Hamminkeln/Wesel: Starenkästen dienen nur als Attrappen

Hamminkeln/Wesel: Starenkästen dienen nur als Attrappen

Die provisorische Reparatur eines Blitzgerätes an der B473 zwischen Wesel und Hamminkeln hat bei Facebook für Diskussionen gesorgt.

Mitarbeiter des Kreises Wesel wurden kürzlich von einem Autofahrer aus Wesel fotografiert, wie sie an dem Starenkasten an der B 473 zwischen Blumenkamp und Hamminkeln hantieren. Bei Facebook hieß es deshalb jetzt: "Blitzer zwischen Wesel und Hamminkeln wieder aktiv." Und diese Nachricht hat zahlreiche Nuter der sozialen Medien interessiert.

Doch ist das tatsächlich so, dass in Höhe des Alex Country Verkehrssünder, die schneller als mit Tempo 80 unterwegs sind, geblitzt werden? Die beiden Starenkästen an der B 473 befinden sich in Besitz des Kreises Wesel, wo man in der Bußgeldstelle gestern natürlich auch schon von dem Facebook-Post gehört hatte. Koordinator Bodo Leineweber ist grundsätzlich erfreut über solche Nachrichten: "Denn dann fahren die Leute vorsichtiger." Die Annahme, dass der Starenkasten zwischen in Fahrtrichtung Blumenkamp durch eine Kamera "scharf" gemacht wurde, ist aber falsch. "Völliger Mumpitz", sagt Leineweber im Gespräch mit unserer Redaktion. Tatsächlich würden die beiden Kästen, die Ende der 1980er Jahre aufgestellt wurden, nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Heißt im Klartext: Sie sind nicht mehr funktionstüchtig, sondern dienen als Attrappen. Was aber nicht bedeutet, dass Verkehrsteilnehmer hier nicht geblitzt werden. "Die Polizei und auch wir vom Kreis stehen hier öfter mit unseren Radarwagen", sagt Leineweber. Das Foto des Facebook-Nutzers sei bei Reparaturarbeiten entstanden. "Vor einigen Wochen haben Unbekannte den Kasten beschädigt, weil sie dachten, dass in ihm noch eine Kamera steckt. Damals haben wir das Türchen mit Panzerband notdürftig verschlossen", erklärt der Mann von der Kreisverwaltung. Durch die Kälte habe die Klebekraft nachgelassen, so dass man den Kasten nun wieder notdürftig verschließen musste. Und bei diesen Arbeiten ist das Handyfoto entstanden, das bei Facebook zu sehen ist.

An insgesamt 17 Unfallhäufigkeitsschwerpunkten hat der Kreis Wesel Starenkästen aufgebaut. Im Wechsel sind acht davon mit einer Kamera bestückt. Inklusive des Blitzers an der A 42 auf Moerser Stadtgebiet liefern die Starenkästen jährlich 93.000 Bilder von Temposündern. Die beiden Radarwagen steuern nochmals 20.000 Bilder hinzu. Die Verkehrssünder zahlen für ihre Vergehen im Durchschnitt 17 Euro. Unter dem Strich fließen so 850.000 Euro in den Kreisetat. "Unser Ziel ist es aber nicht, Bußgelder zu kassieren, sondern die Zahl der Unfälle zu reduzieren", sagt Bodo Leineweber. "Schon allein aus volkswirtschaftlichen Gründen." Er ist überzeugt, dass solche "Sanktionsmittel nötig sind, weil sonst viele Leute fahren würden, wie sie wollen."

(RP)