Lokalsport: In der Formel 1 fahren nur noch zwei deutsche Piloten

Lokalsport : In der Formel 1 fahren nur noch zwei deutsche Piloten

Der Emmericher Nico Hülkenberg hatte in seinem Rookie-Jahr in der Formel 1 keine Verständigungsprobleme. Zwar spricht er neben Deutsch auch Englisch und Niederländisch perfekt, aber seine Muttersprache dominierte vor acht Jahren die Boxengasse.

Denn neben Hülkenberg, der in der Saison 2010 für Williams an den Start ging, fuhren noch sechs weitere Deutsche in der Formel 1. Nico Rosberg und Rekord-Weltmeister Michael Schumacher bildeten die Fahrerpaarung bei Mercedes. Nick Heidfeld drehte für Sauber seine Runden, Adrian Sutil stand bei Force India unter Vertrag. Timo Glock versuchte sein Glück bei Virgin Racing, die längst wieder aus der Formel 1 verschwunden sind. Und dann war da noch Sebastian Vettel, der am Ende der Rennsaison seinen ersten von bisher vier Weltmeistertiteln mit Red Bull feierte.

Jetzt, rund acht Jahre später, sind nur noch Vettel und Hülkenberg übriggeblieben. Nachdem unter der Woche Williams als letzter Rennstall seine Fahrerpaarung für die neue Saison bekannt gegeben hat, ist klar, dass für Pascal Wehrlein kein Cockpit mehr frei ist.

Damit wird die "Autofahrer-Nation" Deutschland mit eben so vielen Piloten vertreten sein wie Finnland (Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas). Vor 21 Jahren waren letztmals nur zwei deutsche Piloten in der Königsklasse des Motorsports aktiv: Heinz-Harald Frentzen und Michael Schumacher. Großbritannien - gemessen an Fahrerweltmeisterschaften erfolgreichstes Land in der Geschichte der Formel 1 - wird in diesem Jahr sogar nur von einem Piloten vertreten, dem amtierenden Weltmeister Lewis Hamilton. Derweil hat Cyril Abiteboul, Motorsport-Direktor von Renault, in der "Autosport" noch einmal deutlich gemacht, dass das französische Werksteam den Konkurrenten "um ein Jahrzehnt hinterherhinke". Dies sei eine Folge der fehlenden Investitionen der früheren Eigentümer. Das heutige Renault-Team fungierte in der Formel 1 auch unter den Namen Benetton und Lotus, ehe die Franzosen zur Saison 2016 wieder das Ruder übernahmen. Das Werk in Enstone wurde seitdem personell gewaltig aufgestockt. So standen dort vor zwei Jahren 400 Angestellte auf der Lohnliste, bis Ende des Jahres soll sich diese Zahl auf 700 Personen erhöhen, wie Nick Chester, verantwortlich für das Chassis, erklärt. Mit den Motoren von Renault, die nicht in Enstone sondern im französischen Viry-Châtillon designt und gebaut werden, tritt in dieser Saison auch McLaren an. Der Traditions-Rennstall ist froh, dass nun mehr Power als mit den bisherigen Honda-Antriebseinheiten vorhanden ist. Interessanterweise scheint es aber nicht problemlos zu funktionieren, den Renault-Motor im Chassis unterzubringen. Die Vorbereitungen auf die am 25. März in Australien beginnende Saison laufen aktuell auf den verschiedensten Ebenen ab.

Nach seinem Urlaub in der Karibik hat Hülkenberg nun erste Tests im Simulator absolviert. Zudem wird das Fitnesstraining noch einmal intensiviert. Besonders wichtig dabei: Die Fahrer müssen ihre Nackenmuskulatur entsprechend aufbauen, um den Fliehkräften im Cockpit entgegenwirken zu können. Einige Wochen hat Hülkenberg noch Zeit, bevor es wieder los geht.

(tt)