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Fußball: Der Mann, der Fortuna durch den Alltag hilft

Fußball : Der Mann, der Fortuna durch den Alltag hilft

Mentaltrainer Axel Zehle macht die Profis des Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf durch Gespräche fit für alle Anforderungen des Lebens.

Seit einigen Tagen ist Axel Zehle in Sachen Fußball ganz für Fortuna Düsseldorf da. Das Testspiel des Fußball-Zweitligisten beim Oberliga-Aufsteiger PSV Wesel (12:1) nutzte der Mentalcoach der Fortuna für seinen Ausstand beim PSV, dessen Co-Trainer er drei Jahre lang war. Mit dem Herzen war Zehle freilich immer schon ganz Fortune — seit seinem fünften Lebensjahr. "Da war ich das erste Mal im Stadion und gleich Feuer und Flamme", sagt Zehle.

Folglich musste er auch nicht lange überlegen, als der Verein im Jahr 2010 mit der Anfrage auf ihn zukam, ob er nicht Mentalcoach werden wolle. Seitdem ist viel passiert bei Fortuna — Aufstieg 2012, Abstieg 2013, ein großer Wandel im Spielerkader. "Von allen Profis, die bei meinem Dienstantritt im Kader standen, sind heute nur noch Andreas Lambertz und Oliver Fink dabei", sagt der 38-Jährige.

Kaum ein Job bei Fortuna wird so oft missverstanden wie der Axel Zehles. "Ich bin kein Psychiater und kein Psychologe", sagt er. Seine Aufgabe sei es, Fortunas Spielern über Gespräche dabei zu helfen, dass sie "vernünftig durch den Profibetrieb mit allen seinen Anforderungen kommen". Gezwungen werde dabei niemand. "Ich betrachte mich als Dienstleister", erklärt Zehle. "Ich trainiere die Spieler — im mentalen und emotionalen Bereich. Dabei rede ich nicht 90 Minuten am Stück. Oft besprechen wir nur ein, zwei Sachen, die ich beobachtet habe — am Rand des Trainings, vor der Abfahrt des Busses. Der Anspruch ist: Jeder muss sehen, dass er der beste Spieler wird, der er werden kann."

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Natürlich war der Abstieg auch für Zehle belastend. "Wir haben viel getan, um den Fallschirm noch zu öffnen", berichtet der Mentalcoach. Zum Schluss gab es Irritationen, weil Sportvorstand Wolf Werner kritisierte, Axel Zehle habe womöglich überzogen. "Aber das haben wir längst ausgeräumt", versichert Zehle. "Tatsächlich hatten wir vor dem letzten Spieltag ja nur einen Film mit den Toren gezeigt, die Fortuna geschossen hatte, mit Musik untermalt." Sicherlich nicht überzogen — aber leider auch nicht erfolgreich.

Axel Zehle blickt jedoch wieder nach vorn. "Ein Abstieg hinterlässt vielleicht eine Narbe, aber die mittelfristige Entwicklung ist viel wichtiger." Und die sieht er in jedem Fall positiv. Der 38-Jährige, der einst Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Personalentwicklung studierte und mit Cheftrainer Mike Büskens bereits auf Schalke zusammenarbeitete, will seinen Teil dazu beitragen. So, wie man es von ihm gewohnt ist: unaufgeregt, immer gesprächsbereit, am liebsten im Hintergrund.

(RP)