Leichtathletik: Leichtathletik-Fusion in NRW

Leichtathletik : Leichtathletik-Fusion in NRW

Die Leichtathletik-Verbände Nordrhein (LVN) und Westfalen (FLVW) erwägen einen Zusammenschluss. Auf einer gemeinsamen Sitzung im SportCentrum Kamen-Kaiserau wurde eine Arbeitsgruppe beauftragt, ergebnisoffen Chancen und Risiken einer "Ehe" zu prüfen. Bei einer gemeinsamen Präsidiumssitzung beider Verbände im November sollen erste Ergebnisse präsentiert werden.

Einsparung von Ressourcen

"Solche Überlegungen gibt es bei uns schon seit zwei, drei Jahren", sagt LVN-Geschäftsführer Hans-Jürgen Sura, der als Aktiver für die LG Hünxe an den Start geht. Zudem gebe es seit einiger Zeit "sanften Druck" von Seiten der Landespolitik und des LandesSportBundes, in dieser Hinsicht aktiv zu werden, um weiter öffentliche Gelder zu erhalten. "Wir haben damit den Beschluss unserer Tagung der Vorsitzenden der Leichtathletik-Kreise umgesetzt", erläuterte auf der Gegenseite Peter Westermann, Vorsitzender des Leichtathletik-Ausschusses des Verbandes Westfalen, den Vorstoß aus seiner Sicht. "Es geht darum, Ressourcen einzusparen und Kräfte zu bündeln, so dass die Leichtathletik in NRW künftig womöglich nur noch mit einer Stimme spricht", sagt Sura.

Frach: "Gefahr für kleine Vereine"

Kooperationen zwischen beiden Verbänden, die gemeinsam mit den Fußball-Verbänden Niederrhein (FVN) und Mittelrhein (FVM) den Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verband (WFLV) bilden, gibt es bereits auf den Gebieten der Leistungssportförderung, des Breitensports, des Schulsports, des Lehrwesens und auf der Verwaltungsebene.

Ein enger Schulterschluss zwischen den beiden Verbänden vollzieht sich zudem seit Jahren auf der Meisterschaftsebene. Allerdings zeigen sich sowohl die Vertreter des FLVW wie auch die des LVN mit der Entwicklung der Teilnehmerzahlen nicht mehr zufrieden. Anders sehe es in der Straßenlaufszene aus, heißt es, die weiterhin boomt.

Manfred Frach, Leichtathletik-Abteilungsleiter des Weseler TV, betrachtet die Entwicklung mit gemischen Gefühlen. "Es macht sicherlich Sinn, die Kräfte zu bündeln. Doch ich habe ein wenig die Sorge, dass bei einer zu großen Zentralisierung die regionale Förderung von Talenten vernachlässigt wird", sagt Frach. Darunter könnten kleine Vereine leiden. "Clubs, die nicht eine so große Anlage wie wir in Wesel haben, sterben dann weg. Das wäre für die Leichtathletik tödlich", meint Frach.

Jürgen Remke von der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Hünxe, zu der auch die TuS Drevenack gehört, würde eine Fusion begrüßen. "Da die Leichtathletik in der jüngsten Zeit immer mehr zu einer Randsportart geworden ist, weil uns Fußball oder Handball aber auch die sogenannten Funsportarten die Leute wegnehmen, muss etwas unternommen werden. Durch einen Zusammenschluss würden einzelne Klassen oder Disziplinen wie der Hürdenlauf oder der Stabhochsprung auch wieder wettbewerbsfähig. Im Moment gibt es da oft nur eine oder zwei Meldungen, oder die Wettkämpfe fallen sogar aus", so Remke.

(RP/ac)
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