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Superintendent aus Wesel beklagt Zahl an Kirchenaustritte

Superintendent Thomas Brödenfeld aus Wesel : Den Ausgetretenen nachgehen

Wesels Superintendent Thomas Brödenfeld bereitet der Anstieg der Kirchenaustritte Sorgen. In Gesprächen erfährt er die Gründe, die oft mit der Arbeit vor Ort nichts zu tun haben. Kritik ernst zu nehmen und sich für die Menschen zu interessieren, ist ihm wichtig.

Auch in der evangelischen Kirche haben die Austrittszahlen mittlerweile eine Größenordnung erreicht, die zur Besorgnis Anlass gibt. Wo früher im Monat vielleicht fünf oder sechs Menschen aus der Gemeinde ausgetreten sind, da können es aktuell mitunter doppelt oder dreifach so viele sein.

In den Sitzungen unserer Leitungsgremien, den Presbyterien, schauen wir uns diese Zahlen genau an. Viele Namen sind gut bekannt. Jeder Austritt schmerzt und ist einer zu viel. Jeder, der austritt, wird persönlich angeschrieben. Die Gemeinde dankt für die bisherige Mitgliedschaft und für das persönliche und finanzielle Engagement. Wir bieten ein Gespräch an, über Beweg- und Hintergründe. Manche melden sich und erzählen. Vielfältig ist das, was da zur Sprache kommt. Was auffällt: Mit der konkreten Arbeit vor Ort sind die meisten Ausgetretenen durchaus zufrieden. Da wird die einfühlsame Trauerfeier der Pfarrerin gelobt, die man kürzlich erst miterlebt hat oder der überraschende Geburtstagsbesuch des Pastors in der Nachbarschaft.

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Eher ist es eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Kirche als Großorganisation. Bestimmte Verlautbarungen zu politischen oder ethischen Fragen rufen, je nach eigenem Standpunkt, Widerspruch hervor. Die Missbrauchsskandale lassen für viele Menschen als Reaktion nur den Austritt aus der Kirche zu.

Wenn es zu einem Kontakt zu einem ausgetretenen Gemeindeglied kommt, ist es nicht unser vorrangiges Ziel, diesen Menschen zu einem Wiedereintritt in die Kirche zu bewegen. Damit würden wir seine Beweggründe nicht ernst nehmen. Aber wir wollen hinhören, verstehen und lernen. Was können wir in unserer Arbeit und in unserer Kommunikation anders machen? Manchmal entwickelt sich daraus ein guter und anhaltender Kontakt. Und hin und wieder haben wir dann als Gemeinde Post bekommen: Wie kann ich wieder bei euch eintreten? Das ist nicht: Ende gut, alles gut. Aber: Es lohnt sich, Kritik ernst zu nehmen, jedem nachzugehen und nicht aufzuhören, sich für die Menschen zu interessieren.

Thomas Brödenfeld ist Superintendent des Kirchenkreises Wesel.