Lokalsport: Nico Hülkenberg und "das schwarze Biest"

Lokalsport : Nico Hülkenberg und "das schwarze Biest"

Formel 1: Der Emmericher enthüllt in London seinen neuen Dienstwagen. Der viermalige Weltmeister Alain Prost berät jetzt Renault.

Nico Hülkenberg grinste über das ganze Gesicht, als er gestern Nachmittag im flackernden Scheinwerferlicht und zu dröhnenden Gitarrenriffs in London die Bühne betrat und gemeinsam mit seinem Teamkollegen Jolyon Palmer seinen Formel-1-Dienstwagen für die am 26. März beginnende Saison enthüllte. "Das Auto sieht schon aus wie ein schwarzes Biest, ich dagegen eher wie Biene Maja", sagte der Emmericher am Mikrofon mit Blick auf seinen schwarz-gelben Rennoverall.

Mit dem Renault RS.17, breit, stark und schwarz, will Nico Hülkenberg als neuer Nummer-1-Fahrer des französischen Teams in der WM 2017 das erreichen, was ihm in seiner Karriere bisher versagt geblieben ist: einen Podestplatz. Der 29-Jährige selbst bleibt vorerst aber ebenso bescheiden wie das gesamte Team, das den WM-Titel 2020 als Ziel anpeilt. "Ich sehe es als langfristiges Projekt, in dem 2017 noch ein Aufbaujahr ist", sagte Hülkenberg, der für sich selbst aber doch "auf ein paar Punkte hier und da" hofft.

Vorne, dort, wo seiner Meinung nach erneut bei Mercedes und Red Bull "die Musik spielt", sieht Hülkenberg seinen neuen Arbeitgeber noch nicht: "Das Auto sieht toll aus, aber wir müssen erstmal konzentriert bleiben und unseren Job machen."

Er selbst hat seinen Job bisher vor allem beim Fitness-Training gemacht. Der Emmericher mit Wohnsitz Monaco ist wie alle Formel-1-Fahrer eher schmächtig, doch seine Nackenmuskulatur lässt die Fliehkräfte der neuen Autos erahnen, deren Höchstgeschwindigkeit in den Kurven um bis zu 40 Stundenkilometer über der bisherigen liegt. "Da muss man natürlich seine Hausaufgaben sorgfältig erledigen", sagte Hülkenberg. Er hat es in den vergangenen Wochen getan.

Als Berater wird Renault auf dem geplanten Weg zum WM-Titel 2020 unter anderem ein Mann helfen, der in der Szene wahrlich kein Unbekannter ist: Alain Prost. Der viermalige Weltmeister sah sich fast ein wenig in seine eigene ruhmreiche Vergangenheit zurückversetzt. Die breiteren Reifen des Autos, das wuchtigere Chassis, das alles ließ Prost ins Schwärmen geraten. "Wir dürfen von der Saison einiges erwarten und hoffen vor allem, dass die Formel 1 auch wieder junge Leute anzieht", sagte Prost.

"2016 war ein Lehr- und Entwicklungsjahr für uns", sagte Renault-Renndirektor Jerome Stoll: "2017 muss und wird dieses Auto liefern." Dennoch hält man sich bei Hülkenbergs neuem Arbeitgeber mit allzu forschen Prognosen betont zurück: "Unser Ziel ist der fünfte Platz in der Konstrukteurswertung." Hinter Mercedes, Red Bull, Ferrari und Force India, dem bisherigen Rennstall von Nico Hülkenberg.

Den Emmericher lobt vor allem Sportdirektor Cyril Abiteboul, der nach der überraschenden Trennung von Teamchef Frederic Vasseur wohl dessen Job an der Boxenmauer übernehmen wird, in den höchsten Tönen. "Er ist ein toller Fahrer, und er hat sehr starke Anführer-Qualitäten", sagte Abiteboul. Vor allem Hülkenberg habe Force India sein "tolles Jahr 2016 zu verdanken".

Nico Hülkenberg steht allerdings in der Saison 2017 durchaus ein wenig unter dem Druck, die Vorschusslorbeeren der vergangenen Jahre endlich auch rechtfertigen zu müssen. Er gilt als großes Talent, seit er 2010 im Williams seine erste Formel-1-Saison bestritten hat, zwischenzeitlich wurde er sogar als ernsthafter Anwärter auf ein Ferrari-Cockpit gehandelt. Dennoch schaffte er es in seinen bisher 115 Grand Prix noch kein einziges Mal auf das Podest - eine Statistik, die er 2017 definitiv korrigieren will. Und schließlich hat der Emmericher nie einen Hehl daraus gemacht, welch großes Ziel er hat. Der 29-Jährige hat immer wieder erklärt, dass er einmal Weltmeister werden möchte. Nico Hülkenberg und Renault haben eine Menge vor in den nächsten Jahren.

(sid)
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