Statistik für den Kreis Wesel: Immer mehr Unfälle mit Pedelecs

Statistik für den Kreis Wesel : Immer mehr Unfälle mit Pedelecs

Polizei im Kreis Wesel demonstriert Pedelec-Simulator

Die Kreispolizei begrüßt den Freizeit-Trend, warnt aber vor Risiken. Die Zahl der Unfälle mit diesen Zweirädern steigt stark an. Es gibt aber auch viele erfreuliche Zahlen in der Bilanz für 2018. Die Zahl der Verkehrstoten ist rückläufig.

Die elektrischen Pedelec-Fahrräder sind mittlerweile das Trend-Fortbewegungsmittel auch am Niederrhein. 800.000 Nutzer soll es mittlerweile in Deutschland geben. Rüdiger Kunst, Chef der Kreispolizei Wesel, rechnet mit einem starken Anstieg der Nutzerzahlen in den kommenden Jahren auch im Kreis. „Schon jetzt sieht man, wenn man sonntags auf den Marktplatz in Xanten fährt, fast nur noch Pedelecs“, sagt Kunst. Das veränderte Mobilitätsverhalten macht sich auch in der neuen Jahresstatistik der Kreispolizei bemerkbar. Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Rad- und Pedelecfahrern ist auf einem neuen Höchststand, wie die Polizei vermeldete. Kreisdirektor Ralf Berensmeier, der die Pressekonferenz zur Verkehrsunfallstatistik 2018 im Kreishaus Wesel am Freitag leitete, sieht dringenden Bedarf, das Problem anzugehen.

Die Zahlen im Detail: Gab es 2017 noch 564 Unfälle mit Radfahrern im Kreisgebiet, so stieg die Zahl auf 663 in 2018. Die Zahl der verunglückten Pedelec-Fahrer wiederum stieg von 68 auf 76. Die Polizei Wesel steuert gegen den Trend, indem sie als eine von nur zwei Behörden im Land Pedelec-Training anbietet. Die Polizei schult die Bürger am Simulator, auch praktisches Üben gehört dazu (Anmeldung für das kostenlose Angebot bei der Polizei unter Tel. 0281 1073220). Weil ein Pedelec deutlich schneller sein kann als ein mit Muskelkraft betriebenes Rad, gilt es hier ganz andere Bremswege zu bedenken. „Das ist ein Problembereich, der wird bleiben“, sagte Rüdiger Kunst. Er betont aber, dass es die Polizei generell begrüße, wenn Senioren, die seit Längerem nicht mehr mit einem Fahrzeug aktiv am Straßenverkehr teilgenommen haben, durch ein Pedelec wieder mobil werden können.

Einige erfreuliche Tendenzen lassen sich in der Unfallstatistik des Kreises feststellen: Zwar stieg die Zahl der Unfälle kreisweit an, von 3445 pro 100.000 Einwohner auf 3472 in 2018. Der Kreis Wesel liegt aber deutlich unter dem Landestrend. In NRW gibt es pro 100.000 Einwohner im Jahr 2018 insgesamt 3688 Unfälle. Im Kreis Wesel gab es 2018 16 Unfalltote, das ist auch der Mittelwert des vergangenen Jahrzehnts. Den Hauptanteil machen mit elf die Pkw- und Klein-Lkw-Fahrer aus, unter den Toten sind aber auch ein Pedelecfahrer, ein Fußgänger und ein Radfahrer sowie zwei Traktorfahrer. Rüdiger Kunst verweist hier aber auf Langzeitveränderungen. „Im Jahr 1976 hatten wir bei der Kreispolizei noch über 120 Tote pro Jahr zu vermelden.“

Ein Kind ist im vergangenen Jahr im Kreis im Straßenverkehr nicht ums Leben gekommen, dafür zwei „junge Fahrer“ – also solche, die gerade erst den Führerschein hatten. Die Polizei ist auch auf diesem Feld präventiv unterwegs. Rüdiger Kunst und sein Stellvertreter Norbert Klump verwiesen auf das Landesprogramm „Crash Kurs NRW“, bei dem Schüler die Folgen von Unfällen drastisch aufgezeigt werden. 3000 Weseler Schüler wurden bei insgesamt 24 Veranstaltungen an Schulen im Kreisgebiet damit erreicht. Eine Folge: Die Zahl der Unfälle mit „jungen Fahrern“ erreichte ein Zehn-Jahres-Tief auf nur noch 559 Unfälle, in der Spitze waren es 2011 sogar 802 Unfälle. Polizeichef Rüdiger Kunst kann sich vorstellen, dass die Möglichkeit des Führerscheins mit 17 Jahren, bei begleitetem Fahren durch die Eltern, hier einen Positiveffekt hat. Junge Fahrer würden durch Begleitung achtsam fahren lernen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit war im vergangenen Jahr der Kampf gegen die Unfälle mit Kindern. „Im Laufe des Jahres 2018 wurde das ein Behördenschwerpunkt“, sagte Ralf Berensmeier. Es habe sich schon Mitte des Jahres abgezeichnet, dass die Zahl der Unfälle mit Kindern zunehmen wird. Letztlich verunglückten in 2018 169 Kinder als aktive oder passive Verkehrsteilnehmer. Die Zahl der Unfälle stieg von 108 in 2017 auf 134 in 2018. Rüdiger Kunst appelliert an die Eltern, den Schulweg zu trainieren, auch bei sonntäglichen Radtouren die Verkehrsregeln zu erklären. Eltern von Kindern, die in Wesel die Verkehrsregeln missachten, bekommen von der Behörde einen sogenannten Elternbrief. Darin ist das Vergehen genannt, auch technische Mängel des Rades werden aufgeführt. 422 solcher Briefe wurden im vergangenen Jahr geschrieben.

Kreisdirektor Ralf Berensmeier (2. v. r.) auf einem Pedelec-Fahrsimulator am Freitag im Kreishaus: Christiane Nattkamp, Jörg Nietschke, Norbert Klump und Rüdiger Kunst (v. l.). Foto: Sebastian Peters

Im Fokus sind weiter auch die älteren Verkehrsteilnehmer. Auch hier stieg die Zahl der Unfälle (851 in 2017 gegenüber 910 in 2018) sowie der Verunglückten (von 291 auf 339). Auffällig: 141 der Verunglückten waren Nutzer von Rad oder Pedelec. In 75 Prozent der Unfälle mit Unfallfolge waren hier die Senioren die Verursacher. Eine unrühmliche Zahl bleibt die Unfallflucht: Ähnlich wie im Land ist das auch im Kreis ein Trend. Die Zahl der Unfallfluchten stieg von 2804 in 2017 auf 2966 in 2018. „Von den 16.000 Unfällen waren 3000 solche mit Unfallflucht, das ist viel“, sagte Norbert Klump. Die Polizei verwies darauf, dass es nach einem Anfahren des parkenden Autos nicht reiche, einfach einen Zettel an die Windschutzscheibe zu heften. Und sie warnt: „Die Aufklärungsquote bei Unfallflucht mit Personenschaden liegt im Kreis Wesel bei 70 Prozent.“

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