1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel
  4. Sport

Niederrhein: Fußball-Klubs fordern Verbands-Beschluss nach Lockdown-Verlängerung

Fußball : Trainer fordern klare Verbands-Beschlüsse

Nach der Lockdown-Verlängerung sind die Spielpläne kaum noch einzuhalten. Einige Verantwortliche fordern sogar einen Saisonabbruch.

Für den 28. Februar ist im Terminkalender der Fußball-Landesliga, Gruppe zwei, laut Spielplan des Verbandes immer noch das Verfolger-Duell zwischen dem PSV Wesel und Blau-Weiß Dingden angesetzt. Doch mittlerweile ist klar: Dieses Derby wird auf keinen Fall Ende Februar stattfinden.

Zum einen hat der Fußball-Verband Niederrhein (FVN) durch seinen Spielausschuss-Vorsitzenden Wolfgang Jades klargestellt, dass die Ligen zumindest ab der Landesliga abwärts nicht nach dem vor der Saison erstellten Spielplan, sondern chronologisch in der Reihenfolge seit der Unterbrechung vom 8. November fortgesetzt werden.

Zum anderen aber steht nach der jüngsten Verlängerung des aktuellen Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie bis zum 31. Januar noch in den Sternen, wie und wann es überhaupt mit dem Amateursport generell weitergehen soll.

„Die Situation ist für alle nicht zufriedenstellend. Aber wir müssen auch weiterhin einsehen, dass der fehlende Fußball gerade nicht das größte Problem in der Welt ist“, sagt PSV-Trainer Björn Assfelder. „Natürlich wollen alle loslegen. Aber wenn es nicht geht, dann geht es nicht.“ Wichtig sind für ihn vor allem zwei Dinge: „Irgendwann eine klare Regelung zu haben, ob nun nur noch die Hinrunde zu Ende gespielt wird oder so viele Spiele wie möglich bis in den Juni hinein und dann die Quotienten-Regelung greift oder vielleicht sogar Auf- und Abstiegsrelegationen ausgetragen werden. Aber im April oder Mai sollte man nicht mit neuen Regelungen, wie die Saison zu Ende gebracht werden soll, um die Ecke kommen.“

Zudem fordert Assfelder mindestens vier Wochen Vorbereitung: „Und eigentlich müssten es wegen der Belastungssteuerung sogar sechs Wochen sein. Man kann ja nicht mit Vollgas anfangen und muss sich auch klar machen, was die drohenden Verletzungen nach so einer langen Wettkampfpause für den einen oder anderen Spieler auch beruflich für Folgen haben könnten. Selbst wenn die Leute jetzt regelmäßig Laufen gehen, was ja auch nicht alle machen: Training und Wettkampf sind nicht zu vergleichen.“

BWD-Coach Dirk Juch sagt: „Wir können nur unseren bescheidenen Teil dazu beitragen, dass die Infektionszahlen nicht noch weiter steigen. Wie die Saison irgendwann weitergehen soll, steht und fällt natürlich damit, wann wir überhaupt wieder trainieren dürfen. Wenn es die Zeit noch erlaubt, mehr als nur die Hinrunde zu beenden, würde ich mir eine Auf- und Abstiegsrelegation wünschen. Das hätte seinen Reiz. Und das würde ich auch sagen, wenn wir aktuell Zehnter und nicht Zweiter wären“, so Juch. „Es ist zudem viel realistischer, dann nur noch sechs anstatt noch einmal 13 Spiele für eine Halbserie zu absolvieren. Zudem wäre es fairer, weil zuvor jeder einmal gegen jeden gespielt hat, nicht wie bei einer Quotienten-Regelung mitten in der Rückrunde.“

Auch Michael Tyrann, Trainer des Bezirksligisten Hamminkelner SV, sieht Probleme. „Ich halte Kontakt mit der Mannschaft und die Jungs sich auch fit. Aber man muss schon sagen, dass das alles immer schwieriger wird, zumal jetzt ja auch noch die Saisonplanung für die kommende Spielzeit in die heiße Phase gehen sollte.“

Zudem glaubt er nicht daran, dass der Verband trotz der Option, bis Ende Juni spielen zu lassen, die Amateure auch so lange auf die Plätze bitten wird. „Am 11. Juni beginnt die Europameisterschaft, dann wird kein Amateurfußball mehr angesetzt sein. Das kann ich mir zumindest nicht vorstellen“, so Tyrann. „Wir in der Bezirksliga sollten zusehen, dass wir die Hinrunde mit jeweils sechs bis acht Spielen noch ordentlich über die Bühne bekommen. Das sind noch genügend Möglichkeiten, um Punkte zu holen. Wenn man danach unter dem Strich steht, dann ist das eben so. Zudem haben wir ja auch noch Pokalspiele.“

