Wesel/Hamminkeln Syrer sehen in Wesel ihre Zukunft

Wesel/Hamminkeln · Familie Alaswad flüchtete aus der zerstörten Großstadt Homs und strandete am Ende in Wesel. Hier hat sie sich sofort auf Deutschkurse gestürzt und ist glücklich über die Unterstützung des Hamminkelners Sultan Masood Dakik.

 Sultan Masood Dakik (l.) kümmert sich um Mohamed Alaswad, dessen Frau Alaa und Tochter Naya.

Sultan Masood Dakik (l.) kümmert sich um Mohamed Alaswad, dessen Frau Alaa und Tochter Naya.

Foto: Malz

Wenn Mohamed Alaswad aus dem Fenster der kleinen Wohnung in der Brückstraße schaut, freut er sich. Über das betriebsame Treiben in der Fußgängerzone, vor allem aber über "Frieden und Freiheit". Das Gefühl teilt der Elektro-Ingenieur mit seiner Frau Alaa und Töchterchen Naya. Ein Zurück in die Heimat, davon sind die Syrer überzeugt, wird es nicht geben. Die Familie stammt aus Homs, der Hauptstadt des Gouvernements Homs. Sie liegt im Westen Syriens im fruchtbaren Tal des Nahr al-Asi und ist mit ungefähr einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes. Ist? War, denn Homs wurde schon in den ersten Kriegswellen zerstört.

Die Erinnerung an ihr schönes Haus, an ein gutes Leben, an Familie, Bekannte und Freunde macht die Alaswads traurig. Doch sie lassen nicht mehr als einen Hauch von Wehmut zu. Ihre Zukunft heißt Deutschland, heißt Wesel, darauf ist ihr Fokus nun gerichtet. Bei allem Schmerz. Der Wille, der Glaube und die Hoffnung auf ein gutes Leben für sich und vor allem für die kleine Naya ist Teil einer Zuwanderergeschichte, die auch zeigt, wie aktiv Flüchtlinge ihre Integration selbst angehen können. Ohne Helfer geht das allerdings nicht.

Am 7. November 2014 kam die Familie in Dortmund an. Tagelang war sie über Land in einem verdunkelten Van unterwegs. Die bezahlten - je nach Sichtweise - Fluchthelfer oder Schlepper wollten nicht, dass die Route identifizierbar wird. "Es war uns egal, das Wichtigste war, dass unsere Tochter in Sicherheit war", sagt Alaa Alaswad. Dann begann die Prozedur der Flüchtlingsaufnahme, die die Neuankömmlinge nach Wesel führte. Im Heim an der Fluthgrafstraße wurden sie untergebracht, eine Menge Bürokratie- und Papierkram war zu erledigen. Ohne Sprachkenntnisse, ohne Ahnung von der korrekten deutschen Mentalität. Schwierig bis zur Hoffnungslosigkeit, obwohl die Familie aus einer gebildeten Schicht stammt. Der Zufall half. Die Flüchtlinge trafen den Hamminkelner Sultan Masood Dakik, der unter anderem für seine Unterstützung von Zuwanderern kürzlich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden ist (wir berichteten).

Alaa Alaswads Augen leuchten, wenn sie sich erinnert. "Das war wunderbar. Sultan Masood Dakik war da für uns zu jeder Zeit. Er kaufte für uns Möbel, ging ins Rathaus, um sich um unsere Papiere zu kümmern. Das andere war: Mental gab er uns, deren Herz gebrochen war, Mut und Zuversicht. Er lud uns zu sich nach Hause ein", erzählt sie und kann es bis heute kaum fassen. Bis zu Bürgermeisterin Ulrike Westkamp fragte sich der Hamminkelner durch, die schließlich half, das bürokratische Verfahren zu beschleunigen.

Kann so viel persönliche Unterstützung selbstlos sein? Für die Alaswads ist das keine Frage. Sie wirken heute standfest und optimistisch. "Die Zeit, die Sultan Masood Dakik mit uns verbringt, ist eine Wohltat für unsere Seelen. Es fällt uns schwer, in Worte zu fassen, wie dankbar wir ihm sind", sagen sie. Vielleicht liegt es daran, dass der gebürtige Afghane selbst einmal Flüchtling war, bis er in Deutschland ein neues Leben aufbaute.

Überhaupt, Deutschland! Die syrische Familie ist froh über die Aufnahme und die soziale Hilfe. Doch sie hat ihre Zukunft schon selbst in die Hand genommen. Noch bevor sie zu Deutschkursen eingeladen wurde, hat sie sich selbst Unterrichtsplätze in der VHS und in der Feldmark gesucht. "Der, die, das, Dativ, Akkusativ, Genitiv - schwer", sagt Mohamed Alaswad. Tochter Naya lernt die Sprache sowieso, sie besucht die Kita Villa Confetti.

Um ihre Zukunft weiter aufzubauen, geht es jetzt um das Asylverfahren und damit die Möglichkeit, eine Arbeit aufzunehmen. Die gut ausgebildeten Syrer wollen ihre Chancen nutzen, sie "wollen nicht immer Geld vom Sozialsystem". Alaa Alaswad, in Syrien in der Produktion im chemischen und pharmazeutischen Bereich tätig, kann es kaum erwarten, wieder beruflich einzusteigen. "Langsam. Schritt für Schritt", bremst Sultan Masood Dakik sie. Er glaubt fest daran, dass die Alaswads als Zukunftsbauer in eigener Sache in Wesel glücklich werden

(RP)