Marek Klimczok ist für den SV Schermbeck sehr wichtig

Fussball : Der ewige Marek Klimczok

Auch mit beinahe 40 Jahren ist der gebürtige Pole ein unverzichtbarer Bestandteil im Team des Oberligisten SV Schermbeck. Mit seiner Erfahrung ist er gerade auch für jüngere Akteure eine große Unterstützung.

Über Fußball redet der Mann zurzeit nicht so gern. Als Pole leidet Marek Klimczok natürlich mit der Auswahl seines Geburtslandes, die sich deutlich vor der Zeit von der Weltmeisterschaft verabschiedete. Der Mittelfeldspieler des SV Schermbeck ist erschüttert über das Auftreten seiner kickenden Landsleute in Russland. „Ich bin voll enttäuscht über das, was die Mannschaft da geboten hat und möchte eigentlich gar nicht mehr darüber reden”, sagt Klimczok, um dann doch zu analysieren, dass der polnische Coach nur „nach Namen, nicht aber nach Leistung nominiert” habe. Das Resultat sei insofern fast logisch gewesen.

Natürlich hat Klimczok nach dem Aus der Polen auch noch der DFB-Elf die Daumen gedrückt. Schließlich hat er selbst in seiner Wahlheimat Deutschland sein Glück gemacht. Vor allem in fußballerischer Hinsicht. Vor wenigen Wochen nämlich war die Gemütslage des 39-jährigen Vollblutkickers eine ganz andere. Da feierte er gemeinsam mit seinen Teamkollegen den Sprung des SV Schermbeck in die Oberliga. In der Aufstiegsrelegation hatte der SVS den Gegner DSC Wanne-Eickel mit 3:2 nach Verlängerung bezwungen. Es war eine Hitzeschlacht, in der beide Teams bis an ihr Leistungslimit gehen mussten – und darüber hinaus. Als der Schlusspfiff schließlich ertönte, explodierte der Jubel der Schermbecker. „Auch wenn das schon mein zweites Aufstiegserlebnis war”, so Klimczok, „war es diesmal irgendwie noch größer.”

Wohl auch, weil zwischenzeitlich kaum jemand noch einen Pfifferling auf die Mannschaft von Trainer Thomas Falkowski gegeben hatte. Nach ordentlicher Hinrunde war der SVS nur sehr behäbig aus dem zehnwöchigen Winterschlaf erwacht und verlor im Februar die ersten drei Meisterschaftsspiele nach Wiederbeginn. Das Thema Aufstieg – ohnehin für diese Spielzeit nicht auf der Agenda der Schermbecker – war zu diesem Zeitpunkt vom Tisch. „Nach der Mini-Krise und dem Rückstand in der Tabelle“, so Klimczok, „hat uns niemand mehr auf der Rechnung gehabt.”

Selbst die Mannschaft hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Abschlussfahrt nach Mallorca gebucht, weil die Teilnahme an der Relegation im Frühjahr mindestens so weit entfernt war wie Hollands Fußballer von der WM-Qualifikation. Und Marek Klimczok war Teil der fünfköpfigen Mallorca-Delegation, die erst am Tag vor dem entscheidenden Spiel zurückkehrte. „Die 120 Minuten waren dann richtig hart für mich”, so der Pole in Diensten des SVS.

Dabei war Klimczok in der Saison so etwas wie der Dauerbrenner. Er verpasste lediglich zwei Saisonspiele. Und dies nur deshalb, weil er zwei Mal wegen einer Gelb-Roten Karte und der damit verbundenen Sperre zum Pausieren gezwungen war. Darüber hinaus stand er nur ein einziges Mal nicht in der Anfangsformation, spielte die letzten 14 Pflichtspiele allesamt durch. Und das als mit 39 Jahren ältester Akteur seiner Mannschaft. „Der Mann ist topfit”, sagt sein Coach über ihn. „Marek ist in jedem Training ein Vorbild an Fleiß. Der lebt seinen Sport.”

Falkowski, der mit Klimczok erst seit einer Saison zusammenarbeitet, macht keinen Hehl daraus, dass er froh ist, den Oldie, der bereits seit 2011 für den SV Schermbeck kickt, in seinen Reihen zu haben. „Gerade für das Gegenpressing und für das rasche Umschaltspiel nach Balleroberung ist er nahezu unverzichtbar für uns”, so der Coach. Wen wundert es da, dass der Cheftrainer auch in der anstehenden Oberliga-Saison auf die Erfahrung und die Spielkunst seines Führungsspielers vertraut. „Für mich gibt es keine alten oder jungen, sondern nur gute und schlechte Spieler”, sagt Falkowski. Und Klimczok, der sich mit seiner Frau Kornelia und seinen Töchtern Victoria (13) und Vanesa (11) im benachbarten Erle niedergelassen hat, sagt: „Als Routinier weißt du doch, wann du feiern kannst und wann du dich zurückhalten musst.”

Wie anders wäre seine imponierende Karriere, die ihn vor Jahren bis in die Dritte Liga trug, auch zu erklären? Der Mann, der im linken und im zentralen Mittelfeld einsetzbar ist, erzielte in 180 Spielen für den SVS 33 Tore, bereitete 28 vor und ist als Stratege dieser Aufstiegsmannschaft nicht wegzudenken. „Er kann auch jüngere Spieler an die Hand nehmen und laut werden, wenn es mal nicht so läuft”, sagt Falkowski. Stellt sich die Frage, wie lange Klimczok, der sich zweifelsfrei im Herbst seiner Laufbahn befindet, noch kicken will. „Dass weiß ich nicht”, sagt er, „aber solange es noch auf diesem Niveau passt, mache ich weiter.”

Der Oberliga-Saison, die mit der Vorbereitung am 4. Juli beginnt, sieht er gelassen entgegen. „Ich denke, dass wir auch in dieser Liga eine gute Rolle spielen werden”, sagt Klimczok, der hauptberuflich in Wesel in der Lagerlogistik sein Geld verdient. Und er fügt hinzu: „Solch ein gewaltiger Unterschied ist das nicht.” Zudem haben sämtliche Spieler, sofern sie nicht aus der eigenen A-Jugend des SVS zum Kader gestoßen sind, bereits Oberliga-Erfahrung gesammelt. Einziges Manko: Klimczok wird einen Teil der Vorbereitung verpassen, weil er mit seiner Familie für zwei Wochen in den Urlaub fährt. Geht nicht anders bei zwei schulpflichtigen Kindern. „Das muss ich machen”, so der Papa. „Meine Familie hat stets Rücksicht auf den Fußball genommen. Jetzt gebe ich ihr einmal zwei Wochen zurück.”

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