlinie funktionieren können. Beigeordneter Robert Graaf und Ortwin Nißing, selbst Wehrmann und beim Ordnungsamt zuständig für die Feuerwehr, hatten sich in einen Unimog gesetzt und waren die ländlichen und wäldlichen Einsatzstrecken abgefahren. Ergebnis: Viele Wege, die die Bahn zur Löschwasserversorgung eingeplant hat, sind nicht mehr existent oder befahrbar. "Da stehen Bäume im Weg, die Hälfte der Wege führen ins Nichts, da geht gar nichts", sagte Romanski. Die ursprüngliche Aussage der Bahn, man sei innerhalb von zwei Kilometern an der Bahn, stimme so nicht.

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Wie schwierig die Frage der Zuwegung an die Strecke habe sich kürzlich gezeigt. Beim Landcafé "Mutter Busch" war im Juni ein Zug evakuiert worden, nachdem ein Baum auf die Schienen gestürzt war. Diese Aktion hatte sich sehr schwierig gestaltet. Damit ist die Kernfrage, wie die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr bei einem Unglücksfall nach dem dreigleisigen Ausbau der Strecke gesichert werden kann, nicht bis ins Letzte geklärt. Neben den Wegen geht es weiterhin auch um Einsatzzeiten. Bürgermeister Romanski glaubt weiterhin nicht, dass die HFS-Einsatzwagen - sozusagen rollende Hochleistungspumpen - innerhalb von 30 Minuten einsatzbereit seien. Denn die Fahrzeuge sind in Dinslaken, Wesel, Oberhausen und Emmerich stationiert, müssten erst an die Strecke auf Hamminkelner Gebiet transportiert werden und zudem sind lange Wege zu den Löschbrunnen zu überbrücken. Bernd Romanski möchte nun die maximale Zeit zum Einsatzort wissen. Das kann entscheidend sein etwa im Katastrophenfall mit Chemie-Waggons.

Die HFS-Fahrzeuge müssen dann genügend Wasser zur Verfügung stellen. 1600 Liter pro Minute beispielsweise für einen brennenden Triebwagen und 6000 Liter pro Minute, um Chemie-Waggons zu kühlen, damit sie nicht explodieren, ist die Maßeinheit. Der Bürgermeister will weiter klare Kante zeigen. "Die Bahn muss ihre Hausaufgaben machen", sagte er. Schließlich liege es im Interesse der Bahn AG, dass die Stadt ihren Klagebeschluss gegen das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt Mehrhoog zurücknimmt.

(RP)
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