Fußball: Fall SVS: Ball ist jetzt beim Verband

Fußball : Fall SVS: Ball ist jetzt beim Verband

Fußball ist einfach. "22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach und am Ende gewinnen die Deutschen", hat Englands Fußball-Star Gary Lineker das Spiel einst erklärt. Fußball kann aber unheimlich kompliziert werden, wenn sich die handelnden Akteure nicht auf dem Rasen, sondern vor den Schranken des Gerichts treffen wie beim 15-Minuten-Ding des SV Schermbeck.

Gestern ging das Spiel für wenige Sekunden vor dem Landgericht Duisburg weiter, als die Sechste Zivilkammer das Urteil verkündete, das sie eine Woche zuvor juristisch erläutert hatte.

"Der SV Schermbeck wird vorläufig zur Fußball-NRW-Liga zugelassen", sagte Richter Jan Behrmann. Dann war der Spuk vorbei, bei dem SVS-Anwalt Stephan Proff, der auf der Fahrt zu einem Termin in Köln in Duisburg vorbeischaute, anwesend war.

Das Gericht gab der Einstweiligen Verfügung des SVS bekanntlich statt, weil es die Strafe Liga-Ausschluss für eine 15-minütige Verspätung für unverhältnismäßig hielt.

Präsidium tagt am Freitag

Allerdings: Rechtskräftig ist das Urteil erst, wenn der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletik-Verband (WFLV) jetzt keine Berufung beim Oberlandesgericht Düsseldorf einlegt. Das WFLV-Präsidium berät am Freitagabend darüber. Fakt ist aber, dass der SVS nicht die Sorge haben muss, im letzten Moment wieder aus der Liga gekegelt zu werden.

Walter Hützen, der den Verband vor dem Landgericht vertrat und Vize-Präsident des WFLV ist, wollte sich gestern zwar nicht zur Sache äußern. "Kein Kommentar zu einem schwebenden Verfahren." Verbandschef Hermann Korfmacher war mitteilsamer.

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Für ihn ist klar, dass die NRW-Liga am 9. August mit dem SVS startet, was er in der letzten Woche bereits mitgeteilt hatte. "Walter Hützen hat mir erklärt, dass er nicht die Chance sieht, das Berufungsverfahren bis zum Saisonstart hinzukriegen. Deshalb ist verbindlich, dass der SV Schermbeck in der Liga spielt", sagte der WFLV-Präsident.

Die Frage, was passiert, wenn bei einem eventuellen Berufungsverfahren nach Saisonstart gegen den SV Schermbeck entschieden würde, ließ Korfmacher jedoch weiter offen. "Auch darüber werden wir am Freitag sprechen. Wir müssen eine Lösung finden, die für die Menschen und die Vereine verständlich ist", sagte Korfmacher. Der Verband könnte den SVS kaum aus der Liga werfen, wohl aber zum ersten Absteiger und die restlichen Partien des SVS somit zum Muster ohne Wert erklären. Doch das scheint ausgeschlossen zu sein.

Schließlich würde das die gesamte Liga treffen, weil Spiele des SVS kaum noch zahlendes Publikum anziehen würden. Und Korfmacher hat stets erklärt, "dass anderen Vereinen kein Nachteil durch das Urteil eines Zivilgerichts entstehen darf."

Hier geht es zur Infostrecke: SVS wieder in der NRW-Liga: Stimmen zum Urteil

(RP)