MTV Dinslaken: Interview mit Handballer Fabian Gorris aus Wesel

Handball : „Es war genau die richtige Entscheidung“

Fabian Gorris hat den Wechsel von der HSG Wesel zum Regionalligisten MTV Dinslaken nicht bereut. Im Interview spricht er über die Ereignisse bei seinem neuen Verein, aber auch über seinen langjährigen Club.

Zwei Minuten sind im Top-Spiel der Handball-Regionalliga zwischen der SG Ratingen und dem MTV Rheinwacht Dinslaken noch zu spielen, als Fabian Gorris nach einem erweiterten Gegenstoß den Ball an der gegnerischen Neunmeterlinie erhält. Die Ratinger Abwehr ist schon dabei, sich wieder zu formieren, aber der Weseler in Dinslakener Diensten zieht nach kurzem Zögern überraschend doch noch ab und überwindet Petre Angelov im Tor des Gastgebers mit einem Aufsetzer. „Zum Glück ist der Ball reingegangen“, sagt Gorris im Rückblick. Der Rückraumspieler hat gut lachen, denn sein Treffer brachte dem Tabellenführer MTV Dinslaken den 23:22-Erfolg beim großen Aufstiegsfavoriten. Damit baute der Neuling, der überraschend an der Spitze steht, seinen Vorsprung vor den Verfolgern aus.

Den Schritt, die HSG Wesel im vergangenen Sommer in Richtung MTV Rheinwacht Dinslaken zu verlassen, haben Sie sicherlich noch nicht bereut, oder?

Gorris Im Gegenteil, das war genau die richtige Entscheidung. Ich bin mit der Hoffnung zum MTV gegangen, dass wir in dieser Liga mit einigen Mannschaften auf Augenhöhe agieren können. Aber dass wir Gegner wie Ratingen schlagen können, hätte ich im Traum nicht für möglich gehalten.

Wie erklärt sich denn der große Erfolg aus ihrer Sicht?

Gorris Es ist sicher so, dass wir nahezu gleichwertige Leute auf der Bank sitzen haben und eigentlich immer ohne Qualitätsverlust frische Spieler bringen können. Auch der Trainer spielt eine große Rolle. Harald Jakobs packt die Mannschaft genau richtig an. Und wir trainieren gut. Den Faktor Glück darf man aber auch nicht vernachlässigen. Wir haben viele Spiele nur knapp gewonnen. Auch in Ratingen haben wir im Angriff aus meiner Sicht überhaupt kein gutes Spiel gemacht. Wir waren viel zu nervös.

Mittlerweile läuft es für Sie richtig gut. Sie stehen fast immer im Anfangsteam, übernehmen im Angriff auf der Mitte eine wichtige Rolle. Täuscht der Eindruck, dass Sie ein wenig Anlaufzeit gebraucht haben?

Gorris Ja, ich habe schon acht bis zehn Spiele gebraucht, um mich an das höhere Niveau und das schnellere Spiel zu gewöhnen. Jetzt läuft es gut. Aber man darf nicht vergessen, dass ich fast immer nur im Angriff spiele und in der Deckung Zeit bekomme, um mich zu erholen. Das ist mein nächstes Ziel: ein besserer Deckungsspieler werden, um der Mannschaft auch hinten helfen zu können.

Sie verfolgen aufmerksam die Geschehnisse rund um ihre alte Mannschaft bei der HSG Wesel, die nach dem Oberliga-Abstieg auch in der Verbandsliga um den Klassenerhalt bangt. Haben Sie da eigentlich manchmal ein schlechtes Gewissen?

Gorris Nein, das nicht, aber es tut mir schon ein bisschen leid. Die HSG hat mit Jan Mittelsdorf einen richtig guten Trainer bekommen, der jetzt allerdings einen kompletten Umbruch vornehmen muss. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass die Mannschaft in dieser Saison die Verbandsliga hält und der Neuaufbau dann gelingt. Das braucht natürlich Zeit.

Können Sie sich denn vorstellen, irgendwann noch einmal das Trikot der HSG Wesel zu tragen?

Gorris Wieso nicht? Erst einmal möchte ich natürlich noch so lange wie möglich hoch spielen. Wer weiß, wohin uns der Weg mit dem MTV Dinslaken noch führt? Aber wenn die Zeit irgendwann vielleicht nicht mehr da ist oder der Körper nicht mehr so ganz mitspielt, kann ich mir gut vorstellen, noch einmal zur HSG Wesel zurückzukehren.

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