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Lokalsport: Nico Hülkenberg soll Renault zurück an die Spitze bringen

Lokalsport : Nico Hülkenberg soll Renault zurück an die Spitze bringen

Der Emmericher ist der Hoffnungsträger beim französischen Rennstall, der spätestens 2020 wieder Titel in der Königsklasse des Motorsports gewinnen will. 2017 sieht der 29-Jährige als Aufbaujahr an.

Nico Hülkenberg betritt in mehrfacher Hinsicht Neuland, wenn die Saison in der Formel 1 am kommenden Wochenende in Melbourne eröffnet wird. Und das liegt nicht nur daran, dass es erhebliche Regeländerungen gegeben hat, die dafür sorgen könnten, dass die Karten in der Königsklasse des Motorsports, in der Mercedes in den vergangenen Jahren dominierte, ganz neu gemischt werden. Der 29 Jahre alte Emmericher startet nach seinem Wechsel von Force India zu Renault zum ersten Mal in seiner Karriere für einen Werksstall. Er ist zudem der erste deutsche Pilot, der bei Renault am Steuer sitzt.

Lokalsport: Nico Hülkenberg soll Renault zurück an die Spitze bringen
Foto: Renault Sport Formula One Team

Und er steht, was ein ungewohntes Gefühl für Nico Hülkenberg ist, jetzt bei einem Arbeitgeber unter Vertrag, der unmissverständlich den Gewinn der Weltmeisterschaft als Ziel ausgegeben hat. Spätestens 2020 will Renault wieder an einstige Glanzzeiten anknüpfen. 2005 und 2006 sicherten sich die Franzosen die Konstrukteurswertung und ihr damaliger spanischer Spitzenpilot Fernando Alonso die Fahrer-Weltmeisterschaft.

Nico Hülkenberg, der als ausgesprochener Teamplayer und akribischer Arbeiter gilt, soll ein entscheidender Faktor auf dem Weg zurück an die Spitze sein. Er genießt spätestens nach seinem Erfolg mit Porsche beim legendären 24-Stunden-Rennen in Le Mans nicht nur im Fahrerlager ein hohes Ansehen. Fernando Alonso, in dessen Fußstapfen Nico Hülkenberg bei Renault jetzt treten soll, hält den Emmericher gar für einen der besten drei Piloten im Feld. Und sein neuer Arbeitgeber lobt den 29-Jährigen in den höchsten Tönen. "Er ist ein toller Fahrer und hat sehr starke Anführer-Qualitäten", sagt Renault-Sportdirektor Cyril Abiteboul.

Hülkenberg hat immer noch einen Traum. Er macht seit Jahren keinen Hehl daraus, dass es sein großes Ziel ist, "einmal Weltmeister zu werden". Jetzt hofft er, dass ihn sein neues Team an die Spitze kapitulieren kann. Schließlich kann Renault als Hersteller auf erheblich mehr Manpower und finanzielle Mittel setzen als Hülkenbergs vorheriger Arbeitgeber Force India, der zeitweise erhebliche wirtschaftliche Probleme hatte. Da war nicht mehr drin als Mittelmaß für den Emmericher, der es in 115 Rennen in der Formel 1 bislang noch nicht aufs Siegerpodest geschafft hat.

Das soll sich ändern. "Renault gehört zu den Großen in der Formel 1", sagt Hülkenberg. "Meine Begeisterung für den Rennsport hat ein Pilot geweckt, der 1995 mit einem Renault-Motor Weltmeister wurde: Michael Schumacher. Das macht mein Engagement für Renault zu etwas ganz Speziellem."

Nico Hülkenberg ist allerdings Realist genug, um zu wissen, dass trotz aller Neuerungen in dieser Saison noch keine Wunderdinge von Renault erwartet werden können. Das zeigte sich bei den Testfahrten in Barcelona. Der Emmerich erklärte dort zwar, dass man "erst in Melbourne genau sehen kann, wo wir stehen". Doch er hält sich beim Thema Saisonziel diskret zurück, während Renault-Präsident Jerome Stoll Platz fünf in der Konstrukteurswertung für möglich hält. Das wäre indes ein gewaltiger Sprung für einen Rennstall, der die vergangene Saison mit gerade einmal acht Punkten auf dem Konto auf Rang neun abgeschlossen hat.

Nico Hülkenberg sieht 2017 vielmehr als Aufbaujahr für Renault an, in dem er den Projektleiter spielen will. "Es ist wie bei einem Lederschuh, den man einläuft. Es wird immer bequemer. Wir haben Runde für Runde, Run für Run mehr über das Auto gelernt", sagt Hülkenberg nach den Testfahrten auf dem Circuit de Catalunya in Barcelona. Er wünscht sich für die Saison, dass Renault regelmäßig in die Punkte fährt "und für ein paar Überraschungen sorgt".

Was genau möglich ist, wird sich mit Sicherheit am Wochenende herausstellen, wenn alle Teams zeigen müssen, was wirklich in ihren Boliden steckt. Dann gilt's für Renault.

In einer Hinsicht ist der Emmericher bestens für die Saison in Form. Er hat sich so intensiv wie nie zuvor vorbereitet, weil er weiß, dass die neuen und besonders in den Kurven erheblichen schnelleren Autos den Fahrern eine Menge abverlangen werden. "Es ist keine Kaffeefahrt mehr wie früher. Ich würde sagen, es ist wie in einer sehr schnellen Achterbahn. Man muss mit den Autos ringen", sagt Hülkenberg in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost. Der Emmericher hat darauf reagiert und Zusatzschichten beim Krafttraining eingelegt. "Ich will bereit sein", sagt der 29-Jährige. Bereit dafür, in diesem Jahr vielleicht ein Stückchen näher an sein großes Ziel zu kommen, einmal Weltmeister zu werden.

(RP)