Wesel/Dinslaken:Trzensiok erfüllt sich seinen Traum

Triathlon : Martin Trzensiok erfüllt sich seinen Traum

Der für den Weseler TV startende Athlet hat in Frankfurt das Ticket für den Ironman auf Hawaii gelöst. Am 13. Oktober will er dort unter zehn Stunden bleiben. Bis dahin muss der 44-Jährige noch viel organisieren.

36 Grad, die Sonne knallt in der Mittagszeit vom blauen Himmel. Wolken sind keine zu sehen, die Luft steht, es weht kein Lüftchen. Über dem Asphalt flirrt die Hitze. Für Martin Trzensiok ist das kein Grund, im Haus zu bleiben. Vielmehr fährt der Athlet des Weseler TV eben mal 100 Kilometer mit dem Fahrrad von Dinslaken aus quer durch den Niederrhein.

Für den 44-Jährigen sind es die besten Voraussetzungen, sich auf den Ironman auf Hawaii vorzubereiten. Denn hierfür hat er in seiner Altersklasse (45 bis 49 Jahre) bei der EM Anfang Juli in Frankfurt die Qualifikation geschafft und will sich im Oktober seinen Traum erfüllen. Während viele davon träumen, auf Hawaii Urlaub zu machen, will sich Trzensiok dort richtig auspowern. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen müssen bei einem Ironman, der Langdistanz im Triathlon, absolviert werden. Bei der Europameisterschaft in Frankfurt hat Trzensiok dafür 9:55 Stunden gebraucht, wobei er aufgrund einer Baustelle fünf Kilometer mehr auf dem Rad saß.

Dass er sich mit diesem Wettkampf für Hawaii qualifizierte, ist schon fast ein kleines Wunder. Denn irgendwie lief es an diesem Tag in der Bankenmetropole überhaupt nicht rund. Nach rund 150 Kilometern bekam er auf dem Rad Probleme mit dem Magen. Die sollten ihn bis ins Ziel plagen. „Beim Laufen habe ich regelmäßig Gehpausen eingelegt“, sagt der in Dinslaken lebende WTV-Athlet. „Das hat mich runtergezogen und demotiviert.“ Er hatte extra auf diesen Tag hintrainiert, der Hawaii-Traum sollte für ihn wahr werden. Die Enttäuschung auf der Strecke war dementsprechend groß. Und trotzdem: Aufgeben war für Trzensiok kein Thema.

„Im Ziel habe ich dann gemerkt, dass meine Zeit doch nicht so schlecht sein kann“, sagt Trzensiok. Insgesamt lag er auf dem 16. Platz seiner Altersklasse. Die ersten 14 qualifizieren sich für Hawaii. „Es gibt immer mal wieder welche, die die Quali vielleicht schon irgendwo anders geschafft haben oder aus anderen Gründen nicht antreten wollen.“ Und so kam es dann auch. Als sein Name aufgerufen wurde, war die Freude des WTV-Athleten grenzenlos. „Das ist ein Traum, der sich erfüllt. Der Ironman auf Hawaii ist quasi wie die Besteigung des Mount Everest.“

Ursprünglich war Trzensiok immer nur gelaufen, nicht länger als die Halbmarathon-Distanz. Doch ausschließlich Laufen wurde ihm auf Dauer zu langweilig. Als der Weseler TV dann 2011 eine Triathlongruppe gründete, schloss er sich dem kleinen Team an. Die ersten Wettkämpfe absolvierte er über die Olympische Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen). Im zweiten Jahr traute er sich dann schon auf die Mitteldistanz (1,9/90/21,1) und ab 2014 ging es auf die Langdistanz.

Seine Lieblingsdisziplin ist natürlich das Laufen. „Beim Schwimmen halte ich mich meistens etwas zurück“, sagt Trzensiok. Den Rangeleien und Platzkämpfen im Wasser geht er lieber aus dem Weg. In Frankfurt kam hinzu, dass die Athleten gegen die aufgehende Sonne schwimmen mussten. „Da verschwimme ich mich ganz gerne mal und werde dann von einem Kanu wieder eingefangen“, sagt er.

Doch wie hält man sich fast zehn Stunden lang bei Laune? Einen besonderen Trick hat der Hobbyathlet da nicht. Beim Radfahren denkt er darüber nach, dass er sich während der 180 Kilometer vernünftig ernährt und achtet auf seine Vitalfunktionen. Wenn es windig ist, und das wird es auf Hawaii sicherlich sein, muss man sich ohnehin sehr auf seine Fahrt konzentrieren. Hinzu kommt, dass man auf den Abstand zum Vordermann achten muss, da Windschattenfahren beim Triathlon verboten ist. Beim abschließenden Marathon drehen sich seine Gedanken dann schon darum, was er nach dem Zieleinlauf essen und trinken möchte. Am meisten freut er sich auf das Bier danach, ob mit oder ohne Alkohol – Hauptsache eiskalt.

Am 13. Oktober ist es soweit, dann fällt der Startschuss in Kailua-Kona. Bis dahin muss Trzensiok noch einiges organisieren. Die 1026 US-Dollar Startgeld musste er direkt in Frankfurt beim Call zahlen. Eine Woche vorher fliegt er gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn nach Hawaii. „Früher geht es nicht, das wird dann auch zu teuer“, sagt Trzensiok. Das Problem ist, dass er seine Qualifikation erst im Juli geschafft hat und damit „recht spät dran“ ist. „Jetzt muss man nehmen, was man kriegen kann auf Hawaii“, sagt der Triathlet.

Neben dem Organisatorischen muss er sich auch sportlich auf die Ironman-WM vorbereiten. Die Trainingspläne hierfür schreibt er selbst. Wobei diese je nach Wetter und familiären Verpflichtungen variabel sind. „Wenn es regnet, dann gehe ich auch mal laufen oder schwimmen, statt mit dem Rad zu fahren.“

Der Ablauf auf Hawaii wird dann wohl ähnlich sein wie bei anderen Wettkämpfen auch. Am Abend vorher geht es zum Italiener, gegen 19 oder 20 Uhr ist Trzensiok dann im Hotel und klettert früh ins Bett, denn um halb vier klingelt schon der Wecker. Gestartet wird zwischen 6.30 und 7 Uhr. „Ich bin auf die Wetterverhältnisse gespannt“, sagt der Triathlet. „Allerdings vertrage ich Hitze ganz gut.“ Ansonsten macht er sich im Vorfeld nicht so viele Gedanken. Auch wenn er gerne unter zehn Stunden bleiben würde, sein Motto lautet, die Strecke zu genießen. Eines ist schon klar: „Der Zieleinlauf wird einfach nur geil.“, sagt Trzensiok.

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