Franz Michelbrink, Geschäftsführer Der Stadtwerke Wesel: Stadthafen - das größte Projekt der Stadtwerke

Franz Michelbrink, Geschäftsführer Der Stadtwerke Wesel : Stadthafen - das größte Projekt der Stadtwerke

Die Stadtwerke investieren 12,4 Millionen Euro in die Kaimauer. Aber der Hafen gehört nun Deltaport – mit Logistik als Kerngeschäft.

Die Stadtwerke investieren 12,4 Millionen Euro in die Kaimauer. Aber der Hafen gehört nun Deltaport — mit Logistik als Kerngeschäft.

Franz Michelbrink hat eine Lösung für das Hafen-Projekt erzielt. Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Das symbolische Rammen eines Pfahls im Hafen — sprich: Grundsteinlegung — findet am 19. September statt. Doch die Arbeiten zur Sanierung der Kaimauer beginnen jetzt. Es ist da größte Vorhaben, das die Weseler Stadtwerke je angepackt haben. Sie machen den Stadthafen für 12,4 Millionen Euro fit, um ihn an Deltaport, die Hafen-Gesellschaft des Kreises zu übergeben. Das geschieht Ende August, während die Stadtwerke für die Sanierung geradestehen bis zur Fertigstellung der Maßnahme. RP-Redakteur Thomas Hesse sprach mit Stadtwerke-Chef Michelbrink.

Die Stadtwerke Wesel investieren eine Summe von netto 10,4 bzw. brutto von 12,4 Mio. € in die Sanierung des Stadthafens. Ist das nicht ein Risiko?

Franz Michelbrink Wenn wir frei entscheiden könnten, hätten wir als Energieversorger natürlich eine renditeträchtige Investition im Energiesektor bevorzugt. Aber diese Entscheidungsfreiheit haben wir nicht. Durch Verträge und Auflagen sind wir verpflichtet, die marode Kaimauer entweder neu zu bauen oder zurückzubauen, also abzubrechen. Ein Abbruch würde ähnlich hohe Kosten und Risiken verursachen, bietet aber kaum die Möglichkeit der Refinanzierung der Investition. Deshalb kam letztlich nur ein Neubau der Kaimauer in Frage.

Trägt der Kreis Wesel als Hauptgesellschafter von Deltaport ein Risiko - die VWG im Kreistag hatte sich öffentlich entsprechend geäußert.

Michelbrink Die VWG kennt das Vertragswerk zur Häfenkooperation und müsste daher wissen, dass die Stadtwerke für die Sanierung auch finanziell geradestehen müssen und werden. Dafür haben wir unternehmensintern Vorsorge getroffen. Insoweit trägt der Kreis kein Risiko.

Haben Sie auch über die Alternativen zu einer Hafennutzung nachgedacht?

Michelbrink Wir haben im Vorfeld unternehmensintern andere Wohn- und Gewerbenutzungen des Ha-fengeländes überlegt und sorgfältig durchgerechnet. Aufgrund der planungsrechtlichen Gegebenheiten, der Nähe zur Kläranlage und zu verschiedenen Hafenbetrieben sowie der Tatsache, dass der Stadthafen nicht hochwasserfrei ist, kamen jedoch hochwertige Wohn- oder Gewerbenutzungen nicht in Betracht. Andererseits glauben wir an die Attraktivität des Standortes für einen Hafen. Unsere Szenario-Rechnungen haben ergeben, dass sich Investitionen in einen Hafen am ehesten refinanzieren lassen. Der Hafen kann und wird u. E. für Wesel und die Region ein positiver Wirtschaftsfaktor sein.

Die Stadtwerke betreiben den Hafen in Zukunft aber nicht mehr selbst, sondern geben ihn an die neue Hafengesellschaft Deltaport ab.

michelbrink Das ist richtig. Wir haben zuvor auch entsprechende "Stand-alone"-Betrachtungen angestellt und könnten den Stadthafen sicherlich als Stadtwerke Wesel selbst betreiben. Mit der Gründung von Deltaport haben die beteiligten Kommunen aber eine Hafengesellschaft mit großem Flächenpotential und europaweiter Ausrichtung auf den Weg gebracht. In unmittelbarer Nähe und in Konkurrenz dazu einen vergleichsweise kleinen Stadthafen allein zu betreiben, macht in der Gesamtbetrachtung wenig Sinn. Für Deltaport ist Hafenlogistik das Kerngeschäft. Von einer professionellen Ausrichtung in der Logistikbranche und von einem besseren Marktzugang wird auch der Stadthafen auf Dauer profitieren - darauf werden wir auch achten.

Aber die Stadtwerke geben ihre Investition in fremde Hände und haben keinen Einfluss mehr.

michelbrink Das ist nur zum Teil richtig. Wir haben, ebenfalls in enger Abstimmung mit Herrn Briese von Deltaport, das gesamte Vertragswerk mit unseren Partnern im Stadthafen neu geschlossen. Damit sind die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Stadthafens positiv gesetzt. Im Übrigen ist es auch bei Kooperationen so, dass man eigene Kompetenzen und Handlungs-spielräume aufgeben muss.

Warum bauen die Stadtwerke und nicht Deltaport?

michelbrink Die Sanierung von Hafenbahn und Kaimauer steht unter einem enormen Zeitdruck, da wir entsprechende Verpflichtungen gegenüber den Umschlagunternehmen im Hafen eingegangen sind. Mit den Planungen wurde im Herbst 2012 begonnen. Die Arbeiten müssen im Frühjahr 2014 fertig sein. Deltaport war zu dieser Zeit noch in der Gründungsphase und muss im Hafen Emmelsum sowie im Rhein-Lippe-Hafen die Entwicklung vorantreiben. Deshalb haben die Stadtwerke Wesel die Sanierung des Stadthafens übernommen. Eine nach Auffassung aller Beteiligten sinnvolle und notwendige Aufgabenverteilung.

Sind Sie bisher im Zeit- und Kostenrahmen?

michelbrink Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber bisher haben wir den engen Zeitrahmen für Planung, Genehmigung und EU-Ausschreibung des Projekts eingehalten. Mit den Bauarbeiten wurde in diesen Tagen pünktlich begonnen. Auch bei den Kosten liegen wir bisher absolut im Rahmen der Vorkalkulation.

(RP)
Mehr von RP ONLINE