Wesel: Stadtmarketing will Perspektive

Wesel: Stadtmarketing will Perspektive

IHK-Präsident Burkhard Landers gibt Wesels Stadtmarketing Top-Noten. Es gibt auch Nachholbedarf. Vorschläge sind: In neuer Struktur soll sich die Verwaltung zurücknehmen. Politik soll Finanzierung langfristig sichern.

In doppelter Funktion war er beim Bürgertreff. Als neuer IHK-Präsident sprach Burkhard Landers über regionale Wirtschaftsfragen und forderte insbesondere, die Häfen Wesel, Rhein-Lippe, Orsoy, Emmelsum und Emmerich unter ein (Gesellschafts-)Dach zu bringen. Als ehemaliger Gesellschafter und Aufsichtsratsmitglied von WeselMarketing stellte er dem Stadtmarketing unter Citymanager Thomas Brocker ein blendendes Zeugnis aus.

Auch die Vertreter von ISG Domviertel und Cityachse waren des Lobes voll – ausdrücklich aufgehängt an der Person Brocker. Eine Randnotiz war da nur noch das Terminchaos um das ausgefallene Gourmetfest (RP berichtete). Man brauche ein Management, das den Überblick über alle Weseler Veranstaltungen zusammenfasst, so Norbert Meesters (SPD). Das gibt es nämlich – siehe auch kollidierende Kulturangebote – immer noch nicht, obwohl das Thema seit Jahren bekannt ist. Dies war ein erster zarter Hinweis, dass das seit vier Jahren bestehende Stadtmarketing einen Schub gebracht hat, aber strukturelle Hemmnisse nicht gelöst sind.

"Rat soll über Schatten springen"

Landers lobte, dass das Stadtmarketing in einer "kleinen und straffen GmbH" organisiert worden sei und im Aufsichtsrat politische Eitelkeiten keinen Platz hätten. Aber er plädierte nachdrücklich dafür , die "verschiedenen Akteure zusammenzufassen". Sprich: Verkehrsverein, Team Stadtwerbung und Werbegemeinschaft gehörten unter ein Dach, dazu als weitere Säule ein Förder- und Unterstützerverein als Gremium für engagierte Bürger.

Sowohl Werner Köhler (CDU) – "wir brauchen weniger Verwaltung beim Stadtmarketing, die Stadt soll nur die zweite Geige spielen" – als auch Dagmar Ewert-Kruse (Ratshausfassade) – "mit der neuen Struktur muss man sofort anfangen, das müssen auch die Leute im Rathaus begreifen" – forderten eine Neujustierung. Damit könne die Zukunft des Stadtmarketings besser ausgerichtet werden.

Doch was ist, wenn die Stadt in die Haushaltssicherung gerät? Max Trapp (ISG Domviertel) sorgt sich um die Finanzierung des Stadtmarketings als so genannte freiwillige Aufgabe. Landers zeichnete den Weg vor, der die finanzielle Perspektive langfristig sichern und Vertrauen bei der Wirtschaft schaffen würde: "Der Rat sollte über seinen Schatten springen und die Finanzierungszusage nicht auf drei Jahre beschränken, sondern – sagen wir – für zehn Jahre geben." Dann wäre trotz Haushaltssicherung die Finanzspritze langfristig unangreifbar, und mehr Geld der Wirtschaft könnte fließen.

Schon jetzt kommen auf einen eingesetzen städtischen Euro 1,68 Euro von Gewerbe und Handel hinzu, hat Brocker errechnet. Die Bereitschaft sei groß, Luft nach oben sei noch da. Zumal Brocker mit sichtbaren Ergebnissen glänzen kann: Über 200 bemalte Esel werben für Wesel, am Montag werden wieder welche bestellt. Weit über 20 000 Wesel-Taler als lokale Währung sind geprägt. Ein beliebtes Sammelobjekt, denn nur 200 fanden in den Geldkreislauf zurück.

(RP)