Handball: Kleiner Kader das Problem der HSG Wesel

Handball : Kleiner Kader ist das Problem der HSG Wesel

Der Absteiger startet mit nur zwölf Akteuren in die am Wochenende beginnende Verbandsliga-Saison. Der neue Trainer Jan Mittelsdorf setzt sich trotzdem ambitionierte Ziele. Seine Mannschaft soll attraktiven Handball spielen.

Wer derzeit bei den Handballern der HSG Wesel vorbeischaut, wird erstaunt sein über die wenigen Spieler, die sich dort beim Training tummeln. Keine Frage: Beim Oberliga-Absteiger war schon mal mehr los. Der neue Coach Jan Mittelsdorf, Nachfolger des zur HSG Haldern/Mehrhoog/Isselburg gewechselten Sven Esser, kann derzeit nur auf einen zwölf Mann starken Kader zurückgreifen. Er hatte mit HSG-Teammanager Christian Weber monatelang versucht, weitere Akteure mit entsprechender Qualität anzuwerben – am Ende mit mäßigem Erfolg.

„Ich habe gewiss nicht die Kadergröße, wie ich sie mir vorstelle”, sagt der Coach. „Aber wir haben eine spielfähige Mannschaft. Und die kann sicher in der Verbandsliga bestehen.” Nach dem langen Abstiegskampf und der damit verbundenen Ungewissheit über die sportliche Zukunft waren fast alle infrage kommenden Spieler bereits andernorts unter Vertrag.

In konditioneller Hinsicht hat der neue Übungsleiter sein Team in einen guten Zustand gebracht. Es fehlt noch die Feinabstimmung. Viel Zeit bleibt nicht. Am kommenden Samstag, 19.30 Uhr, startet die HSG in die Saison. Und das mit einem schweren Auswärtsspiel bei TuS Treudeutsch Lank, einem Team mit Ambitionen, das schon in der Vergangenheit um die vorderen Plätze mitspielte. „Das wird ein dickes Brett”, sagt der Trainer und betont, wie sehr ihn dieser frühe Saisonbeginn ärgert. „Eine weitere Woche Vorbereitung hätte uns sicher gut getan.”

Anders als die HSG verfügt der Gastgeber über eine über Jahre gewachsene Mannschaft mit einem stabilen Kader. Auch in diesem Sommer gab es kaum Abgänge. „Da etwas zu holen, wird für uns ganz schwer”, sagt Mittelsdorf, der aber keineswegs die Flinte schon vorher ins Korn werfen will. „Wichtig ist, dass wir uns gut präsentieren. Und wenn dabei ein Pünktchen herausspringen sollte, wäre das super.”

Immerhin sind mit Marius Hünting, Jörn Hauenstein, Philipp Müngersdorf, Niklas Borowski, Nedim Pobric, Daniel Weber und Dominik Weber sieben Spieler aus dem Oberliga-Kader der vergangenen Saison geblieben. Aus der zweiten Mannschaft rückten Dennis Vengels und Petar Popovic auf. Mit Torhüter Matthias Baatz (SV Neukirchen) und Florian Jacobi (SC Bottrop) kehrten zwei Akteure zurück, die schon früher einmal für Wesel spielten. Weiterer Neuzugang ist Tobias Hermann, der vom TV Jahn Hiesfeld zur HSG stößt. Zudem wird Michael Steffens ab und an den Kader auffüllen. Der 34-jährige Kreisläufer hatte seinen Rücktritt zum Saisonende 2016/17 angekündigt, wird aber im Notfall aushelfen – je nach Motivation und Gesundheitszustand. „Genau genommen sind wir mit ihm nun zwölfeinhalb Spieler”, sagt Mittelsdorf.

Doch auch wenn der Kader dünn besetzt ist und die Vorbereitung holprig war, bleibt der neue Coach ambitioniert. Er wolle den Handball in Wesel verändern, sagt er. Interessanter und schneller soll das Spiel seines Teams werden. Und das mit Spaß, neuen Ideen und viel frischem Wind. Aber er weiß auch, dass das ein langer Prozess werden kann. „Nicht jeder Akteur passt in jedes Konzept”, sagt Mittelsdorf. „Wir werden schauen, wer was spielen kann, zu Beginn aber sicher auf Bewährtes zurückgreifen.”

Damit soll rasch ruhiges Fahrwasser erreicht werden. Von den Abstiegsrängen will man sich von Beginn an fernhalten. Die HSG Wesel peilt einen Mittelfeldplatz an. Und mit der Sicherheit eines frühzeitigen Klassenverbleibs sollten dann auch wieder Spieler zu überzeugen sein, zur HSG zu wechseln. „An Attraktivität jedenfalls hat der Handball in Wesel auch durch den Abstieg aus der Oberliga nicht verloren”, sagt Mittelsdorf.

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