Jens Gosebrink aus Wesel will sich für Ironman auf Hawaii qualifizieren.

Triathlon : Gosebrinks Traum von Hawaii

Beim Frankfurt-Triathlon will sich der 34-jährige Weseler seinen lang gehegten Wunsch, beim legendären Ironman auf der Pazifik-Insel dabei zu sein, erfüllen. Dafür muss er in der Altersklasse M 30 unter die besten Acht kommen.

Der wichtigste Blick für Jens Gosebrink in den kommenden Tagen wird jener auf die Wetter-App seines Smartphones sein. An diesen Daten hängt viel. Vor allem Gosebrinks sportliches Ultimativ-Ziel. Am kommenden Sonntag will sich der Weseler Triathlet bei der Europameisterschaft in Frankfurt für den legendären Ironman am 12. Oktober auf Hawaii qualifizieren. „Ich bin gut drauf, das Training lief anständig, es gab keine Verletzungen oder Krankheiten“, sagt Gosebrink. Schiebt aber nach: „Nur die Hitze macht mir etwas Sorgen.“

Die mag der 34-Jährige, der seit fünf Jahren in Wesel-Schepersfeld wohnt, nicht so sehr. Vor vier Jahren war der gebürtige Duisburger zum letzten Mal in Frankfurt am Start. Mit bitterem Ende. „Es war der heißeste Tag des Jahres. Ich musste bei Laufkilometer 19 aufgeben. Das soll diesmal nicht passieren.“ Das sportliche Ziel über die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen ist klar umrissen. Es geht nur darum, in der Altersklasse M 30 unter den besten acht Männern ins Ziel zu kommen. Dann wäre das Hawaii-Ticket gelöst.

Vor einem Jahr hat es Gosebrink schon einmal versucht. Nach neuneinhalb Stunden Kampf fehlten genau 86 Sekunden für den Hawaii-Start. „Ich habe mich allerdings seit 2018 deutlich verbessert, gerade im Laufen und auf dem Rad“, so Gosebrink. Gemeinsam mit dem Weseler Hawaii-Starter Sascha Hubbert (Triathlon Rheinberg) und einigen Aktiven der LG Alpen hat er viel Zeit und Schweiß investiert. Zwei Schwimm-Einheiten pro Woche, dreimal Laufen, dreimal Radfahren – macht zusammen meist zwölf bis 15 Wochenstunden Training im Rheinbad, im HeubergBad, am Auesee, auf den Rad- und Feldwegen bis Rees, Haldern oder in die Niederlande hinein.

Jens Gosebrink bei einer Lauf-Veranstaltung in Wesel. Foto: Erwin Pottgiesser

Dazu kamen drei Trainingslager – eins auf Lanzarote sowie zwei weitere im Februar und April in Spanien. Das alles zahlte sich zuletzt in guten Ergebnissen aus: Platz eins in Steinfurt, Rang zwei beim Aasee-Triathlon in Bocholt. Der Zweitliga-Triathlet des SC Bayer Uerdingen nahm insgesamt 250 Euro an Preisgeld mit nach Hause.

Ein Start auf Hawaii mit einer Woche Vorlaufzeit, um sich an die hohe Luftfeuchte, die dort im Oktober herrscht, sowie an die Zeitumstellung von zwölf Stunden zu gewöhnen, kostet mindestens 3000 Euro pro Person. Die Bedingungen vor Ort kennt Jens Gosebrink bereits. Zweimal ist er während des Ironman schon dort gewesen. Zuletzt im vergangenen Jahr, als er Timo Schaffeld unterstützte. Der 23-jährige Oberhausener wurde bei seinem Hawaii-Debüt gleich Weltmeister in seiner Altersklasse (18 bis 24 Jahre).

Am Sonntag in Frankfurt wird Gosebrink sein zehntes Rennen über die Langdistanz bestreiten. Im Wasser könnte die Hitze für ihn als starken Schwimmer ein Vorteil werden. Es würde ohne Neoprenanzug gekrault, sollte die Wassertemperatur im Langener Waldsee über 24,5 Grad liegen. Der Körperschutz gegen kaltes Wasser sorgt in der Regel per Luftmatratzen-Effekt für günstigen Auftrieb und weniger Reibung. Das bevorteilt schlechtere Schwimmer. Gerade auch, was den Krafteinsatz betrifft. „Auf 100 Meter ist man mit Neopren durchaus sechs oder sieben Sekunden schneller als ohne“, sagt Gosebrink.

Auf dem Rad und zu Fuß soll die Technik helfen, der Hitze zu trotzen. Nicht nur mit einer profanen Laufkappe, unter der man prima Eiswürfel platzieren kann. Ein Wattmessgerät am Rad dient über 180 Kilometer als Orientierung, um nicht zu schnell in die Pedale zu treten. Gleiches gilt für die Pulsuhr beim abschließenden Marathon. 4:25 Minuten pro Kilometer sind angepeilt. „Viel schneller wird nicht möglich sein, sonst bricht man am Ende schwer ein“, sagt Gosebrink, der eine Gesamtendzeit um die neuneinhalb Stunden anvisiert.

Stimmt dann noch die Platzierung, dürfte sich der Weseler mehr als zehn Jahre nach seinem Triathlon-Debüt in Voerde auf den Wettkampf im Pazifik freuen – auf die Chance des Schwimmens neben Delfinen, aufs Radfahren in einer Mondlandschaft aus erkalteter Lava, auf einen Zieleinlauf unter Palmen mit weltweiter Fernsehpräsenz.

Kampf gegen unwirtliche Elemente: Beim Radfahren gibt es auf Hawaii auch lange Straßenpassagen, die durch erkaltete Lava-Gebiete führen. Bruce Omori dpa. Foto: Bruce Omori

Nicht nur Papa Suitbert Gosebrink, der selbst gern Marathon gelaufen ist, wäre stolz. „Er hat mir am Anfang immer sein Rennrad für die Wettkämpfe geliehen“, so Gosebrink. Zum Triathlon-Profi hat es für den Assistenten der Geschäftsführung in einem Duisburger Unternehmen für Verkehrssicherung nicht gereicht, was dieser jedoch nicht bedauert. „Ich war schlicht nicht gut genug, aber auch über eine Altersklasse kann man mit ein wenig Geduld sein ultimatives Sportziel erreichen“, sagt Gosebrink. Und das lautet eindeutig: über Frankfurt nach Kailua-Kona – Hitze hin oder Hitze her.

Mehr von RP ONLINE