Sturmschäden auf dem jüdischen Friedhof in Wesel sind beseitigt

Sturmschäden am Ostglacis sind beseitigt : Jüdischer Friedhof ist wieder offen

Mehr als 25.000 Euro hat die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen für die Instandsetzung des Friedhofs am Ostglacis ausgegeben. Er kann nach Sturmschäden wieder besucht werden. Die Übergabe in andere Hände stockt.

Vor genau einem Jahr hinterließ das Orkantief Friederike von Irland bis Polen eine Schneise der Verwüstung. Zehn Menschen kamen ums Leben. Allein in Deutschland waren Sachschäden in Milliardenhöhe zu verzeichnen. Auch in manchen Regionen in NRW sind die Aufräumarbeiten noch immer nicht abgeschlossen. In Wesel war unter anderem der jüdische Friedhof am Ostglacis betroffen. Im hinteren Bereich des Gräberfeldes war ein großer Baum umgekippt und hatte einige Denkmäler umgekippt. Der Friedhof wurde gesperrt. Es tat sich lange nichts, zumal die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen sich, wie mehrfach berichtet, schon geraume Zeit von der Anlage trennen wollte. Seit Kurzem ist die denkmalgeschützte Begräbnisstätte aber wieder offen. Sie präsentiert sich in einem sehr ordentlichen Zustand.

Mehr als 25.000 Euro hat die jüdische Gemeinde für die Instandsetzung ausgegeben. „Das hat weh getan, aber es musste sein“, sagte Geschäftsführer Alexander Drehmann auf Anfrage unserer Redaktion. „Wir sind ein bisschen spät dran gewesen, haben aber unser Versprechen eingehalten und es dafür jetzt auch sehr gründlich gemacht.“ Auf dem Friedhof sind nicht nur die Sturmschäden durch Fällungen und Grünschnitt beseitigt worden. Er hat auch ein neues Tor bekommen. Der zentrale Hauptweg ist neu gemacht worden, ebenso Seitenwege, und es hat auch Ausbesserungen an der umgebenden Mauer gegeben. Neu ist außerdem, dass das Tor immer offen ist. Das Schild, das zuletzt noch darauf hinwies, dass der Schlüssel beim Friedhofsamt in Obrighoven zu bekommen sei, ist lange hinfällig. „Das stammt noch aus Vor-ASG-Zeiten, als die Stadt zuständig war“, sagte Thorsten Lacks vom Friedhofswesen des städtischen Betriebs ASG (Abfall-Straßen-Grünflächen). Aber das sei ja wenig sinnvoll. Wenn beispielsweise am Wochenende jemand den Friedhof besuchen wollen sollte, würde er ja gar nicht an den Schlüssel herankommen können.

Jetzt ist der Friedhof wieder gut in Schuss. Auch die Wege und andere Dinge wurden erneuert. Foto: Fritz Schubert

An der Absicht, ihren Friedhof am Ostglacis schließen zu wollen, hält die jüdische Gemeinde übrigens weiterhin fest. Hintergrund ist, dass die meisten ihrer Mitglieder im Raum Duisburg leben. In Wesel und Umgebung gibt es zwar auch einige Juden, aber keine Nachfrage nach Grabstellen, erläuterte Drehmann. Ein in Duisburg drohender Mangel konnte hingegen vor etwa drei Monaten mit der Einweihung eines neuen Gräberfeldes auf dem Gelände des Waldfriedhofs abgewendet werde. Dort hat es auch schon Belegungen gegeben.

Bei der Beschäftigung mit einem jüdischen Friedhof gibt es Besonderheiten zu beachten. Er gilt als ein „Haus des Lebens“ und ist auf die Ewigkeit ausgerichtet. Hier wird nichts eingeebnet, nicht umgebettet, neu belegt oder gar bebaut: Was steht, bleibt stehen, bis es versinkt. Was unterm Rasen liegt, wird nicht angerührt. Gleichwohl werden die Anlagen gepflegt. Sie werden, weil ja keine Neubelegungen erlaubt sind, bei Erreichen ihrer Kapazität geschlossen, aber nie aufgeben. Über die Zukunft des Friedhofs am Ostglacis stehen die Duisburger laut Geschäftsführer Alexander Drehmann mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden weiter in Verhandlungen.

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