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Viktoria Wesel soll im Lippestadion bleiben

Sportpolitik : Viktoria Wesel hat eine Zukunft im Lippestadion

Die SPD setzt sich dafür ein, dass der älteste Fußball-Club der Stadt auf seiner Anlage bleiben darf. Im von der Politik einstimmig verabschiedeten Sportentwicklungsplan wird dagegen ein Umzug der Viktoria ins Auestadion empfohlen.

Viktoria Wesel darf auf eine Zukunft im Lippestadion hoffen. Die SPD will durchsetzen, dass der älteste Fußball-Club der Stadt auf seiner Anlage bleiben darf und nicht, wie im von der Politik einstimmig verabschiedeten Sportentwicklungsplan empfohlen wird, ins Auestadion verlagert wird. „Kein Verein wird gegen seinen Willen dazu gezwungen, seine Anlage zu verlassen. Das wird die SPD verhindern und im Rat die notwendige Mehrheit dafür besorgen. Dafür sind wir durchschlagskräftig genug“, sagte Fraktionschef Ludger Hovest am Dienstag bei einem Gespräch mit Vorstandsmitgliedern der Viktoria.

Der 1910 gegründete Club hatte erstmals im November 2017 heftig protestiert, als der Sportentwicklungsplan im Rat vorgestellt wurde. Im 160 Seiten umfassenden Gutachten wird vorgeschlagen, dass die Viktoria im Auestadion auflaufen und das Lippestadion zu einem Zentrum für Freizeitsport umgewandelt werden soll. „Wir sind überrascht worden, wie es mit dem Verein weitergehen soll und haben sofort beschlossen, dass wir uns dagegen wehren müssen“, sagte Günter Kellendonk, Vorsitzender des Vereins mit 306 Mitgliedern und 14 Fußball-Teams. Das scheint Erfolg zu haben, obwohl Sportdezernent Rainer Benien zum Thema Viktoria in einem RP-Interview vor einigen Wochen noch gesagt hat: „Es bringt nichts, Hoffnungen zu wecken.“

Ein Umzug ins Auestadion käme für den Verein, so Kellendonk, nicht infrage, weil dort nicht genügend Kapazität für Training und Spiele vorhanden sei. In der Vorzeige-Sportstätte der Stadt sind schon die Leichtathleten des Weseler TV sowie die Fußballer des Weseler SV und der aus dem WSV und dem SuS Nord bestehenden Jugend-Spiel-Gemeinschaft Wesel aktiv. Das Training der Kicker findet fast nur auf dem Ascheplatz, der bald in ein Kunstrasenfeld umgewandelt werden soll, statt. Den Rasen im Stadion dürfen die Fußballer nach Absprache mit den Leichtathleten nur ein- bis zweimal die Woche für den Übungsbetrieb nutzen. „Dort wäre einfach nicht genug Platz für uns“, sagte Viktoria-Jugendleiter Werner Bohm.

Er verwies stolz darauf, dass die Viktoria neun Jugend-Teams habe und in allen Altersklassen vertreten sei. Diese Nachwuchsarbeit wäre in der Aue gefährdet. Generell sträubt sich die Viktoria nicht dagegen, auf eine andere Anlage umzuziehen, auch wenn sie am liebsten weiter im Lippestadion auflaufen würde. „Wir würden sofort zum PSV an den Molkereiweg wechseln. Da wäre ausreichend Platz“, sagte Klaus-Jürgen Ziegler, Geschäftsführer der Jugend-Abteilung. Der Verein kann sich aber auch vorstellen, dass WSV und SuS Nord ins Lippestadion wechseln, wenn es der Plan beim Sportentwicklungsplan sei, die Kräfte im Fußball zu bündeln.

So sehr die SPD den Club beim Kampf, das Lippestadion nicht verlassen zu müssen unterstützt, so eindeutig erteilte sie dem Wunsch der Viktoria, möglichst schnell einen Kunstrasenplatz zu erhalten, eine Absage. Zunächst soll im Aue­stadion ein Kunstrasen errichtet werden, dann zwei Felder beim PSV gebaut werden. „Die entsprechenden Gelder wurden im Haushalt eingestellt. Es wird keinen Weg mehr geben, das umzudrehen“, sagte Hovest. Die Viktoria befürchtet ein „Ausbluten“ ihrer Jugend-Abteilung, wenn andere Clubs der Stadt „den Wettbewerbsvorteil Kunstrasen“ hätten. Doch der Verein wird sich in Geduld üben müssen. „Erst ab 2022 werden die Karten bei der Finanzierung weiterer Kunstrasenplätze neu gemischt“, sagte Hovest.

In diesem Punkt will sich die SPD daran halten, was im Sportentwicklungsplan vorgesehen ist. Beim Thema Viktoria nicht, obwohl auch sie das Papier in Rat und Sportausschuss abgenickt hat. „Wir sind nicht sklavisch daran gebunden, was sich ein Gutachter von außer­halb vorstellt“, so Hovest. Auf die Frage, ob man sich die Kosten für den Sportentwicklungsplan dann nicht hätte sparen können, antwortete der SPD-Chef: „Da würde ich nicht widersprechen.“