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Stadtwerke investieren: Wesels Kläranlage soll bald weniger stinken

Stadtwerke investieren Millionen : Wesels Kläranlage soll bald weniger stinken

Die Weseler Stadtwerke wappnen das Kanalnetz gegen starke Regenfälle und sanieren das Überlaufbecken am Rhein. Die Arbeiten sollen Anfang 2020 beginnen und gut zweieinhalb Jahre dauern.

Es ist eine Ankündigung, die die Weseler aufatmen lassen wird: Im Bereich der Kläranlage soll es künftig deutlich weniger Geruchsentwicklungen geben. Das haben die Stadtwerke Wesel in einer Mitteilung am Dienstag angekündigt. Das Überlaufbecken der Kläranlage am Rhein wird in einer Millionen-Investition saniert. Zweieinhalb Jahre Bauzeit sind einkalkuliert. Die immer wieder monierten Gerüche würden sich anschließend deutlich verringern, sind sind die Experten der Stadtwerke sicher. Dafür sollen beispielsweise neue Spülkippen sorgen, mit denen sich abgelagerter Schlamm leichter aus dem Becken holen lässt. Die Geruchsentwicklung der Kläranlage galt als einer der Gründe dafür, dass Wohnbebauung am Rhein in Wesel politisch abgelehnt wurde.

In der Weseler Kläranlage unweit des Rheins fließen  die Schmutz- und Regenwasserströme aus allen Ortsteilen zusammen. Dort wird das Wasser seit Jahrzehnten gesäubert und dann geklärt in den Rhein entlassen. Die Weseler Stadtwerke betreiben die Beckenlandschaft, in die Spaziergänger und Radler Einsicht von der Fischertorstraße her haben, sie sind Wasserversorger und -entsorger gleichermaßen und erreichen mit ausgeklügelten Klärstufen die Minimierung der Belastung. In Zeiten immer neuer Anforderungen ist dies eine bedeutende Aufgabe für die Stadt. Nun wird das Regenrückhaltebecken mit vier Kammern ertüchtigt. „Ein neuer, ganzheitlicher Ansatz für die Sanierung ist geplant“, sagt der neue Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Hegmann.

Technik-Chef Henning Wagner, Ingenieur Ulf Heinrich und Klärwerksleiter Jens Kiel erklären das Ausmaß des Vorhabens: Die vier Überlaufbecken  haben eine Länge 35 bis 50 Meter und eine Breite von je 14 Meter sowie eine Tiefe von 3,55 Metern. Die schmutzigen Gewässer aus den großen Hauptsammlern Nord und Ost treffen hier in den zentralen Punkt am Ende des Weseler Kanalsystems. „Hauptaufgabe des Beckens ist es, Wasser im Regenfall zwischen zu speichern, um die Kläranlage zu entlasten. Zufließende Wassermengen können dann der Reinigung sukzessive zugeführt werden, zum Beispiel ist das bei intensiven Regenereignissen enorm wichtig“, erklärt Ulf Heinrich. Der Ringsammler ist übrigens ein Stück Stadt-Geschichte, er stammt aus dem Jahr 1885.

Rund 8.500 Kubikmeter lassen sich in den vier im Jahr 1978 gebauten Becken speichern. Sie füllen sich bei Bedarf Stück für Stück. Möglich machen den sortierten Zulauf starre Wehre. Diese sorgen dafür, dass das Wasser in die nächste Kammer fließt. Das System funktioniert, aber nach jahrzehntelangem Betrieb zeigen sich Verschleißerscheinungen. Dazu gehören Risse im Beton, platzende Fugendichtungen und untaugliche Strahlreiniger im Becken. Das ist nicht neu, schon im Jahr 2012 wurde Sanierungsbedarf ermittelt. Aber dann kam der Aspekt der häufigeren Starkregenereignisse hinzu. 2016 entschieden die Stadtwerke, die Maßnahme neu zu betrachten und erweiterten sie.

Wenn der Regen prasselt, will man bei den Stadtwerken nun die direkte Lage am Rhein nutzen, indem optimiert in den Fluss eingeleitet und so das städtische Kanalnetz entlastet wird. „Wir wollen diese Chance zusätzlich nutzen durch den Einbau von absenkbaren, steuerbaren Wehrschwellen“, sagt Henning Wagner. Das rechne sich, betont er, weil teure Rückhaltemaßnahmen im Kanalnetz insbesondere in der Innenstadt reduziert werden könnten. Zusätzlich können künftig 3200 Liter Niederschlagswasser je Sekunde in den Rhein strömen.

Lärmschutzwände zur Wohnbebauung minimieren die Belastung. Die Sanierung soll gleichzeitig dazu genutzt werden, das Aufschwimmen der Becken bei einem möglichen Rhein-Hochwasser zu verhindern. Bisher wird das durch mehr Gewicht mittels Flutung der Becken gewährleistet. Künftig werden Pfahlanker das Überlaufbecken standfest halten. Die anstehende Betonsanierung wird deshalb kombiniert mit dem Setzen von 80 bis 120 solcher Pfähle, die über die gesamte Beckensohle verteilt und 20 Meter in die Tiefe getrieben werden.

(RP )