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Reitsport: Ein Amateur unter Profis

Reitsport : Ein Amateur unter Profis

Reiterin Vanessa Borgmann hat den Sprung in den Bundeskader geschafft. Die 18-jährige Weselerin hofft, einmal bei der Europameisterschaft starten zu können. Doch von einer Karriere als Berufsreiterin träumt sie nicht.

Vanessa Borgmann träumt nicht den Traum, den wohl viele träumen würden, die es so weit wie sie gebracht haben. "Nein, Berufsreiterin möchte ich nicht werden. Das ist ein Knochenjob", sagt die 18-Jährige.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass 2011 bislang ein Erfolgsjahr für sie ist. Erst gewann sie Anfang Januar in Gahlen ein Zwei-Sterne-Springen der Klasse S und ließ dabei prominente Konkurrenz hinter sich. Vor kurzem feierte die Amazone in Warendorf mit dem dritten Platz beim Preis der Besten im Springen für Junge Reiter (18 bis 21 Jahre) den größten Erfolg ihrer Karriere.

Das gute Abschneiden beim Treffen der talentiertesten deutschen Reiter sorgte dafür, dass sie wieder mit dem Adler auf der Reitjacke in den Parcours gehen kann. Borgmann wurde in den Bundeskader der Junge Reiter berufen und ist bei den weiteren Sichtungen für die Europameisterschaft in Portugal dabei. Das zweite von drei Turnieren fand am vergangenen Wochenende in Wierden (Niederlande) statt. Dort erzielte die Reiterin, die für den RV Brünen startet, erneut gute Ergebnisse (siehe Info-Kasten).

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Doch ein Start bei der EM ist für die Weselerin, die im nächsten Jahr am Berufskolleg ihr Abitur mit den Leistungskursen Sport und Biologie machen will, 2011 noch kein Thema. "Irgendwann möchte ich bei den Jungen Reitern einmal bei der EM dabei sein — aber nicht in diesem Jahr", sagt Borgmann.

Zum einen, weil die Strapazen mit der 2500 Kilometer langen Anfahrt auf eigene Regie nach Portugal sehr groß wären. Zum anderen, weil Vanessa Borgmann realistisch genug ist, um zu wissen, dass die Konkurrenz im Bundeskader enorm stark ist. "Da bin ich ein reiner Amateur unter Profis und die Einzige, die noch zur Schule geht", meint sie.

2012 können einige Konkurrenten aus Altersgründen im Bundeskader aber nicht mehr bei den Jungen Reitern starten. Das verbessert dann die Chancen für die ambitionierte Tochter im Familienbetrieb in Sachen Reitsport. Vater Peter Borgmann und Mutter Sabine, die selbst früher für den RV Obrighoven geritten sind, begleiten die Tochter nicht nur im eigens dafür angeschafften Transporter mit Pferdeboxen, Küche und Schlafbereich zu den Turnieren.

Sie legen auch mit Hand an bei der Betreuung der Pferde im Stall Borgmann auf dem Gelände des RV Brünen. Peter Borgmann sieht's als willkommene Abwechslung zum oft stressigen Berufsalltag. "Ich freue mich jeden Abend darauf, wenn ich nach der Arbeit nach Brünen fahren und im Stall zum Beispiel beim Ausmisten anpacken kann. Das ist die beste Entspannung für mich", sagt er.

Klare Vorstellungen hat auch er, was die sportliche Laufbahn der Tochter angeht. Vanessa erhält zwar jede mögliche Unterstützung. "Doch die Schule und dann das Studium haben Vorrang — nicht der Sport." Vanessa Borgmann möchte nach dem Abitur ein Physiotherapie-Studium beginnen. "Das wird neu in Bochum angeboten. Ich habe mich schon vor Ort informiert", sagt die 18-Jährige, die täglich in Sachen Reitsport unterwegs ist.

Das Training absolviert Vanessa Borgmann in Brünen zumeist in Eigenregie. "Sie hat ein unheimliches Gefühl dafür, wie die Pferde trainiert werden müssen", sagt Vater Peter anerkennend. Einmal in der Woche kommt ihr Trainer Thomas Reipert aus Linnich, der ein Freund der Familie ist, zum Springtraining auf die Anlage der Jagdfalken. Er hat auch die Pferde Bolle af Stallex, Classic Girl und Oldatus, mit denen Vanessa Borgmann bei Turnieren startet, ausgesucht. Die Kaufsumme haben sich die Familie Borgmann und Reipert geteilt, die derzeit auf der Suche nach einem vierten Pferd für die Reiterin sind.

Das soll die Chancen erhöhen, dass Vanessa Borgmann die Ziele erreicht, die sie sich für 2011 gesteckt hat. "Ich möchte mich im Bundeskader etablieren und bei der Deutschen Meisterschaft starten", sagt sie. Den nächsten Schritt in diese Richtung kann sie in der kommenden Woche machen. Dann findet in Hagen am Teutoburger Wald die dritte EM-Sichtung statt.

(RP/rl)