Schermbeck : Das Kunstexperiment von Schermbeck

In Besten gab es zur „Nachtgleiche“ Kultur im Artpark Hoher Berg – mit Musikprominenz.

Kunst im Kälberstall gab es jetzt im kleinen Schermbecker Ortsteil Besten zu bestaunen. So ungewöhnlich wie der Ausstellungsort, so überraschend sind auch die Werke, die die beiden Künstler Bernd Caspar Dietrich aus Schermbeck und Stephan Marienfeld aus Hattingen hier präsentieren. Immer um den Tag der „Nachtgleiche“ herum – also genau in der Hälfte zwischen Winter- und Sommersonnenwende – öffnet das Atelier „Artpark“ Hoher Berg seine Pforten – diesmal unter dem Motto „Die tote Stadt“ in Anlehnung an das „Sterben“ des Bergbaus im Ruhrgebiet. Im Mittelpunkt bei diesem „Kultur-Experiment“ stehen die Skulpturen des Tony-Cragg-Schülers und Biennale-Teilnehmers Marienfeld und natürlich die Beton-Phosphor-Arbeiten von Gastgeber Dietrich.

Es gab prominente musikalische Begleitung: Für den Abend war Steve Schroyder angekündigt, Synthesizer-Experte, Elektropionier und Ex-Mitglied von „Tangerine Dream“.

Besucherin Gisela Müller ist eine der ersten, die den zur Kunsthalle umgebauten Stall betritt – sie ist verzückt: „Wie kommt man denn auf solche Ideen?“- „Indem man sich mit den Dingen beschäftigt“, sagt Künstler Bernd Caspar Dietrich und erklärt seine großformatigen Werke. „Kupfer, Gold und Phosphor – diese Elemente führen nachts ein Eigenleben, sie interagieren und beginnen zu glühen“, versichert der 62-Jährige und knipst spontan das Licht aus. Und tatsächlich leuchten Teile der Werke im Dunklen weiter – mal das Zentrum, mal der äußere Rand, mal die gesamten Scheiben, die teils auch noch rotieren. „Faszinierend“, findet Müller.

„Alles, was man hier sieht, agiert miteinander“, ergänzt Dietrich, der viele andere Künstler zu diesem Event nach Besten eingeladen hat. „Was wir hier erforschen, wollen wir mit anderen Kollegen teilen, ihnen gerne einen Impuls geben.“ Der 62-Jährige bezeichnet sich selbst als „Spezialist für Beton“ und sagt: „Viele verzweifeln ja daran, dass sie eine Idee haben, aber dann mit dem Material nicht zurechtkommen.“ Wichtig sei ihm als Künstler vor allem die Freiheit seines Wirkens um der Kreativität freien Lauf zu lassen: „Wir sind Gegner von subventionierter Kunst, die immer an verpflichtende Regeln und starre Bedingungen geknüpft ist.“