Die Liga nach der Hinrunde in eine Auf- und Abstiegsgruppe zu unterteilen, war von Beginn an der Plan in der 20 Mannschaften umfassenden Kreisliga A Rees/Bocholt. „Realistisch betrachtet fangen wir nicht vor Mitte bis Ende März an. Dann würde es damit schon eng“, so Christian Stanik, Vorsitzender des Fußballausschusses. „Wir warten jetzt aber erst einmal die Videokonferenzen mit dem Verbands-Fußballausschuss ab und werden dann die Vereine im Kreis kontaktieren.“

Die Entscheidung den Corona-Lockdown bis zum 31. Januar zu verlängern, ist vor allem ein Problem für die Oberliga-Teams. Um eine Wertung zu erzielen, müssen 50 Prozent der Spiele gespielt worden sein. Für den TV Jahn Hiesfeld wären das 22 Begegnungen. Neun davon haben die „Veilchen“ aber erst absolviert.

„Das ist ein sehr schwieriges Thema“, sagt Marcus Behnert. Der Hiesfelder Coach wünscht sich vom Fußball-Verband eine „klare Kante“, denn aus seiner Sicht ist der 1. März der spätmöglichste Zeitpunkt, um wieder in den Trainingsbetrieb einzusteigen. „Ich fände vier Wochen Vorbereitungszeit nach dann fünf Monaten Pause schon sehr wenig, aber dann müssten wir starten, um im April die Meisterschaft fortzusetzen.“

Dabei verweist Behnert auf einen normalen Trainingsbetrieb mit Vollkontakt und ohne Einschränkungen. Schließlich sollen die Mannschaften in der kurzen Vorbereitungszeit so nah wie möglich am Wettkampfniveau trainieren.

Auch wenn der TV Jahn, der auf dem 21. Platz steht, nicht wirklich in einer komfortablen Situation befindet, würde Behnert die Saison schon gerne zu Ende spielen – oder zumindest eine Halbserie. Auf der anderen Seite ist der Coach aber auch Realist. „Corona wird uns auch im April und später noch beschäftigen. Auch da könnten dann noch Spiele ausfallen. Es wäre wahrscheinlich das Schlaueste, die Saison zu annullieren, im Mai wieder mit Freundschaftsspielen anzufangen und dann eine vernünftige Saison ab Juli oder August zu beginnen.“

Andere Spielklasse, gleiche Meinung von Julian Schubert, der den SuS 09 Dinslaken in der Bezirksliga betreut. Die Gruppe besteht nur aus 15 Mannschaften und hätte es deutlich leichter, eine Halbserie zu Ende zu bringen. Für wirklich sinnvoll hält Schubert das aber nicht: „Davon halte ich überhaupt nichts. Ich würde gerne eine ganze Saison spielen. Wenn es nach mir geht, dann sollte die Saison jetzt abgebrochen werden und die neue Spielzeit regulär im Juli oder August starten. Ich weiß auch nicht, wer in dieser Zeit jetzt vernünftig und konkurrenzfähig Fußball spielen lassen möchte.“

In der Parallelgruppe sieht das Dirk Lotz, Trainer der SV 08/29 Friedrichsfeld, ganz ähnlich. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es überhaupt vor Ostern weitergehen könnte. Für mich wäre es in der aktuellen Situation einfach das Sinnvollste, die Saison frühzeitig abzubrechen und erst im Sommer wieder bei Null anzufangen. Dann hätten wir wenigstens eine Planungssicherheit. So hängen alle nur unnötig in der Luft – Spieler, Trainer und Funktionäre“, sagt der 08/29-Coach.

Die Spielzeit auf Biegen und Brechen bis zu einer möglichen Wertung durchzuziehen, sei für ihn keine Option. „So macht das doch alles keinen Spaß“, sagt Dirk Lotz, gibt aber auch zu: „Vielleicht würde ich das etwas anders sehen, wenn wir nicht so schlecht gestartet wären.“ Die Friedrichsfelder wollten eigentlich oben mitspielen, stehen nach sieben Zählern aus sieben Spielen aber auf einem enttäuschenden zwölften Rang.