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Lokalsport: Martin Stroetzel und die Erfolgsgeschichte SVS

Lokalsport : Martin Stroetzel und die Erfolgsgeschichte SVS

Der Coach führte den SV Schermbeck in die NRW-Liga. Derzeit ist er ohne Trainerjob und drückt seinem Ex-Team auf der Tribüne die Daumen.

Im schnelllebigen Fußballgeschäft wechseln Trainer oft schneller, als es der geneigte Fan glauben kann. Typen wie Martin Stroetzel sind da die Ausnahme. 1998 war er erstmals als Spielertrainer für den SV Schermbeck im Einsatz. Erst knapp 15 Jahre später quittierte er seinen Dienst bei den Rot-Weißen. 15 Jahre, in denen er den Verein von der Bezirksliga in die NRW-Liga führte. In denen er Höhen und Tiefen erlebte und auch die Infrastruktur auf der Anlage entscheidend mitbeeinflusste.

"Wir haben in diesen Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die einmalig ist", sagt Martin Stroetzel. Für Stroetzel, der in Gelsenkirchen geboren wurde, aber seit vielen Jahren in Schermbeck lebt, ist der Verein eine Herzensangelegenheit. Genauso wie der Fußball. Er selbst hat früher in der Regionalliga gekickt, unter anderem für Bocholt und Katernberg. Beim SV Schermbeck hat der Finanzbeamte seine Spieler-Karriere ausklingen lassen. Ein Leben ohne Fußball ist für ihn eigentlich kaum vorstellbar.

Dabei ist Martin Stroetzel aktuell auf Entzug. Nach seinem Engagement in Schermbeck wechselte er im Januar 2013 zum DSC Wanne-Eickel. Im vergangenen Sommer war Schluss, seitdem ist der 52-Jährige vereinslos. Fußballfrei hat er aber nicht. "Ich genieße es, jetzt auch einmal Spiele des SV Schermbeck als Zuschauer zu erleben", sagt Stroetzel.

Bevor der einstige Angreifer das Traineramt in Schermbeck übernahm, galt der Verein als ewiger Zweiter in der Bezirksliga. Schon in seinem zweiten Jahr als Coach gelang der langersehnte Aufstieg in die Landesliga. "Das, was ich den Jungs mitgegeben habe, haben sie geschluckt. So konnte ich die Mannschaft zum Erfolg pushen", sagt Stroetzel. Auf dem Platz ist er ein harter Hund. Typ Felix Magath, der seinen Spielern alles abverlangt. Er ist aber auch ein Kumpeltyp. "Nach den Spielen haben wir gerne ein paar Bier zusammen getrunken. Der Zusammenhalt in der Mannschaft war mir immer wichtig."

Martin Stroetzel ist ein Typ, der anpackt. Der für den Erfolg alles tut, sein Umfeld mitreißen will. So lässt sich auch erklären, dass seine Mannschaft von der Landesliga direkt in die Verbandsliga durchmarschierte. Das Aufstiegsendspiel gegen SuS Neuenkirchen (1:0) wird er nie vergessen. "Zu Hause vor 1500 Zuschauern zu spielen, war toll. Und dann machen wir in der 92. Minute das entscheidende Tor zum Aufstieg. Da gab es natürlich kein Halten mehr und alle stürmten auf den Rasen", erinnert sich der Mann mit dem strammen Schuss.

Bis dahin standen noch viele Schermbecker im Kader. Das ganze Dorf feierte den Aufstieg. Und mit dem sportlichen Erfolg entwickelt sich auch die Infrastruktur am Waldsportplatz stetig weiter. Sinnbild dafür: die Umgestaltung der Kabinen. Als Martin Stroetzel sein Amt 1998 antrat, gab es zwei Kabinen, die jeweils drei große Gitterboxen enthielten. Nacheinander konnten die Mannschaften sich dort umziehen und ihre Kleidung anschließend in die Boxen einschließen. Komfort? Fehlanzeige! Und wenn der Trainer seine Spieler zu Bezirksligazeiten in der Halbzeit zum Aufwärmen schicken wollte, waren die oft anderweitig eingespannt. "Einer hat mit dem Bollerwagen Getränke verkauft, der andere stand am Grill und der Dritte hat einen Frühstückskorb vom Sponsor verlost", erinnert sich Stroetzel an alte Zeiten.

Wenn der Ex-Coach heute auf die Anlage mit Rasen- und Kunstrasenplatz, Vereinsheim und Bewässerungsanlage kommt, hat er die alten Bilder vor Augen. "Damals haben alle mit angepackt. Alles, was wir selbst machen konnten, haben wir selbst gemacht", sagt Martin Stroetzel. Randsteine wurden verlegt, die örtlichen Fliesenleger haben ebenso mit angepackt wie der Bauunternehmer. So ist aus einer Bezirkssportanlage ein Fußballstadion geworden, in dem der SV Schermbeck seine NRW-Liga-Spiele austragen durfte.

Dorthin ging es für die Schermbecker zwei Jahre nach dem Aufstieg in die Verbandsliga. Plötzlich hießen die Gegner Preußen Münster oder FC Schalke 04 II. Die Schalker Reserve kam mit Ralf Fährmann im Tor - und fuhr mit fünf Gegentoren im Gepäck wieder nach Hause. "Da haben wir Bauernknüppel, die Fußball gespielt haben, den Lackschuh-Fußballern die Grenzen aufgezeigt", sagt Stroetzel und schmunzelt.

In drei Jahren Oberliga waren die Schermbecker immer der Underdog. Und als es dann doch einmal nicht zum Klassenerhalt reichte? Da haben sie trotzdem gefeiert. "Wir kamen vom Abstiegs-Endspiel in Rheine zurück, alle waren enttäuscht. Dann sind wir ins Vereinslokal gefahren und haben es so richtig krachen lassen", sagt Martin Stroetzel. Nach dem Abstieg kannte der Coach nur noch eine Devise: "Attacke! Wir wollten wieder aufsteigen."

Und das gelang. Schermbeck kehrte zurück in die Oberliga, wurde dort Sechster und schaffte so den Sprung in die neu gegründete, kurzlebige NRW-Liga. Wieder war der Underdog auf der Erfolgswelle unterwegs und hielt sich in der Klasse. Dann kam wieder die Oberliga, im Sommer 2013 folgte der Abstieg. Schon nicht mehr mit Stroetzel, der im Winter zum DSC Wanne-Eickel gewechselt war.

Von seiner "Von Rot zu Grün"- Kampagne, die dem SV Schermbeck einst den Kunstrasenplatz garantierte, profitiert der Verein noch heute. Wieder kickt der SVS in der Oberliga. Martin Stroetzel pausiert aktuell. Aber dass er an die Seitenlinie zurückkehrt, dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Solange wird er immer wieder seinen SV Schermbeck besuchen. Zum Zuschauen und mitfiebern. Denn in all den Jahren ist eine tiefe Verbundenheit mit dem Verein und den Menschen aus Schermbeck entstanden.

Eine Verbundenheit, wie sie nur der Sport schaffen kann.

(RP)