Hamminkeln: "Stolpersteine" für NS-Opfer aus Brünen und Marienthal

Hamminkeln: "Stolpersteine" für NS-Opfer aus Brünen und Marienthal

Neue Steine zum Gedenken an verfolgte jüdische Mitbürger in Brünen und Marienthal werden am Mittwoch, 7. März verlegt. Einen Tag zuvor gibt es eine Info-Veranstaltung mit Künstler Gunter Demnig.

Gunter Demnig ist ein Begriff, wenn es um Erinnerungskultur geht. Sein Projekt "Stolpersteine" ist Legende. Jetzt werden neue Steine zum Gedenken an verfolgte jüdische Mitbürger in Brünen und Marienthal verlegt. Eine Info-Veranstaltung mit Demnig findet am 6. März um 17 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Brünen, Rohstraße 18, statt. Nach der Präsentation gibt es Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Tags darauf folgt um 8 Uhr ein Gedenkgottesdienst in der Klosterkirche Marienthal. Danach werden Demnigs Steine An der Klosterkirche 4 und anschließend in Brünen, Weseler Straße 59, verlegt.

Der jetzige Zeitpunkt ist historisch begründet. In diesem Jahr ist es 80 Jahre her, dass die letzten jüdischen Familien aus Brünen vertrieben wurden.

Der Reisende Aron Wertheim - Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg und in Folge eines Giftgasangriffes erblindet - und seine Frau Hulda flohen zunächst zu ihrer Tochter nach Holland, wurden in Westerbork interniert und später in Sobibor ermordet. Der angesehene Viehhändler Levi Wertheim - im Dorf unter anderem engagiert in der Feuerwehr, im Schützenverein, im Kriegerverein, im Kartclub und im Gesangverein - wurde bereits 1935 so sehr drangsaliert, dass er sich schriftlich beim Bürgermeister in Schermbeck beschwerte. Er verstarb noch vor der sogenannten Reichspogromnacht im April 1938. Seine Frau Selma und ihre Söhne Walter und Paul wurden nach mehreren Zwischenstationen in unterschiedlichen Konzentrationslagern am Ende in Riga ermordet. Vor dem Haus von Levi Wertheim an der Weseler Straße werden "Stolpersteine" verlegt.

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An Josepha Rölfing, geborene Hartmann, soll mit einem Stein in Marienthal gedacht werden. Sie wurde 1941 in verschiedene "Heilanstalten" verlegt und 1944 in Hadamar ermordet.

"An das erlittene Unrecht der Opfer zu erinnern und im Alltag an den konkreten Orten auf ihre Namen hinzuweisen, bleibt eine wichtige Aufgabe. Die Aktion ,Stolpersteine' des Kölner Künstlers Gunter Demnig bietet hierzu eine gute Möglichkeit. Mir geht es um die Erinnerung", sagt Mit-Initiator Johann Krieg. Er habe die Unterstützung der Kirchengemeinde bekommen und die Kollekte im Dezember gespendet. Mit der Verlegung befassen sich auch die Konfirmanden, die zum Info-Abend kommen. Der Brüner Bürgerverein unterstützt die Aktion ebenfalls. In Marienthal ist auch die Familie Hartmann zugegen. In Hamminkeln selbst gibt es bereits Stolpersteine zum Gedenken an dort beheimatete Juden.

(RP)