Wesel: Steinpilze sprießen so zahlreich wie nie

Wesel : Steinpilze sprießen so zahlreich wie nie

Seit gut 40 Jahren sammelt der Weseler Wolfgang Scholmanns in den Wäldern der Region Pilze und fotografiert sie auch. Für ihn ist der Herbst die schönste Jahreszeit. Vor allem in diesem Jahr - weil es so viele Steinpilze gibt wie nie.

Wenn Wolfgang Scholmanns in diesen Tagen durch die Wälder Wesels und der Nachbarkommunen streift, kann er sein Glück kaum fassen. Denn an zahlreichen Stellen sprießen die Pilze aus dem Boden, es sind die Fruchtkörper der dicht unter der Erde liegenden Myzelien. Was den 59-jährigen Naturliebhaber vom Fusternberg ganz besonders freut, sind die zahlreichen Steinpilze. "So viele habe ich in 40 Jahren noch nie gesehen." Für Experten ist es gleichwohl kein Wunder, waren die Wachstumsbedingungen zuletzt ideal: genügend Feuchtigkeit und Temperaturen von bis zu 20 Grad.

Wo er die gut behüteten Delikatessen findet, will er nicht verraten. Wolfgang Scholmanns lässt sich lediglich entlocken, dass er fast täglich in der Region unterwegs ist, zuletzt in der Üfter Mark auf Schermbecker Gemeindegebiet. Neben seinem Hund - an der Leine - hat er stets einen Korb - am Arm - und eine Kamera - am Hals - dabei. "Wichtig ist", sagt der Pilzkenner, "dass man die Fruchtkörper mit dem Messer abschneidet oder sie vorsichtig aus dem Boden dreht. Außerdem sollte man immer einige Exemplare stehenlassen, damit sie Sporen abwerfen und im nächsten Jahr neue Fruchtkörper austreiben können."

Dass er sich seit mittlerweile vier Jahrzehnten mit der Mykologie, der Pilzkunde, befasst, hat er einem Freund zu verdanken. "Der hat mich damals auf den Geschmack gebracht." Danach eignete er sich Fachwissen an durch die Lektüre von Büchern, besuchte Exkursionen der Volkshochschule und tauschte sich mit Pilz-Sachverständigen aus.

"Wer sich für Pilze interessiert, der sollte sich als Erstes ein Bestimmungsbuch besorgen. Beispielsweise in der Stadtbücherei", rät Wolfgang Scholmanns allen, die seine Leidenschaft teilen möchten. Bevor man sich auf die Suche nach Steinpilz, Wiesenchampignon, Pfifferling & Co. begibt, sollte man sich zunächst mit den tödlich giftigen Exemplaren beschäftigen. "Zum Beispiel mit der grünblättrigen Schwefelkopf, der hier bei uns oft vorkommt und der sich für den Laien kaum vom Stockschwämmchen unterscheidet." Neben Steinpilzen ("Mit Zwiebeln und Specken angebraten und mit Petersilie bestreut passen sie hervorragend zu Gulasch und Klößen") schätzt er vor allem die schon erwähnten Stockschwämmchen ("Ein toller Suppern- und Soßenpilz") und - was für eine Überraschung - den Fliegenpilz. Zwar weiß schon jedes Grundschulkind, dass er tödlich giftig ist. Aber Scholmanns ist trotzdem fasziniert. "Wenn ich dieses wirklich einmalige Rot sehe und die leichten Stäubchen auf dem Hut, dann geht mein Herz auf." Die Wikinger sollen übrigens aus Fliegenpilzen einen Sud gebraut haben, um sich vor einer Schlacht zu berauschen. Davon ist aber heute dringend abzuraten.

(RP)
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