Fußball: Hamminkelner SV will Zitterspiel vermeiden

Fußball : Hamminkelner SV will sich ein weiteres Zitterspiel ersparen

Der Bezirksligist sicherte sich in den vergangenen beiden Spielzeiten erst beim Saison-Finale den Klassenerhalt. Nun will er mit einem deutlich größeren Kader den Verbleib in der Liga früher perfekt machen. Der neue Trainer Michael Tyrann will ein neues System einstudieren.

Die Botschaft ist ebenso simpel wie eindeutig: Nur nicht wieder bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt in der Fußball-Bezirksliga zittern. Die Kicker des Hamminkelner SV stecken erst seit wenigen Tagen in der Vorbereitung, aber die Eindrücke der vergangenen beiden Spielzeiten wirken noch nach. Zweimal in Folge gelang es dem Club, am letzten Spieltag den Abstieg abzuwenden. Insbesondere das Ende der vergangenen Saison war prägend, da erst das Tor zum 1:0 von Oliver Kappes gegen den RSV Praest in der vierten Minute der Nachspielzeit die Erlösung brachte. „Das waren unbeschreibliche Glücksgefühle”, sagt Trainer Michael Tyrann im Rückblick. „Die Anspannung war an jenem Tag nicht zu überbieten. Ein Sonntagabend-Tatort ist dagegen nichts.”

Michael Tyrann war damals zweiter Mann hinter Trainer Thorsten Albustin, aber bereits Chefcoach im Wartestand. Nach dem überraschenden Wechsel von Albustin  zurück zu RWS Lohberg übernimmt der 39-Jährige nun die Verantwortung bei den Grün-Weißen. In dieser Position will er die Fehler vermeiden, die zu jener prekären Situation im Mai geführt hatten. Man habe sich nach einer erfolgreichen Hinserie mit 26 Punkten und zwölf Zählern Abstand zu den Abstiegsrängen zu sicher gefühlt. „Die Rückserie hat uns auf empfindliche Weise gezeigt, was passiert, wenn man nicht permanent 100 Prozent abruft.”

Insofern wundert es nicht, dass Tyrann, der mit dem HSV seit dem 6. Juli in der Vorbereitung ist, die Intensität deutlich erhöht hat. Mit Ausnahme weniger Spieler, die noch urlaubsbedingt fehlen, bittet der Coach gleich fünf Mal in der Woche zum Training. Auch die ersten beiden Testspiele gegen den HSC Berg (5:3) und gegen den VfB Lohberg (1:2) liegen schon hinter seinem Team. Das nächste steht am morgigen Mittwoch, 19.30 Uhr, bei TuB Bocholt an. Ergebnisse sind derzeit zweitrangig, weil der HSV ein neues Spielsystem etablieren will. „Wie genau das funktionieren wird, möchte ich noch nicht verraten”, sagt Tyrann. „Es wird fruchten, aber wir werden ein wenig Zeit brauchen, bis die Abläufe funktionieren.”

Parallel zum neuen System muss Tyrann fleißig Integrationsarbeit leisten. Acht neue Spieler stehen im Kader, wobei mit Pascal Bongers (20 Jahre), Berkay Kürekci (21), Arda Gözüdok (19) und Torwart Yannik Brand (18) gleich vier Akteure vom Nachbarn PSV Wesel geholt werden konnten. Bervedan Mengülogul (23) von Wesel Anadolu Spor soll die Innenverteidigung stärken, Jonas Ihlbrock (18) aus der A-Jugend des 1. FC Bocholt den Angriff. Mit Raik Wittig (36) kehrt ein Altbekannter vom GSV Suderwick zum HSV zurück, Christoph Blümer (18) stammt aus der eigenen A-Jugend. Insgesamt setzt der Trainer auf junge, hungrige Kicker und einen deutlich aufgestockten Kader, nachdem in der vergangenen Spielzeit zeitweise gleich zehn Stammspieler verletzungsbedingt aussetzen mussten.

Also alles gut beim Hamminkelner SV? Nicht ganz. Noch immer werden Lars Klein-Hitpaß (Knorpelverletzung) und Oliver Hooymann (Kreuzbandriss) fehlen und wohl erst im Herbst zur Mannschaft stoßen. Zudem gilt es, den Abgang von Hendrik Storm zu kompensieren, der aus beruflichen Gründen seine Karriere beendete, aber im Notfall bei einer erneuten Krise einspringen könnte, hofft Tyrann. „Trotz dieses Umbruchs”, sagt er, „sehe ich uns auf einem guten Weg, auch wenn die kommende Saison eine Riesenaufgabe wird. Die Zuversicht ist groß, diesmal entspannter ins Ziel einzulaufen.”

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