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Christoph Schlebach: "In allen Bereichen hat etwas gefehlt"

Christoph Schlebach : "In allen Bereichen hat etwas gefehlt"

Der Trainer des SV Schermbeck spricht über die Gründe für den Abstieg aus der Fußball-Oberliga. Er nennt die Positionen, auf denen die Mannschaft verstärkt werden soll, und blickt voraus auf die kommende Spielzeit in der Westfalenliga.

Schermbeck Das Wunder, drei Punkte und ein um 13 Treffer schlechteres Torverhältnis in 90 Minuten aufzuholen, blieb wie erwartet aus. Fußball-Oberligist SV Schermbeck muss nach nur einem Jahr wieder zurück in die Westfalenliga. Ralf Pollmann sprach mit Trainer Christoph Schlebach über die Gründe und die Perspektive für die kommende Saison.

Sie haben immer gesagt, dass es für Ihre Mannschaft nur um den Klassenerhalt geht. Das Ziel hat der SV Schermbeck nicht erreicht. Wie sehr nagt der Abstieg an Ihnen?

Christoph Schlebach Es ist schon enttäuschend, dass wir unser gestecktes Ziel nicht erreicht haben. Dass es eine ganz schwierige Saison werden würde, war mir von vornherein klar. Wir haben es am Ende einfach nicht geschafft, noch mal eine Serie wie zu Beginn der Saison hinzulegen.

Zum Oberliga-Start gab es in sieben ungeschlagenen Spielen 13 Punkte. War das allein der Aufstiegseuphorie geschuldet, während die Mannschaft danach ihr wahres Gesicht gezeigt hat?

Schlebach Teils, teils. Wir haben schon ein wenig von der Euphorie gelebt, aber auch guten Fußball geboten. Hinzu kam noch ein bisschen Glück.

Welche Ursachen sehen Sie für den Abstieg?

Schlebach Ich bin nicht so vermessen, zu sagen, dass nur das Quäntchen Glück ausschlaggebend war. Am Ende einer Saison steht man immer da, wo man es auch verdient hat. Wir haben fast die meisten Gegentreffer kassiert, die wenigsten Siege eingefahren - in allen Bereichen hat uns etwas gefehlt, um die Klasse zu halten. Einer der gravierenden Punkte war die innerhalb von 90 Minuten ausgebliebene Konstanz. Die Unterschiede zwischen den Halbzeiten in einem Spiel waren oft schon sehr eklatant.

Gab es für Sie das eine Spiel, das die Wende zum Negativen gebracht hat - oder fehlte es einfach an der Qualität?

Schlebach An einer Partie will ich das nicht festmachen. Nach der Niederlage in Gütersloh war uns schon bewusst, dass sehr viel für ein Wunder passieren müsste. Von den Sechs-Punkte-Spielen haben wir zu wenige gewonnen. Wenn man nach 34 Partien Vorletzter ist, dann hat es natürlich auch an der Qualität gelegen.

In Tim Dosedal geht der Torjäger und einer der Führungsspieler von Bord. Er wechselt nach Ennepetal. Kann Neuzugang Marc Schröter aus Ennepetal ihn eins zu eins ersetzen?

Schlebach Marc Schröter bringt eine enorme Qualität mit und hat mit elf Oberliga-Treffern bewiesen, dass er torgefährlich sein kann. Der Verlust von Tim Dosedal schmerzt natürlich. Er wird uns nicht nur wegen seiner Qualität, sondern auch als Persönlichkeit fehlen. Aber seine privaten Gründe für einen Wechsel sind nachvollziehbar.

Auf der Torwart-Position haben etliche Beobachter in der letzten Saison eine Schwachstelle ausgemacht. Kann Kai Henkel, bisher zweiter Mann beim Regionalligisten FC Kray, dem SVS mehr Stabilität bringen und zur unumstrittenen Nummer eins werden?

Schlebach Klar ist, dass wir da etwas machen wollten. Wenn man einen Torhüter aus der Regionalliga holt, besitzt er mit Sicherheit Qualität. Das heißt aber nicht, dass Tim Krückemeier abgeschrieben ist. Fakt ist auch: Wir wollen uns in allen Bereichen verbessern.

Auf welchen Positionen besteht denn Ihrer Meinung nach noch Handlungsbedarf für die kommende Saison?

Schlebach In der Innenverteidigung, im offensiven Mittelfeld und im Sturm wollen wir noch etwas machen.

Die Schermbecker A-Jugend spielt ihre beste Saison, ist Dritter der Landesliga. Gibt es da Kandidaten für die erste Mannschaft?

Schlebach Ja, vier Spieler werden zum Kader gehören. Torhüter Jason Rudolph, Außenverteidiger Fabian Kraske, der defensive Mittelfeldakteur Chris Hasselkus und der Defensiv-Allrounder Christoph Springenberg rücken auf.

Für welche Westfalenliga-Gruppe will sich der SV Schermbeck bewerben?

Schlebach Schon vor zwei Jahren haben wir probiert, in die Gruppe zwei zu kommen - aber null Chance gehabt. Immerhin gibt es in der Gruppe eins jetzt mehr Nachbarschaftsduelle.

Absteiger werden häufig als heißer Aufstiegskandidat gehandelt. Sehen Sie den SV Schermbeck auch in dieser Rolle?

Schlebach Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen. Das hängt auch viel von unseren anderen Neuzugängen ab. Ich werde mich aber sicherlich nicht hinstellen und sagen, dass wir nur die Klasse halten oder um Platz zehn mitspielen wollen. Positiv ist, dass die Mannschaft fast komplett zusammenbleibt.

(RP)