Handball: Schwere Saison für den Verbandsligisten HSG Wesel

Handball : Jan Mittelsdorf: „Jetzt befinden wir uns im Abstiegskampf“

Der Coach des Verbandsligisten HSG Wesel ist sicher, dass sein Team realisiert hat, wie heikel die Lage ist. Die Mannschaft muss in den nächsten Begegnungen unbedingt punkten.

Den Sonntagvormittag nutzte Jan Mittelsdorf einmal wieder, um sich eine Partie seines langjährigen Clubs MTV Rheinwacht anzusehen. Der Dinslakener Handball-Regionalligist schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle, steht als Neuling an der Spitze. Sein eigenes Team, die HSG Wesel, ist von einer solchen derzeit ganz weit entfernt. Von den letzten neun Verbandsliga-Begegnungen konnte die HSG nur eine für sich entscheiden. Die letzten vier Spiele gingen allesamt verloren. Im neuen Jahr warten die Weseler, die der Abstiegszone mittlerweile wieder bedrohlich nahe gekommen sind, immer noch auf den ersten Punktgewinn. Timo Kiwitz sprach mit dem Trainer, der sich selbst derzeit wegen einer weiteren Knie-Operation nur mit Gehhilfen fortbewegen darf, über die schwierige Situation.

Nach drei Niederlagen zum Saisonauftakt schien ihre Mannschaft auf einem richtig guten Weg zu sein. Haben Sie selbst damit gerechnet, dass es noch einmal so eng werden könnte?

Jan Mittelsdorf Dass die Bäume für uns nicht in den Himmel wachsen würden, war klar. Mir war immer bewusst, dass es für uns auch wieder weiter nach unten gehen könnte. Ich habe aber schon gehofft, dass wir jetzt ein paar Punkte mehr auf dem Konto haben würden. Mit 14 Punkten, also vier mehr als wir jetzt haben, könnte ich durchaus leben. Das würde unseren Möglichkeiten entsprechen.

Woran liegt es denn, dass es momentan so schlecht läuft?

Mittelsdorf Wenn ich mir die letzten Spiele anschaue, dann fällt auf, dass wir immer wieder mit Höhen und Tiefen agieren. Die Sicherheit ist in vielen Situationen einfach nicht da. Wir mussten aber auch häufig Ausfälle von wichtigen Spielern verkraften und konnten kaum einmal mit der vollen Mannschaft trainieren. Jetzt befinden wir uns eindeutig im Abstiegskampf und müssen diese Situation auch so annehmen.

Hat die Mannschaft denn auch schon realisiert, wie heikel die Lage mittlerweile geworden ist?

Mittelsdorf Da bin ich mir ganz sicher. Wir haben uns auch in der letzten Woche noch einmal zusammengesetzt. Alle wissen, worum es geht. Die schwierige Aufgabe wollen wir als Mannschaft meistern. Es warten jetzt ganz wichtige Spiele auf uns, in denen wir auf Biegen und Brechen punkten müssen.

Und wie soll das gelingen?

Mittelsdorf Erst einmal kommt es auf die Einstellung an. Ich kann jetzt sicherlich keinen Schampus-Handball von den Jungs erwarten, aber alle müssen sich den Hintern aufreißen. Wenn wir nicht besonders schön spielen, aber am Ende ein Tor mehr auf dem Konto haben als der Gegner, reicht mir das völlig. Natürlich gilt es auch, unter der Woche immer wieder intensiv an den Schwächen, die wir in den vorherigen Partien gezeigt haben, zu arbeiten.

Sie haben ja schon vor der Saison betont, dass die Aufgabe bei der HSG Wesel nach dem Oberliga-Abstieg eine große Herausforderung darstellt. Nach einem halben Jahr sehen Sie sich da sicherlich bestätigt, oder?

Mittelsdorf Ich bin da gewiss nicht blauäugig herangegangen. Dass uns einige Leute im Vorfeld als Aufstiegskandidat gesehen haben, nur weil wir aus der Oberliga abgestiegen sind, war absurd. Hier muss eine ganz neue Mannschaft zusammenwachsen. Das geht nicht in einem halben und auch nicht in einem Jahr, sondern wird noch mehr Zeit brauchen. Auch deshalb habe ich ja schon für die nächste Saison verlängert, genau wie fast alle Spieler. Ich bin schon überzeugt davon, dass wir insgesamt auf dem richtigen Weg sind. Jetzt müssen wir aber erst einmal sehen, dass wir schnell die nötigen Punkte für den Klassenerhalt holen. Es wäre schlecht, wenn wir in den letzten zwei, drei Partien noch unter Druck stehen.

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