Straßennamen in Wesel erinnern bald an vier Frauen

Weseler Politik : Wesel würdigt Grundgesetz-Mütter

70 Jahre Grundgesetz: Wesel erinnert daran mit neuen Straßennamen.

(RP) Deutschland hat vor wenigen Tagen das 70-jährige Bestehen des Grundgesetzes gefeiert. Am 23. Mai jährte sich das Datum. Vor 70 Jahren stimmte die Mehrheit des Parlamentarischen Rates dem Entwurf des Grundgesetzes zu. Unter den 65 Abgeordneten, die an der Verfassung arbeiteten, waren vier Frauen. In Wesel erinnern künftig vier Straßen an die sogenannten „Mütter des Grundgesetzes“. Darauf hat nun die Weseler Stadtverwaltung aufmerksam gemacht.

Die vier Politikerinnen Friederike Nadig (SPD), Helene Wessel (Zentrums-Partei), Helene Weber (CDU) sowie Elisabeth Selbert (SPD) pochten vor über 70 Jahren darauf, dass in die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben wird. Zunächst weigerten sich die Männer im Parlamentarischen Rat, den von der Juristin Elisabeth Selbert formulierten Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in den Verfassungsentwurf aufzunehmen. Unter dem Druck der Öffentlichkeit – Zehntausende hatten Petitionen für die Gleichberechtigung unterschrieben – beugten sich die „Väter“ des Grundgesetzes der Forderung. So kam es, dass die Formulierung in Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes verankert wurde. Damit gehört die Gleichberechtigung von Mann und Frau bis heute zu den wesentlichen Grundsätzen der Bundesrepublik Deutschland. Die ersten 20 Artikel des Grundgesetzes können aufgrund der Ewigkeitsklausel (Artikel 79 Absatz 3 des Grundgesetzes) nicht geändert werden. Sie haben Bestandsgarantie – anders als Straßennamen. Bereits 2002 schlug das Weseler Frauenforum vor, Straßen und Plätze in Wesel verstärkt nach Frauen zu benennen. So brachte das Frauenforum auch die vier weiblichen Mitglieder des Parlamentarischen Rates ins Spiel.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat in seiner Sitzung am 25. Juli 2018 diese Idee wieder aufgegriffen und einstimmig beschlossen, zukünftig vier zusammenhängende Straßen nach den „Müttern des Grundgesetzes“ zu benennen. Dafür vorgesehen sind die neuen Straßen im Baugebiet „Am Schwan-Nord“.

Wer mehr über das Grundgesetz erfahren möchte, kann sich im Rathaus im Flur vor dem Büro der Bürgermeisterin kostenlos die zweite Ausgabe des Magazins „schwarzrotgold“ der Bundesregierung mitnehmen. Wissenswertes rund um Straßennamen in Wesel finden Interessierte unter der Internet-Adresse www.wesel.de.

(sep)
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