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Kommentar: Sprachlosigkeit

Kommentar : Sprachlosigkeit

Da stürzt eine einst stolze Partei unaufhaltsam ab in Richtung Bedeutungslosigkeit, und keiner steht auf, die Reißleine zu ziehen. Die scheidende Parteispitze war mehr darum bemüht, das Debakel von sich fernzuhalten als eine ernsthafte und vor allem offene Diskussion über den schwindenden Rückhalt der SPD in der Bevölkerung zu initiieren.

Angesichts des schmerzhaften Abschneidens war's verwunderlich, dass die Delegierten ihre Frontmänner so einfach aus der Verantwortung entließen und es bei wenigen, wohl bewusst unkonkreten Andeutungen beließ. Das Problem sind nicht "Grabenkämpfe", die die Genossen offenbar fürchten wie der oft zitierte Teufel das Weihwasser, sondern ist die beredte Sprachlosigkeit in der Partei, die die SPD so wenig anziehend macht. Die Genossen brauchen neuen Mut zu sagen, was sie denken, um von einer dahinsiechenden Rest-Truppe aufzuerstehen, um in einen lebendigen Meinungsstreit einzutreten. Vielleicht wäre ein offener Konflikt angesichts der dramatischen Lethargie die einzig angemessene Therapie auf dem Weg zur Genesung. So hat's den Eindruck, dass sich keiner traut, auch nur in Frage zu stellen, was vorgedacht wird. Die SPD muss wieder lernen, worin ihre Stärke besteht, muss Demokratie lernen. Gehorsames Ducken hilft nicht mehr. Die Richtung heißt vorwärts. </p>

(RP)