Wesel: Studie macht Allergikern Hoffnung

Wesel: Studie macht Allergikern Hoffnung

Gini-Studie am Marien-Hospital beweist: Durch Umstellung der Nahrung in den ersten Lebensmonaten lässt sich das Risiko für Neurodermitis deutlich senken. Forscher-Appell an Eltern, deren Kinder am Projekt beteiligt sind, Fragebögen zurückzusenden. Sonst leidet Aussagekraft der Untersuchung.

Jedes zweite Kind bis zum sechsten Lebensjahr kann vor Neurodermitis bewahrt werden, wenn es in den ersten vier Lebensmonaten allergen-arme HA-Milch bekommt. Dies ist eine aktuelle Erkenntnis der Gini-Studie, die seit 1995 im Forschungsinstitut an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Marien-Hospital läuft. Klinik-Leiter Prof. Dr. Dietrich Berdel sprach gestern von einem „tollen Ergebnis“, das auch er als Fachmann so nicht erwartet habe.

Ziel: Über 80 Prozent Rücklauf

In die Freude mischte sich eine kleine Sorge: Um die Gini-Studie auf einer gesicherten Datenbasis fortführen zu können, braucht das Institut einen höheren Rücklauf der rund 2000 Fragebögen, die in Wesel verschickt wurden. Sie gingen an Eltern jener am Projekt beteiligten Kinder, die jetzt zehn Jahre alt wurden. 76 Prozent der Bögen zu Gesundheit und Lebensumständen der Kinder kamen bisher zurück, über 80 Prozent müssen es sein. Gini (German Infant Nutritional Intervention Program) untersucht die Frage, ob durch bestimmte Ernährung in den ersten Lebensmonaten im späteren Leben Allergien vermieden werden können. Deren Zahl steigt (betroffen sind 15 Prozent aller Achtjährigen und knapp 35 Prozent aller 15-Jährigen), wobei Vererbung und Umweltfaktoren eine besondere Rolle spielen.

Die Gini-Studie startete 1995 mit fast 6000 Kindern. Sie kommen je zur Hälfte aus Wesel und Umgebung und aus München, wo das Institut eine „Zweigstelle“ unterhält. Die Kinder werden ab der Geburt bis zum zehnten Lebensjahr begleitet. Für die Studie werden drei verschiedene allergen-reduzierte HA-Nahrungen mit einer herkömmlichen Säuglingsnahrung auf Kuhmilchbasis bei 2252 Neugeborenen aus Allergikerfamilien verglichen. Parallel verfolgt die Untersuchung bei 3739 Kindern den natürlichen Verlauf allergischer Erkrankungen ohne Eingriff in die Ernährung.

Weltweite Anerkennung

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Von den anfangs knapp 6000 Kindern sind noch etwa zwei Drittel dabei, der Rest hat seine Mitarbeit aufgekündigt. Das sagte gestern Institutsleiterin Dr. Andrea von Berg. Sie dankte den Eltern und Kindern fürs jahrelange Mittun.

Professor Berdel unterstrich, die Zahl der Fragenbogen-Rückläufe bei erkrankten und nicht erkrankten Kindern müsse gesteigert werden, weil die Ergebnisse der Forschung ansonsten „statistisch nicht relevant“ wären. Auch wer wieder einsteigen wolle, könne das tun.

Berdel betonte, Gini finde in Expertenkreisen inzwischen weltweit Anerkennung und werde regelmäßig auf Kongressen und in Fachzeitschriften zitiert. Geschäftsführer Heinrich Schnieders hob die Rolle des Forschungsinstituts hervor: „Es leistet hervorragende Arbeit und ist gut für das Renommee des Marien-Hospitals. Darauf sind wir stolz.“

Kontakt Institut, Tel. 0281 104-1664; forschung1@marien-hospital-wesel.de

(RP)
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